Pai Audio MR2

Pai Audio MR2 Faceplate

Pai Audio (auch gerne π Audio oder 3.14 Audio) ist ein noch recht junges chinesisches Startup-Unterehmen. Bei dem in Shenzhen angesiedelten Hersteller hat man es sich zur Aufgabe gemacht preislich besonders attraktive Inears und Earbuds zu fertigen. Der MR2 stammt aus der Inear-Serie „MR“, dessen Modelle allesamt mit Balanced Armature Treibern ausgestattet sind. Wie der Name bereits vermuten lässt, sind es bei dem MR2 zwei Treiber des amerikanischen Herstellers Knowles: Einer des Typs ED-29689 für den oberen Frequenzbereich und einer des Typs CI-30120 für den unteren. Über dem MR2 platziert finden sich der MR3 und neuerdings MR4, die mit drei bzw. vier Treibern ausgestattet sind. Den Einstieg in die MR-Serie markiert der MR1. Der MR2 kostet aktuell rund 115€, bedenken sollte man, dass bei Import noch zusätzlich Einfuhrumsatzsteuer fällig wird. Dazu mehr im Abschnitt Beschaffung.
Preislich erscheint der MR2 insofern attraktiv, da mit den Treibern von Knowles sehr hochwertige Hardware verwendet wird. Um das mal in Kotext zu setzten: Als privater Käufer würde man alleine über 70€ für diese ausgeben müssen. Entsprechend hoch sind unsere Erwartungen an den Pai Audio in diesem Test.

Verpackung Pai Audio MR2

Der MR2 wird in einer schlichten Umverpackung geliefert. Mit dabei sind drei verschiedene Größen an weißen Tips und ein Aufbewahrungsbeutel. Wir würden uns anstatt des Beutels ein solideres Case wünschen, mehr Zubehör braucht man ansonsten nicht wirklich.

Verarbeitung und Passform:
Unser MR2 wurde in transparentem rot-orange geliefert. Das Gehäuse ist aus zwei Hälften zusammengesetzt, die gut passend und ohne großen Spalt abschließen. Qualitativ gibt sich der MR2 solide und fühlt sich auch so an. Dementsprechend angenehm trägt sich der Pai Audio im Ohr, auch wenn das Einsetzten etwas Probieren erfordert. Gerne rutscht das ansonsten sehr ergonomisch geformte Gehäuse etwas zu weit in das Gehör oder ragt zu weit hinaus. Nach ein paar Versuchen lässt sich der „Sweet-Spot“ finden und gute Abdichtung erzielen. Nicht gerade optimal für die Abdichtung sind die mitgelieferten weißen Tips, die wir schnell gegen deutlich flexiblere Modelle der gleichen Größe von Brainwavz getauscht haben.
Für die Preisklasse längst nicht selbstverständlich ist das wechselbare Kabel, das zudem noch qualitativ hochwertig ist. Angeschlossen wird über den beliebten MMCX, der das Drehen der Inears erlaubt. Die über den Ohren getragenen Abschnitte des Kabels sind verstärkt und bereits passend gebogen. Trotz der Trageweise über dem Ohr überträgt das Kabel mehr Bewegungsgeräusche, als beispielsweise ein Flechtkabel; ein Zubehör-Kabel kann hier Abhilfe schaffen.
Sitzt der Pai wie er soll, lässt sich eine gute Isolation erzielen, die allerdings hinter anderen Modellen mit ergonomischem Gehäuse zurück bleibt. Ein Shure SE215 oder StageDiver 2 isolieren besser. Für den Einsatz in der Öffentlichkeit ist die Abschirmung des MR2 aber allemal bestens geeignet.

Pai Audio MR2 Inear mit Kabel

Klang:
Der MR2 fällt direkt mit seiner angenehmen Abstimmung auf. Bass und Hochton sind angehoben, ohne sich stark in den Vordergrund zu drängen. Ein sehr gefälliges Klangbild, dass Viele wohl als natürlich bezeichnen dürften. Der Tiefton setzt bereits früh an und ist breitbandig angehoben (bis zu ca. +9 dB), um erfreulicherweise vor dem Grundton halt zu machen, ohne diesen allzu stark anzudicken. Stimmen bleiben weitestgehend neutral und werden auch durch die Betonung des Hochtons nicht verfärbt, die erst in den gehobenen Frequenzspektren einsetzt. Der Bereich der oberen Mitten ist leicht hintergründig, was S-Lauten zu gute kommt, die dadurch weicher ausklingen.
An beiden Enden des Hörspektrums stellt der Pai Audio noch ausreichend Pegel bereit. Der Tieftonumfang des zweifach BAs wird dabei nur durch besonders tiefbassreiche Musik an seine Grenzen gebracht und rollt gefühlt gegen 40 Hz leicht ab; möglicherweise ein Problem des Seals, da unsere Messung das nicht bestätigen kann. Auch im oberen Hochton geht die eine oder andere subtile Note verloren, was der Musik allerdings keinen merklichen Abbruch tut.

Frequenzgang / Frequency response measurement Pai Audio MR2

In der Kategorie Auflösung schlägt sich der MR2 sehr gut. Beim Hören macht der Pai kein Geheimnis daraus, dass in ihm Balanced Armature Treiber anstatt dynamischer Breitbänder werkeln. Damit verschafft er sich natürlich Vorteile gegenüber der in diesem Preisbereich überwiegend dynamischen oder hybriden Konkurrenz. Musikalische Details werden insbesondere im Hochton und den oberen Mitten fein und sauber herausgelöst. Der Tiefton ist für einen BA-Treiber von der weicheren Sorte. Gegenüber deutlich teureren Gegenspielern lässt sich so manche Feinheit in den unteren Mitten und dunklen Stimmen vermissen. Hier leistet sich der MR2 einen kleinen „Schleier“, der nur beim unmittelbaren Umstieg von hochpreisigeren Inears deutlich wird. Insgesamt besticht der MR2 aber mit einer für seine Klasse überdurchschnittlichen Auflösung.

Pai Audio MR2 Inear mit Tips M, L, S

Besondere Stärke des Pai Audio ist sein weiträumiger Klang. Bis dato waren wir das in dieser Preisklasse nicht gewohnt und sind tatsächlich ziemlich überrascht. Erstaunlicherweise kann sich der MR2 in dieser Disziplin sogar mit dem StageDiver 2 messen, der einerseits ein Vielfaches kostet und andererseits eine Art Referenz für die Räumlichkeit darstellt. Beim π fächert sich die Musik breit auf. Dabei vermittelt der MR2 vor allem die Illusion einer weit in die Breite aufgebauten virtuellen Bühne. Ob ein Ton von links oder rechts kommt, ist sehr gut zu unterscheiden und deutlich zu orten. Gepaart mit der guten Auflösung ergibt sich hier eine sehr glaubwürdige Darstellung, in der jedes Instrument und jede Stimme seinen eigenen Platz hat und auch als dieses zu erkennen ist.

Als Inear, der auf BA Treiber setzt, genügt ihm relativ wenig Leistung, um hohe Lautstärken zu erzielen. Unter diesem Aspekt reicht also ein übliches Smartphone oder ein kleiner Audioplayer. Allerdings sollte man auf eine möglichst geringe Ausgangsimpedanz seines Quellgeräts achten, um klanglichen Verbiegungen zu entgehen. Das folgende Diagramm zeigt eine Messung des MR2 an verschiedenen Geräten:

Impedanzmessung Pai Audio MR2

In grün ist zu sehen, was an einem Gerät mit hoher Ausgangsimpedanz mit dem Pai passiert. Zu beachten ist, dass das Diagramm keine Frequenzmessung ist, sondern elektrische Effekte wiedergibt und demnach eher wie ein aktivierter Equalizer zu betrachten ist. Im Vergleich zu einer ordentlichen 0 Ohm Quelle wird sowohl Bass als auch oberer Hochton reduziert, die oberen Mitten und unteren Höhen werden hingegen lauter. Insgesamt wird der Pai MR2 dadurch etwas neutraler; wir finden, dass sich das gar nicht so schlecht anhört. Wer dennoch den unverfälschten Klang genießen möchte, kommt natürlich an einem niederohmigen Gerät nicht vorbei.
Ein anderes Problem ist die Rauschempfindlichkeit. Hier zeigt sich der MR2 ziemlich reaktionsfreudig und fördert so einiges an Störgeräuschen zu Tage. In Kombination mit dem FiiO M3 ist deutliches Rauschen zu hören, was dieses Gespann für Jemanden, der seine Musik leise hört, nicht eignet.

Pai Audio MR2 vs Shure SE215:
Der Shure SE215 ist durch seine große Beliebtheit im Segment rund um 100€ einer der wohl schärfsten Konkurrenten des MR2. Der SE215 schlägt zum Zeitpunkt des Reviews mit ebenfalls rund 115€ zu Buche; nach Abgabe der Einfuhrumsatzsteuer ist der Pai geringfügig teurer.
Der Shure macht als Massenprodukt ein minimal besser verarbeiteten Eindruck. Zudem isoliert er Außengeräusche besser als der MR2. Beide verwenden ein wechselbares Kabel mit MMCX-Anschluss.

Frequenzgang / Frequency response measurement Pai Audio MR2 vs Shure SE215

Jeder der Zwei kommt mit einer bassreichen Abstimmung daher. Quantitativ ist der Tiefton in etwa vergleichbar, insgesamt klingt der Shure jedoch angedickter, was nicht zuletzt an dem deutlich matterem Hochton liegt.
Beim direkten Umstieg auf den Shure wirkt der Klang zusammengeschnürt und drückend. Andersherum wirkt der MR2 wiederum klar und luftig – sicherlich zum Teil auch auf den betonten Hochton des Pai zurückzuführen, ebenso aber auch auf seine überlegene Auflösung und Bühnendarstellung. Auch im Bass kann der MR2 mehr überzeugen. Während der SE215 hier im Vergleich sehr weich und unkonturiert anmutet, trumpft der MR2 mit mehr Kontrolle und Festigkeit auf und liefert den insgesamt präziseren Tiefton.

Beschaffung:
Da Pai Audio noch ein recht kleines Unternehmen ist und aus deutscher Sicht auf der anderen Seite der Welt liegt, wird man Pais Produkte sicher nicht so schnell im lokalen Elektromarkt bekommen. Um dennoch in den Genuss eines MR2 zu kommen, muss daher importiert werden. Bisher sind die die Produkte überwiegend im Direktvertrieb vom Hersteller erhältlich. Hierbei sollte man sich an die offiziellen Shops auf Aliexpress und ebay halten:
stores.ebay.com/paiaudio
aliexpress.com/store/1738335

In unserem Fall hat der Versand von China gerade einmal 8 Tage in Anspruch genommen. Man sollte allerdings damit rechnen, dass dieser deutlich länger dauern kann. Ungeduldige haben natürlich die Möglichkeit gegen Aufpreis einen andere Versandart zu wählen.
Wie zu Beginn angesprochen sind bei Einfuhr nach Deutschland 19% Einfuhrumsatzsteuer zu bezahlen. Das erhöht den Preis des MR2 hierzulande leider um ca. 22€.

Kabel Pai Audio MR2

Fazit:
Auch wenn der Import natürlich eine kleine Hürde darstellt, sind wir von den Qualitäten des MR2 überzeugt. Für rund 137€ inkl. Steuern ist der Pai preislich sehr attraktiv und weist, insbesondere mit seinen klanglichen Qualitäten, andere Inears in die Schranken. Seine Verarbeitung befindet sich auf einem guten Niveau, so auch die seines wechselbaren Kabels.
Mit seiner gelungen Abstimmung trifft er in die Kerbe der spaßigen Inears, ohne dabei übertrieben zu wirken. Zudem löst er, gemessen an seinem Preis, überdurchschnittlich gut auf. Darüber hinaus kann der Pai Audio MR2 beonders mit seinem sehr räumlichen Klang begeistern.
Der MR2 ist π rundum gelungen. Wir freuen uns auf weitere Produkte des noch jungen Herstellers – definitiv eine Marke, die man im Blick behalten sollte.

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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