InEar StageDiver 2

InEar StageDiver SD 2 mit und ohne Tip

InEar ist ein deutsches Unternehmen, dessen Produkte in Handarbeit montiert werden. Das gilt natürlich auch für die Serie namens StageDiver unter der bei InEar die „Universal-Fit“ Systeme geführt werden. Der StageDiver 2 (abgekürzt SD-2 oder auch SD2), liegt preislich um 380€ und kommt mit zwei Balanced Armature Treibern pro Seite daher; als 2-Wege-System wird also jedem Weg ein Treiber zugeordnet. Über den genauen Typ der verwendeten Treiber macht InEar leider keine Angabe, inoffiziell vermuten wir aber den Einsatz des Dual-Receivers GQ-30783 der amerikanischen Firma Knowles.
Kunden eines SD-2 erhalten den Inear nicht etwa in einer bunten, mit Werbeversprechen gespickten Umverpackung, sondern direkt in einem extrem stabilen Case von Pelican des Typs IE11. Wem es beim Anblick des Preisschildes noch nicht klar geworden ist, bemerkt spätestens jetzt, dass es sich bei diesem Hörer um professionelles Bühnenequipment handelt. Der professionelle Anspruch des Monitors zeigt sich auch in der Möglichkeit Cerumenfilter gegen Ohrwachs aufnehmen zu können, um Verschmutzungen des Innenlebens vorzubeugen. Der Einsatzt für den Hifi-Genuss ist eine beliebte „Zweckentfremdung“ des Inear-Monitors.

InEar StageDiver Pelican IE11

Verarbeitung und Passform:
Eine der Besonderheiten der StageDiver Serie ist sicherlich die einzigartige Gehäuseform. Für das Design wurden etliche Ohrabdrücke digital übereinander gelegt um aus der Schnittmenge ein Gehäuse zu kreieren, dass in nahezu jedes Ohr passen soll. Eine für den gleichen Preis erhältliche S-Variante soll kleinen Ohren den passenden Fit bieten. Gehört man zu den Unglücklichen, denen ein StageDiver trotzdem nicht passt, kann die individuell angepasste Variante namens LivePro Abhilfe schaffen. Das Äquivalent LivePro 2 schlägt allerdings mit rund 200€ mehr zu Buche als der StageDiver 2. Wir jedenfalls konnten uns zusätzliches Geld und die S-Variante sparen, da bereits das Standard-Modell wie angegossen passt.
Dadurch, dass der Inear nicht nur den Gehörgang sondern auch einen großen Teil der Ohrmuschel ausfüllt, lässt sich das System kaum falsch einsetzten oder verrücken. Zusammen mit der Kabelführung über dem Ohr ergibt sich ein bombensicherer Halt, der seine Motivation sicherlich auch aus der Entwicklung für den Bühneneinsatz hat. Die ergonomischen Gehäuse sind aus schwarzem Kunststoff gefertigt und geben sich absolut ohrenfreundlich. Anders als z.B. bei Inears der Marke Shure ist der SD-2 nach der Tauchlackierung nahtfrei wie aus einem Guss – somit gibt es keine Übergänge oder Kanten zwischen den Gehäusehälften. Wahlweise lässt sich das Schwarz mit Faceplates aus Echtholz aufpeppen. Seine individuellen Designwünsche kann man in der LivePro-Serie verwirklichen – alles natürlich gegen entsprechenden Aufpreis.
Das Kabel des StageDiver 2 ist selbstverständlich austauschbar; erfreulicherweise setzt InEar dabei auf den 2-Pin Stecker, der sich nicht im Gehäuse drehen lässt. Qualitativ will das mitgelieferte Kabel aber nicht ganz in das Bild des absolut makellos verarbeiteten Inears passen. Zwar handelt sich es hierbei um ein hochwertiges verdrilltes Kabel, doch finden sich an Y-Splitter und Klinkenstecker kleine Plastiküberstände. Funktional hat das natürlich keinen Einfluss, trübt aber das ansonsten perfekte Erscheinungsbild. Passend dazu ist wiederum, dass das Kabel bei Berührung kaum Geräusche an das Gehör weiterreicht. Ebenso lassen sich die flexiblen Bügel gut an das Ohr adaptieren.
Da das Gehäuse die Ohrmuschel fast vollständig und passgenau ausfüllt, ist die Isolation gegen Außengeräusche auf sehr hohem Niveau. Die „Zweckentfremdung“ des Bühnenwerkzeugs macht sich abermals bezahlt und ermöglicht auch Hifi-Liebhabern ihre Musik in lauter Umgebung weitestgehend störungsfrei zu hören. Gerade im Sprachbereich werden Töne ausgezeichnet gedämpft, was den SD-2, im Gegensatz zu den meisten Systemen mit aktiven Noise-Cancelling, hervorragend für den Einsatz in Großraumbüros eignet.

InEar StageDiver SD 2 mit Tip (aufrecht)

Klang:
Mit zwei Treibern pro Seite, verteilt auf jeweils zwei Wege kann man dem SD2 in der heutigen Zeit schon fast Minimalismus vorwerfen. In gleicher Preisregion findet man häufig drei oder auch vier Treiber pro Seite in allen erdenklichen Kombinationen aus dynamischen und Balanced Armature Schallwandlern. Eines können wir aber schon vorweg nehmen: Der SD-2 zeigt eindrucksvoll, dass es nicht immer Masse sein muss.
Nicht nur auf dem Datenblatt ist er kein Effekthascher, denn auch seine Abstimmung glänzt mit Zurückhaltung. Am ehesten lässt sich der StageDiver als neutral-warm beschreiben.

Frequenzgang / Frequency response measurement StageDiver 2

Der Bass ist breitbandig minimal (2-3 dB) angehoben, der Hochton, bis auf einen nicht weiter auffälligen Peak im oberen Bereich, der für die Brillanz sorgt, leicht hintergründig. Enormen Bass oder Hochton entlockt man den zwei Treibern nur, wenn die Musik diese auch fordert. Dabei bleibt der SD-2 immer entspannt und unterlegt die Mitten mit einer leichten Wärme. Stimmen klingen dadurch voll und voluminös, lassen aber nicht an Auflösung oder Brillanz vermissen. Anhänger des ausgeprägten Hochtons kommen mit diesem Inear genau so wenig auf Ihre Kosten wie Bassheads. Wobei erstaunlich ist, welche Kompetenz der 2-BA-Inear an den Randbereichen des menschlichen Hörspektrums an den Tag legt. Selbst in niedrigen Frequenzen ist noch hörbar Pegel vorhanden, anders als es die technischen Daten vielleicht vermuten ließen. Gleiches gilt für den Hochtonumfang, der trotz ausbleibender Betonung sehr vollständig erscheint.
Mit seinen zwei Balanced Armature Treibern löst der StageDiver hoch auf und muss sich vor seiner Konkurrenz mit doppelter Anzahl an Treibern nicht verstecken. Auf den ersten „Blick“ mögen gerade Feinheiten im Hochton durch die ausbleibende Betonung nicht so auffällig sein, was aber nicht etwa Folge fehlender Auflösung ist. Details lassen sich nämlich nicht vermissen, wenn sie auch durch den zahmen Hochtonbereich weniger vordergründig erscheinen. Der Tiefton ist einen Hauch weniger trocken, als man es von anderen Systemen mit BA-Treibern gewohnt ist. Wohl eine Folge der Belüftung des Basstreibers. Anhängern von dynamischen Kopfhörern dürfte das entgegenkommen, da der Tieftonbereich dadurch weniger klinisch als von anderen BA-basierten Inears wirkt, wenngleich noch deutlich trockener als bei den meisten Inears mit dynamischem Basstreiber.
Neben seinem Gehäuse hat sich der StageDiver 2 gerade mit seinem räumlichen Klang einen Namen gemacht. Für einen Inear spannt er eine außergewöhnlich breite virtuelle Bühne auf. Dabei schafft er es sogar mit so manch einem ausgewachsenen Bügelkopfhörer zu konkurieren. Instrumente und Stimmen sind leicht distanziert aber glaubhaft platziert und lassen sich punktgenau orten, ohne dass dabei der musikalische Zusammenhang verloren geht. Bislang ist uns noch kein Inear untergekommen, der es geschafft hat beim Hören einen ähnlich großen Raum aufzuspannen.

InEar StageDiver SD 2 mit Tip (liegend)

Als System, dass auf Balanced Armature Treiber setzt, ist der SD-2 natürlich nicht so narrensicher anzutreiben, wie ein einfaches dynamisches System. Als potentieller Käufer muss man sein Smartphone allerdings nicht gleich für den Musikgenuss verbannen. Mit 40 Ohm und 90 dB SPL @ 0.015 Vrms ist der Inear relativ wirkungsgradstark, reicht allerdings dadurch im gewissen Maße das Rauschen des Quellgeräts an das Trommelfell weiter. Ein großer Rauschabstand bei niedrigem Pegel ist hier von Vorteil. BA-typisch schwankt der elektrische Widerstand, den das System dem Musiksignal entgegensetzt. Die nominellen 40 Ohm verstehen sich bei 1 kHz, die teils deutlichen Abweichungen können sich bei hoher Ausgangsimpedanz des Quellgeräts in klanglichen Verbiegungen bemerkbar machen. Folgendes Diagramm zeigt den StageDiver an einem Ausgang mit ungefähr 33 Ohm:

RightMark Audio Analyzer (RMAA) InEar StageDiver SD 2 - 33 Ohm vs 0 Ohm

Unschwer zu erkennen ist, dass der Bass breitbandig deutlich abgesenkt wird. Zusammen mit dem um bis zu +4.5 dB erhöhtem Hochton ergibt sich ein deutlich helleres Klangbild. Für den unverfälschten Klang sollte sich die Ausgangsimpedanz des jeweiligen Players/Verstärkers/etc. gegen 0 Ohm bewegen, geringfügig mehr tut dem Genuss allerdings noch keinen Abbruch. Etwas tricksen kann man mit dem Tausch des Orignialkabels, das mit fast 2 Ohm zu Buche schlägt; mit niederohmigen Ersatz ließe sich hier entgegenwirken.

Fazit:
Der InEar StageDiver 2 liefert mit seinen zwei Treibern ordentlich Gegenwert für seinen recht stolzen Preis. Die Konkurrenz trumpft mit mächtigen Datenblättern auf, wovon sich der SD-2 nicht beeindrucken lässt und mit klassischen Tugenden aus dem Bühneneinsatz gegen hält. Passform und Qualität der Gehäuse suchen Ihresgleichen; mit der Möglichkeit Cerumenfilter verwenden zu können, kann man dauerhaft Freude an seinem StageDiver haben. Bei Verschleiß lässt sich dann gleich auch das nicht so schöne Kabel tauschen. Die Abschirmung gegen Außengeräusche ist auf sehr hohem Niveau, was ihn, neben dem Einsatz auf der Bühne, auch für laute Umgebungen prädestiniert.
Klanglich ist der SD-2 nahezu neutral, immer entspannt und begeistert mit für einem Inear außergewöhnlich weiträumigen Klang. Auf der Suche nach einer sehr bass- oder hochtonreichen Abstimmung wird man mit dem SD-2 nicht fündig, sucht man einen warm-neutralen langzeittauglichen Inear, führt kein Weg an dem StageDiver vorbei.
Auch wenn wir von dem SD-2 überzeugt sind, empfiehlt sich in Anbetracht des Preises natürlich kein Blind- bzw. Taubkauf. Um die Geduld der Versandriesen in puncto Retoure nicht zu strapazieren, bietet sich an sich bei dem Hersteller InEar oder dessen Partnern nach Demo-Exemplaren zu erkundigen. Auf der Herstellerwebsite findet man dazu eine Liste von Anlaufstellen: inear-monitoring.eu/de/partner
Erwerben kann man den StageDiver dann direkt beim Hersteller InEar oder beim Musikhaus Thomann.

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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