NuForce HEM4

NuForce HEM4 Inear

Mit der neuen Inear-Serie namens HEM baut der Projektor-Spezialist Optoma sein Kopfhörer-Sortiment unter dem Label NuForce weiter aus. Die 4 neuen Inears setzen dabei allesamt auf Balanced Armature (BA) Treiber – der Standard im professionellen Einsatz. Optoma gibt an durchgängig auf Treiber des bekannten amerikanischen Herstellers Knowles zu setzen. Den Einstieg stellt der HEM2 mit einem Treiber je Seite dar. Es folgen HEM4, HEM6 und HEM8 mit 2, 3 und 4 BA Treibern je Seite. Äußerlich unterscheiden sich die HEMs vor allem farblich: Die beiden Topmodelle HEM6 und HEM8 sind schwarz, den kleinsten im Bunde erkennt man an seiner metallic-roten Einfärbung, während der HEM4 metallisch in dunklem Blau schimmert.

Das gesamte Sortiment kommt mit dem gleichen umfangreichen Zubehör daher. Mit dabei sind:
– Hardcase
– Gewebecase
– 2 Kabel
– 5 Paar Silikon Tips
– 2 Paar Foam Tips (Comply)
– Reinigungswerkzeug
– Adapter von 3.5mm auf 6.3mm Klinke
– Kabel-Clip

NuForce HEM4 Inear mit Hardcase

Vor allem für den kleinsten Inear der Serie, den HEM2 für 249€, ist das Zubehör ziemlich beachtlich und lässt keine Wünsche offen. Auch für den 349€ HEM4 und die teureren Modelle ist das Zubehör absolut angemessen. Erhältlich ist der Inear unter anderem bei Amazon.

Verarbeitung und Passform:
Die Gehäuse des HEM4 sind jeweils aus mehreren Teilen gefertigt. Das führt natürlich zu Spalten, die zwar sichtbar aber kaum spürbar zu ertasten sind. Es ergibt sich ein leichtes und hochwertiges Kunststoffgehäuse, mit schmalem Formfaktor. Neben den Inears an sich zeigt sich auch das mitgelieferte Zubehör gut verarbeitet. Die Cases sind hochwertig und stabil. Gleiches gilt für die beiden mitgelieferten Kabel. Hier bekommt man ein Flechtkabel und ein normales Kabel mit Mikro und Fernbedienung für den Einsatz am Smartphone. Etwas weniger Bewegungsgeräusche gibt das Flechtkabel an das Trommelfell weiter; keines der beiden fällt durch unangenehm starke Geräuschkulisse bei Bewegung auf. Die Kabel lassen sich über die handelsübliche 2-Pin Steckverbindung wechseln. Drehen des Inears um das Kabel ist damit, anders als beim MMCX-Stecker, angenehmerweise nicht möglich.
Durch das relativ kompakte und hochwertige Gehäuse sitzt der NuForce gut im Ohr, dass er nach kurzer Zeit gefühlt kaum noch zu spüren ist. Er wird, wie im professionellen Einsatz üblich, mit dem Kabel über dem Ohr getragen, was besseren Sitzt gewährleistet und Mikrofonie effektiv reduziert.
Außengeräusche werden durch den NuForce gut gedämpft – besser als der Durchschnitt, aber nicht Spitzenklasse.

NuForce HEM4 Inear mit Kabel

Klang:
Optoma adressiert mit dem HEM4 vor allem ein Publikum mit Anspruch an eine neutrale Klangreproduktion. Das trifft es ziemlich gut. Die Abstimmung des HEM4 ist tatsächlich auffällig unauffällig: Der Tiefton ist dezent (ca. 3 dB) im tiefen Bass angehoben und spielt weit in den Tiefbass hinab. Der Mittelton bleibt davon vollkommen unbeeindruckt, dass man ihn wirklich als neutral bezeichnen kann. Im Grundton spielt der Inear entschlackt, sogar etwas schüchtern. Die oberen Mitten sind leicht hintergründig, was unangenehme Sibilanz vermeidet. Oberhalb des Mitteltons setzt sich der neutrale Charakter bis zu einer leichten Erhöhung in den oberen Höhen fort. Darüber hinaus bietet der 2-Treiber einen erstaunlichen Hochtonumfang. Neutral oder sehr dezent „v-shaped“ bezeichnet die Abstimmung des Inears dabei treffend.

Frequenzgang / Frequency response measurement NuForce HEM4

Dabei löst der HEM4 an seinem Preis gemessen gut bis sehr gut auf. Der Bass ist trocken und konturiert. Mittel- und Hochton sind präzise und detailreich. Selbst komplexe Musik mit hoher Schnelligkeit bringt den 2-fach BA nicht aus der Ruhe.
Die virtuelle Bühne, die der HEM4 aufspannt, ist wirklich dreidimensional und holografisch, wenn auch nicht sonderlich weit. Instrumente sowie Stimmen sind präzise zu orten und scharf voneinander abgegrenzt.
Klanglich liefert der HEM4 also eine ganze Menge – verpackt in neutraler Abstimmung mit einer Priese mehr Spaß im Bass und Hochton. Durch seine trockene und detailreiche Darstellung regt der Inear zum aktiven und konzentrierten Hören an, ohne währenddessen aufdringlich zu werden.

Da der HEM4 auf Balanced Armature Schallwandler setzt, ist es natürlich keine große Überraschung, dass er kritisch auf den falschen Audioplayer oder Verstärker reagiert. Einerseits wird das Rauschen der Quelle aufgedeckt, andererseits reagiert der Inear mit Klangveränderungen auf höhere Ausgangsimpedanzen:

Impedanzmessung  NuForce HEM4

Grün zeigt dabei, dass bereits die 4.7 Ohm, die NuForce für den uDAC5 angibt, den Klang hörbar verbiegen. Gerade der Hochtonbereich wird dadurch abgesenkt. Die Zacken des grünen sowie der Knick des weißen Frequenzgangs oberhalb von 10 KHz sind dem Messaufbau geschuldet.

NuForce HEM4 vs InEar StageDiver 2:
Aus den Eckdaten wird schnell klar wen der HEM4 ins Visier genommen hat: Natürlich den weit verbreiteten SD2! Mit 349€ (HEM4) zu 379€ (SD2) spielen beide Inears, zumindest preislich, in der gleichen Liga und setzen jeweils auf 2 BA Treiber pro Seite. Beide spielen in etwa neutral, werden über dem Ohr getragen und kommen mit wechselbarem Kabel sowie Hardcase. So viel zu den Gemeinsamkeiten.
Im Unterschied zu dem HEM4 isoliert der SD-2 besser, nämlich erstklassig. Durch die speziellen Gehäuse der StageDiver wird ein Großteil des Außenohrs ausgefüllt, der NuForce sitzt aber nicht minder bequem.
Die Abstimmung beider Inears hat in etwa die gleiche Adresse und richtet sich eher an die Fans des neutraleren Klangs. Quantitativ liefern beide eine ähnliche Menge Bass. Der HEM4 konzentriert sich dabei vor allem auf die sehr tiefen Frequenzen, während der SD-2 den Pegel gegen Mittelton subjektiv aufrechter hält. Dadurch bekommt der StageDiver eine leicht warme Einfärbung, wahrend der NuForce entschlackter wirkt. So liefert der HEM einen trockeneren Bass als der SD-2, der durch die Belüftung des Basstreibers eher weicher spielt. Dem leicht hintergründigem Hochton des StageDiver setzt der NuForce gefühlt einen leicht vordergründigeren entgegen, auch wenn die Messung eher einen dezenteren Hochton vermuten ließe.

Frequenzgang / Frequency response measurement InEar StageDiver 2 vs NuForce HEM4

Insgesamt wirkt der HEM4 eine Messerspitze feiner aufgelöst. Micro-Details, die im wärmeren Ton und sanfter ausklingendem Bass des SD-2 hintergründig erscheinen, deckt der HEM4 besser auf.
Ungeschlagen bleibt der StageDiver 2 in seiner außergewöhnlich weiträumigen Bühnenrepräsentation. Diese Weite im Klangbild kann der NuForce nicht bieten, nichtsdestotrotz werden einzelne Töne in seiner Darstellung deutlicher separiert.
Fern des Klangs versucht der NuForce mit einer Fülle an Zubehör zu trumpfen, die sein Konkurrent nur gegen Aufpreis liefert. Der StageDiver hält mit spaltloser Verarbeitung seiner Spezial-Gehäuse made-in-Germany gegen. Der HEM4 kontert mit seinem geringeren Preis, der StageDiver antwortet mit der Möglichkeit Cerumen-Filter verwenden zu können.
Insgesamt ein absolutes Kopf an Kopf Rennen in dem eigentlich nur der persönliche Geschmack einen Sieger küren kann. Wie man sich auch entscheidet erhält man einen erstklassigen Inear.

NuForce HEM4 Inear mit Tip

Fazit:
NuForce liefert mit den HEM4 ein überzeugendes Gesamtpaket, das von der Anmutung irgendwo zwischen consumer- und professionellem Equipment liegt. Verpackt wird das Paket mit einer Fülle an Zubehör, das 2 Cases und 2 Kabel beinhaltet. Neben dem Zubehör erhält man natürlich einen Inear, der seinerseits qualitativ überzeugt. Klanglich lässt sich der HEM4 als weitestgehend neutral mit etwas mehr Bass und einem Hauch mehr Hochton beschreiben. Seine klangliche Vorstellung überzeugt in Abstimmung, Auflösung sowie Präsentation und liegt durchweg auf hohem Niveau.
Insgesamt beurteilen wir den Preis von 349€ als absolut angemessen für das Gesamtpaket, das Optoma mit dem NuForce HEM4 liefert. So bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Empfehlung für den NuForce HEM4 auszusprechen!

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil – als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

Siehe alle Beiträge von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.