Shootout: FiiO, iFi, JDS Labs, Meier Audio

Meier Audio Corda PCSTEP, FiiO E17K, iFi nano iDSD, JDS Labs C5D

Jeder hat heutzutage ein Smartphone. Klanglich sind deren Kopfhörerausgänge aber nicht immer unbedingt auf Höhe der Zeit. Gerade wenn empfindliche Inears betrieben werden sollen, führt das häufig zu Problemen mit Rauschen und anderen Störgeräuschen; für große Bügelkopfhörer fehlt nicht selten schlicht die Leistung. Ähnlich ging es der Belegschaft von Headflux auch, also musste ein Klangupgrade her: Ein digitaler Kopfhörerverstärker. Dieser soll natürlich am Micro-USB eines Android Smartphones oder am iPhone Lightning laufen und eine eigene Stromversorgung besitzen.
Ein digitaler Kopfhörerverstärker wird auch gerne etwas sperrig „DAC+KHV“, also „digital-to-analog converter + Kopfhörerverstärker“ genannt. Ausmachend ist demnach, dass er mit einem digitalen Musiksignal z.B. über USB versorgt wird, es eigenständig wandelt und dann verstärkt, um einen Kopfhörer unmittelbar antreiben zu können. Der Großteil der HiFi-Kette kann so aus dem Smartphone ausgelagert und von hoffentlich hochwertigerem Equipment übernommen werden.
Unseren eigenen Auswahlprozess haben wir natürlich fleißig dokumentiert. Dieser Artikel ist dadurch etwas anders aufgebaut als die bisherigen und eher ein Shootout als ein Review, in dem sich gleich vier verschiedene Modelle gegeneinander behaupten müssen – alle im Preisbereich von grob 200€.

Im Foto oben von links nach rechts:
– Meier Audio Corda PCSTEP: 250€
– FiiO E17K Alpen 2: 160€
– iFi Nano iDSD: 225€
– JDS Labs C5D: 260€

Ein Shootout bedingt natürlich auch, dass nicht jedes Gerät jeden Test bestreiten wird. Jede Runde fliegt einer raus, also los!

Runde 0: Verarbeitung
Erst einmal aufwärmen, haptischer Erstkontakt mit allen Geräten. In dieser Runde verlässt uns noch keiner.
Alle getesteten Geräte sind gut verarbeitet und aus angenehm hochwertigen Metallen gefertigt. Trotzdem lassen sich zwischen ihnen Qualitätsunterschiede feststellen.
So schneidet der JDS Labs C5D, wenn auch gut verarbeitet, subjektiv am schlechtesten ab. Die Materialen sind zwar durchweg angenehm und hochwertig, allerdings sind die Spaltmaße doch etwas „amerikanisch“. Zusammen mit den nicht so hochwertig wirkenden Bedienelementen aus Plastik, reicht es einfach nicht gegen die anderen Geräte.
Der FiiO E17K gibt sich vom Formfaktor ähnlich wie der JDS – eine gute Größe um das Gerät mit Gummibändern am Smartphone befestigen zu können. Auch beim FiiO herrschen hochwertige Metalle vor, allerdings besser montiert als beim C5D. Das sehr gut ablesbare OLED Display macht ebenfalls einen sehr guten Eindruck.
Meier Audio hat es bei seinem PCSTEP gut gemeint und ihn aufgerüstet wie einen Panzer, mit Anschlüssen und Materialdicken, die Militärstandard sein könnten. Alles ist sauber gefräst und passgenau. Jedoch könnte das Finish etwas besser sein, da manche Kanten etwas scharf geblieben sind.
Nicht minder solide ist der Nano iDSD von iFi, der sich durch sorgfältigere Nachbearbeitung der Kanten aber handfreundlicher gibt und unterm Strich die beste Verarbeitung der hier genannten Modelle bietet. Leider sind Meier und iFi ziemlich klobig und eher zur Platzierung auf dem Tisch als in der Hosentasche geeignet.

Runde 1: Ausgangsimpedanz
Die Ausgangsimpedanz ist der frequenzabhängige Widerstand des Kopfhörerausgangs. Ist dieser zu hoch, kann das negativen Einfluss auf den Klang haben. Inears (besonders solche mit mehreren Balanced Armature Treibern) sind dafür mitunter sehr anfällig. Smartphones haben häufig hochohmige Ausgänge und sind deshalb nicht immer für jeden Kopfhörer geeignet. Als würdige Verbesserung sollte ein digitaler Verstärker daher natürlich einen niederohmigen Ausgang haben, der im Optimalfall 0 Ohm sehr nah kommt. Die vier Testkandidaten haben wir natürlich bereits anhand der Herstellerangaben vorsortiert, trotzdem haben wir nachgemessen [Herstellerangabe]:

 PCSTEP  0 Ohm  [1 Ohm]
 C5D  0,06 Ohm [0,62 Ohm]
 Nano iDSD  0,33 Ohm  [1 Ohm]
 E17K  1,01 Ohm  [1,1 Ohm]

Erfreulicherweise gibt sich keiner der Kandidaten die Blöße die Herstellerangabe zu überschreiten. Die absolut minimalen Unterschiede zwischen den Werten sind vollkommen vernachlässigbar und rechtfertigen keinen Rauswurf. Also geht es mit allen Kandidaten weiter in Runde 2.

Runde 2: Erstkontakt
Geräte anschließen, Kopfhörer dran, messtechnisch pegeln und los geht´s. Vollkommen subjektiv hören wir alle Verstärker durcheinander. Wer negativ auffällt, der fliegt!
Oh iFi, noch nicht „Play“ gedrückt und schon sammelst du Minuspunkte. Ein sanftes Rauschen ertönt durch die Treiber des InEar StageDiver 2. Gut, dass nicht mehr viel davon zu hören ist, sobald die Musik einsetzt und der Nano ansonsten klanglich angenehm unaufällig bleibt.
Der Meier rauscht hingegen kaum hörbar an dem StageDiver 2. Dafür unterlegt er alles mit einem surrenden Störgeräusch, das besonders ohne spielende Musik oder in gemäßigten Passagen leiser Aufnahmen deutlich zu hören ist. Das gefällt uns nicht, zumal wir den Eindruck gewinnen, dass dadurch der Klang ins kühle verfärbt wird. Auch etwas unschön ist das Klickgeräuscht, dass bei Änderung der Lautstärke eingestreut wird.
Der JDS Labs verhält sich hier sehr vorbildlich und stört weder durch hörbares Rauschen noch durch Verfärbungen. Er ist so unauffällig wir der iFi, wenn Musik spielt, aber ohne dabei hörbar zu rauschen.
Dadurch sieht es in dieser Runde eng für denn Meier aus. Doch dann kommt der FiiO und entzündet ein wahres Rauschfeuerwerk in unserem Test-Inear. Im Gegensatz zu dem iFi ist das Rauschen des FiiO E17K deutlich lauter und auch bei Musik noch gut zu hören. Insgesamt wirkt der FiiO wenig transparent und stört neben seinem Rauschen durch ein klirrendes Klangbild, dass ihn noch verfärbter als den Meier PCSTEP erscheinen lässt.
Da waren es nur noch drei: Der FiiO kann sich gegen die stärkere Konkurrenz nicht behaupten. Den Auffälligkeiten der Anderen werden wir natürlich weiter nachgehen.
FiiO E17K

Runde 3: Blindtests
Der iFi und der JDS Labs gehen aus Runde 2 als klanglich unauffällig hervor, zumindest im Vergleich zum Meier, der mit fiesem Surren, die Aufmerksamkeit von Runde 3 auf sich zieht. Zeit sich den PCSTEP von Meier etwas genauer anzusehen – blind natürlich. Die Frage ist: Macht sich das Surren auch noch bemerkbar, wenn Musik spielt und der Hörende nicht weiß welches Gerät die Kopfhörer antreibt?
Also nehmen wir uns zuerst iFi und Meier. Erstaunlicherweise ließ sich, trotz Blindtest, der Meier jedes mal zielsicher ausmachen, wobei der Testhörer InEar StageDiver 2 jeweils bei bereits spielender Musik eingesteckt wurde, um die Geräte nicht über z.B. das Grundrauschen unterscheiden zu können.
Zieht man statt des iFi Nano iDSD den JDS Labs C5D zum Vergleich mit dem Meier heran, zeigt sich das gleiche Bild. Auch aus diesem Duo lässt sich der Meier wieder eindeutig durch seine hellere, etwas anstrengende Charakteristik erkennen. Woher diese kommt, können wir leider nur mutmaßen und würden diese ohne besseres Wissen auf das hochfrequente Surren im Hintergrund schieben. Für uns jedenfalls ist es Grund genug den anderen beiden Geräten den Vorzug zu geben und sich von dem Meier zu verabschieden.

Meier Audio Corda PCSTEP

Runde 4: Blindtests
Langsam wird die Luft dünn hier oben. An der Spitze stehen der Nano iDSD von iFi und der C5D von JDS Labs. Gewinnen kann aber nur einer, folglich gibt es eine intensive Auseinandersetzung der beiden Finalisten unter dem alt bewerten Prinzip aus Runde 3. Doch im Gegensatz zu den anderen Geräten, sind die Unterschiede dieser beiden weniger offensichtlich. Mehrere Durchgänge und verschiedenste Kopfhörer von Inears bis über Bügelkopfhörer verschiedener Treiberkonzepte bringen einfach keinen Unterschied zu Tage. Wenn die Musik einmal einsetzt, klingen beide in unseren Ohren absolut identisch. Trotzdem wird der JDS Labs C5D als Sieger aus dieser Runde hervorgehen, aus einem einfachen Grund: Spielt die Musik sehr leise, lässt sich bei dem iFi mit empfindlichen Inears Rauschen wahrnehmen, der JDS ist absolut still. Der zweite Trumpf des C5D ist seine unglaubliche Power im Vergleich zur Konkurrenz: Mit laut iFi maximal 3,3 V ist der nano iDSD für manche Bügelkopfhörer etwas knapp bemessen, der JDS Labs hält mit von uns gemessenen maximalen 5,8 V gegen und glänzt dabei vor allem in hochohmigen Lasten mit starken Spannungen. Hier rächt sich, dass der iFi im Gegensatz zu den Anderen nur eine Gainstufe hat.

iFi nano iDSD

Fazit:
Der JDS Labs C5D gewinnt. Im Vergleich zur Konkurrenz kann er einfach das beste und stimmigste Gesamtpaket liefern. Klanglich ist er ohne Fehl und Tadel und kann auch in der Handhabung überzeugen, wenn er auch nicht durch beste Verarbeitung und Design besticht. Hier kann ihm die Konkurrenz das Wasser reichen und kommt besser verarbeitet daher. Auch ganz erwähnenswert sind die analogen Lautstärkeregler von Meier und iFi, die zwecks Kanalgleichheit die Lautstärke aber letztlich digital verändern – eine elegante Lösung, die mit analogem Charme besticht. JDS Labs beschränkt sich eher auf das Wesentliche, hält es bei dem C5D simpel und spendiert ihm, getreu diesem Motto, ein einfaches Wipprädchen zur Kontrolle des Pegels, das die Lautstärke schön feinstufig und präzise steuert. Auf weitere Spielereien, wie beispielsweise eine Anzeige von Sampling- und Bitrate des Quellmaterials, wie sie der iFi nano iDSD und der FiiO E17K haben, wurde komplett verzichtet. Allerdings war JDS Labs großzügig genug dem C5D einen per Schalter in zwei Stufen aktivierbaren Bassboost zu spendieren, das bietet sonst nur FiiO.
Der Meier Audio Corda PCSTEP versucht sich durch die Art der Stromversorgung von der Konkurrenz abzuheben: Der PCSTEP wird mobil über eine 9V Block Batterie versorgt. Alternativ lässt sich ein Netzteil anschließen, das leider nicht mitgeliefert wird. Ebenso kann er, wie seine Mitbewerber auch, über den USB-Strom des Wiedergabegeräts versorgt werden. Allerdings lässt sich das bei ihm nicht unterbinden. Richtig ausschalten lässt sich das Gerät also nur, wenn man das Kabel abzieht. Ansonsten wird auch bei eingelegter Batterie Strom über USB gezogen, wenn sich der Lautstärkeregler auf Nullstellung befindet. Der C5D bietet für diesen Fall einen praktischen Schalter. Beim Nano iDSD wird die Stromversorgung über den Zeitpunkt des Einschaltens geregelt: Schaltet man erst den Nano iDSD ein und schließt ihn dann z.B. an ein Smartphone an, wird der Nano iDSD über den eigenen Akku betrieben; schaltet man den Nano iDSD nach Anschließen ein, so wird der Akku des Wiedergabegeräts verwendet.
Je nach Einsatzfall können also auch die anderen Geräte Punkte durch kleine individuelle Kniffe und Eigenschaften sammeln, bleiben aber insgesamt auf Respektsabstand zum C5D von JDS Labs. Dieser punktet dort, wo es drauf ankommt und überzeugt sonst durch schlichte Funktionalität. Somit ist er unserer Gewinner und die beste Allround Empfehlung für eine Vielzahl an Kopfhörern und Inears nach dem Motto: „One fits all“.

JDS Labs C5D

Headflux Team

Über

Das Headflux Team sind die beiden Gründer und Administratoren von Headflux.de: Sebastian und Niklas.
Wie sagt man so schön? Vier Ohren hören besser als zwei!

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2 Kommentare zum Beitrag “Shootout: FiiO, iFi, JDS Labs, Meier Audio

    1. Hallo Bieder, der Artikel ist vom 8. Mai 2016. Getestet haben wir aber schon früher und eine vorherige Version des Tests im HiFi-Forum veröffentlicht. Die Version auf der Website ist eine überarbeitete Fassung.

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