Vergleich: Clip Zip | M3 | X2

Der Sansa Clip: Preiswert, klein, praktisch, niedrige Ausgangsimpedanz und nicht zuletzt durch den hervorragenden Klang beliebt, war der kleine Player von SanDisk die Empfehlung in der Welt der kleinen Audioplayer. Für Viele ist er immer noch ein beliebter Begleiter für den Sport und für Unterwegs oder tatsächlich sogar für ausgedehntes Hören Zuhause auch mit Kopfhörern, die den Preis des kleinen Players um ein vielfaches übersteigen.
Doch wer jetzt noch einen Sansa erstehen möchte (von den nicht sehr beliebten Sansa Clip Sport oder Jam mal abgesehen), muss tief in die Tasche greifen, um noch einen aus den Restbeständen zu ergattern. Preise von 90€ oder mehr sind keine Seltenheit.
Genau da wollen die Firmen Fiio und Xduoo Abhilfe schaffen und versuchen die Nachfolge mit dem Fiio M3 und dem Xduoo X2 anzutreten. Wer ist also der rechtmäßige Thronfolger des SanDisk Clip +/Zip? Kann es überhaupt einen geben?

SanDisk Sansa Clip Zip

Für den Sansa tritt ein Clip Zip mit Rockbox in der Version 3.13 an. Der Fiio M3 geht mit Firmware Version 1.4 ins Rennen, der Xduoo X2 mit Version 7.0. Für die beiden Herausforderer wird es wohl aus technischen Gründen nie Rockbox geben.

Bedienung, Haptik und Design:
Der Sansa ist der kleinste im Trio und kommt als Einziger mit dem Namensgebenden „Clip“. Der Fiio und Xduoo sind, wie auf dem Foto oben zu erkennen, zwar deutlich größer trotzdem aber sehr kompakt.
Fiio hat den M3 mit einem Farbdisplay ausgestattet, das im Vergleich zu den anderen beiden Kandidaten doch einiges her macht. Der Xduoo überrascht im ersten Moment mit einem erstaunlich großem Display. Die Ernüchterung kommt beim Einschalten, nachdem einem genau vier schmale Zeilen in Gelb und Blau zur Verfügung stehen. Die effektiv nutzbare Displayfläche ist beim Sansa sogar größer und besonders durch die Möglichkeiten von Rockbox deutlich effizienter nutzbar.
Xduoo hat seinem X2 als einzigem ein Gehäuse und Bedienelemente aus Metall spendiert, was tatsächlich schon fast edel daher kommt. Bei der Materialwahl des Displayglases scheint allerdings gespart worden zu sein, da dieses schon zerkratzt aus der Verpackung kam und von den Reflexionseigenschaften einem Spiegel ähnelt. Ähnliches gilt für die Verarbeitung des SD-Slots, bei dem man mit etwas Glück seine Speicherkarte nebenher im Gehäuse versenken kann. Die Budgetaufteilung von Fiio ist da deutlich sinnvoller, der zwar aus Plastik ist, bis auf die knarzenden Knöpfe aber grundsolide erscheint. Und der Sansa? Der ist eben ein Sansa.
In der Handhabung fühlt man sich beim ihm durch Rockbox direkt Zuhause. Aber auch der Fiio macht keinen schlechten Job. Ein paar Eigenheiten gehören ja mittlerweile zu einem Audioplayer fast dazu. So bietet der Fiio eine Hold-Funktion, wie man sie von z.B. iPods kennt. Ist das Gerät ausgeschaltet, lässt es sich trotz aktiviertem Hold anschalten, um sich nach Erkenntnis der Schalterstellung direkt wieder zu verabschieden. Und die Einstellungen? Die lassen sich nur über die Wiedergabeansicht erreichen. Nicht unbedingt schön, aber doch besser als beim Xduoo, der zwar durch seine nur wirklich rudimentären Möglichkeiten aufgeräumt und logisch erscheint, aber allein schon durch seine nur vier Zeilen Display frustrierend zu bedienen ist. Außerdem fehlt es an vielen wichtigen Funktionen wie einer Ordnung nach Interpreten oder Alben, da lediglich die Ordnernavigation zur Verfügung steht. Eine Möglichkeit Playlisten anzulegen habe ich bisher auch noch nicht entdecken können.

FiiO M3 und Xduoo X2

Ausgangsimpedanz:

Sansa:
30 Ohm * (477,6 mV – 470,5 mV) / 470,5 mV = 0,45 Ohm

Fiio:
30 Ohm * (488,9 mV – 482,9 mV) / 482,9 mV = 0,37 Ohm

Xduoo:
30 Ohm * (510,1 mV – 508,1 mV) / 508,1 mV = 0,12 Ohm

Hier schneiden alle drei Geräte absolut hervorragend ab. Bei keinem der Player sind unerwünschte klangliche Einflüsse durch eine zu hohe Impedanz des Ausgangs zu befürchten. Unter dem Gesichtspunkt sind alle also „BA-tauglich“.

FiiO M3 Rueckseite Xduoo X2 Rueckseite

Leistung:
Trotz der kleinen Bauform macht das Trio ordentlich Dampf. Inears lässt jeder der Drei komfortabel auf Hörschaden-Niveau spielen und auch den einen oder anderen Bügelkopfhörer können sie zum Verzerren bringen. Der HiFiMAN HE-400 spielt an dem Sansa, der der schwächste im Vergleich ist, mehr als ausreichend Laut mit moderner Musik, verzerrt teilweise sogar schon. Klassikfans werden sich hier wohl noch etwas mehr Reserve wünschen, zumal der Sansa gefühlt am ehesten zu Clipping neigt. Der Fiio hinterlässt auf maximalem Pegel einen minimal besseren Eindruck gefolgt von dem Xduoo, der hier der stärkste ist. Der Sansa lässt sich durch Rockbox in 1dB Schritten regeln, der Fiio stellt bis zu 60 Schritte a 2dB zur Verfügung. Bei dem Xduoo kann man Die Lautstärke in 40 Stufen von ungefähr 1,5dB anpassen.

Sansa:
No Load: 1,007 V
Power @ 30 Ohm: 30,34 mW

Fiio:
No Load: 1,009 V
Power @ 30 Ohm: 33,20 mW

Xduoo:
No Load: 1,139 V
Power @ 30 Ohm: 40,28 mW

Kleine Anmerkung am Rande: Die von Xduoo für den X2 angegebenen „250 mW (32 Ohm load)“ sind die reinste Frechheit.

Xduoo X2 Seite

Rauschen:
Besonders wer empfindliche Inears antreiben möchte ist auf ein gutes Rauschverhalten angewiesen. Gerade die drei Player sind durch ihre geringe Ausgangimpedanz, nicht allzu hoher Leistung und ihrer Kompaktheit für das Hören mit Inears prädestiniert. Umso enttäuschender ist, dass Fiio und Xduoo hier nicht in die großen Fußstapfen des sonst so kleinen Sansas treten können.
Mit dem InEar StageDiver 2 lässt sich bei dem Sansa fast kein Rauschen feststellen, so wenig, dass es schon in stiller Umgebung nur mit Konzentration zu hören ist. Sobald die Musik auch nur leise spielt, erscheint der Hintergrund schwarz.
Der Fiio hingegen rauscht deutlich. Leisehörer, die Inears benutzten kommen hier nicht auf ihre kosten. Mit Musik hört man insbesondere bei geringer Lautstärke nicht nur seine Musik sondern auch den Fiio. Dabei ist das Rauschen hochfrequenter als z.B. beim Xduoo.
Eben dieser rauscht relativ warm, was besonders bei niedrigem Pegel den gesamten Klang ins Warme verfärbt. Dabei rauscht der Xduoo sogar noch einmal lauter als der Fiio und holt sich in diesem Kapitel den letzten Platz.

Wer allerdings nur Bügelkopfhörer benutzt, sollte wegen des Rauchens keinen Skrupel haben zu Fiio oder Xduoo zu greifen, da dieses in der Regel damit nicht hörbar ist. Mit beispielsweise dem HiFiMAN HE-400 oder einem Koss Porta Pro ist kein nennenswertes Rauschen zu hören. Ein Shure SE215 oder selbst der Xiaomi Piston v2 machen Leisehörern nur am Sansa Freude.

RMAA-Ergebnisse:
Gemessen wurde an einer Last von 30 Ohm und ohne Last mit einer Realtek ALC663. Die Player waren jeweils auf ca. 180mV eingestellt.

Test Sansa Clip Zip
@~180mv
into 30 ohms
Fiio M3
@~180mv
into 30 ohms
Xduoo X2
@~180mv
into 30 ohms
Sansa Clip Zip
@~180mV NL
Fiio M3
@~180mV NL
Xduoo X2
@~180mV NL
Frequency response
(from 40 Hz to 15 kHz), dB:
+0.08, -0.02 +0.12, +0.02 +0.02, -0.05 +0.08, -0.00 +0.11, +0.02 +0.02, -0.04
THD, %: 0.050 0.0084 0.019 0.013 0.0077 0.0077
IMD + Noise, %: 0.083 0.096 0.045 0.053 0.096 0.036

Der Test mit dem RightMark Audio Analyzer offenbart in diesem Fall keine bösen Überraschungen. Xduoo hat hier mit seinem X2 leicht die Nase vorn.

Subjektiver Klangeindruck:
Bei lockerem Hören mit verschiedenen Kopfhörern habe ich den schwachen Eindruck gewonnen, dass der Fiio minimal kühler und ein klein wenig unsauberer im Hochton wirkt, als die anderen Beiden. In mehreren Blindtest-Versuchen konnte ich das aber nicht bestätigen.
Nur bei besonders niedrigen Pegeln mit empfindlichen Inears, neigt der Fiio durch sein kühles Rauschen zur Verfärbung und der Xduoo durch eben sein warmes.
Der Sansa bleibt absolut neutral, vermittelt aber, wie schon erwähnt, auf höchster Lautstärkestufe einen angestrengteren Eindruck.
Bis auf das Rauschen unterscheiden sich die Drei klanglich schlechtestenfalls in absoluten Nuancen, soll heißen: Die drei klingen eigentlich gleich.
Vor dem Probehören wurde natürlich per Multimeter gepegelt.

Fazit:
SanDisk bleibt mit seinem Sansa unerreicht. Das Gesamtpaket aus Kompaktheit, Klang und die Möglichkeiten der Bedienung mit Rockbox können die anderen Beiden einfach nicht bieten.
Für Bügelkopfhörer können klanglich der Fiio und der Xduoo dem Sansa die Stirn bieten. Der Xduoo misst sich dabei tatsächlich sogar noch besser, als der ohnehin schon hervorragende Sansa. Käufer des Xduoo müssen sich dabei allerdings mit nur den notwendigsten Funktionen zufrieden geben. Wem das nicht reicht, ist besser bei Fiio aufgehoben und bekommt, bei Verzicht auf das Metallgehäuse, ein deutlich besseres Display und wichtige Funktionen, wie z.B. die Sortierung nach Interpreten oder die Möglichkeit Playlisten anzulegen. Der Fiio ist zum Testzeitpunkt mit 69€ allerdings auch ein gutes Stück teurer, als der Xduoo mit 42€.
Hififans, die Inears (vor allem Empfindliche) benutzen möchten, sollten lieber versuchen einen Sansa zu ergattern oder sich anderweitig umsehen. Denn hier bleibt der kleine Sansa in seiner Klasse unerreicht.
Da der Sansa in diesem Test aber nicht seine eigene Nachfolge antreten kann, sehe ich am ehesten den Fiio als Gewinner, da er einfach das bessere Paket bietet und vor allem Funktionen hat, die ich einfach als Grundvoraussetzung für einen Player sehe, auch wenn bei ihm nicht immer alles so gut funktioniert, wie man sich das wünschen würde, und vor allem sein Rauschverhalten mich doch enttäuscht hat.

FiiO M3 und Xduoo X2

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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2 Kommentare zum Beitrag “Vergleich: Clip Zip | M3 | X2

  1. Wer braucht schon rockbox wenn der xduoo x2 klanglich schon perfekt abgestimmt ist ? Diese ganzen Rockbox Spielereien sind genau das:
    Spielereien. Der x2 klingt doch um Welten besser als der Sansa und der M3, ja sogar besser als der Fiio X1 (meine Meinung) und hat ein Vollaluminiumgehäuse.
    Ein Hifi Player sollte doch vorallem gut klingen, Ordnerstruktur reicht völlig… Lieber ein paar Funktionen weniger und dafür maximalen Klang + Build Qualität!

    1. Hallo Matthias, vielen Dank für dein Feedback!

      Wer auf den Komfort von Rockbox verzichten kann, hat in der Tat mit dem X2 einen wunderbaren Player. Am besten geeignet ist er (wie der FiiO M3 auch) für Bügelkopfhörer mit mittlerem Wirkungsgrad, an Inears hat der Sansa durch sein deutlich geringeres Rauschen die Nase vorn.

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