NuForce HEM8

NuForce HEM8 Inear

Mit der neuen Inear-Serie namens HEM baut der Projektor-Spezialist Optoma sein Kopfhörer-Sortiment unter dem Label NuForce weiter aus. Die 4 neuen Inears setzen dabei allesamt auf Balanced Armature (BA) Treiber – der Standard im professionellen Einsatz. Optoma gibt an durchgängig auf Treiber des bekannten amerikanischen Herstellers Knowles zu setzen. Den Einstieg stellt der HEM2 mit einem Treiber je Seite dar. Es folgen HEM4, HEM6 und HEM8 mit 2, 3 und 4 BA Treibern je Seite. Äußerlich unterscheiden sich die HEMs vor allem farblich: Die beiden Topmodelle HEM6 und HEM8 sind schwarz, den kleinsten im Bunde erkennt man an seiner metallic-roten Einfärbung, während der HEM4 metallisch in dunklem Blau schimmert.

Das gesamte Sortiment kommt mit dem gleichen umfangreichen Zubehör daher. Mit dabei sind:
– Hardcase
– Gewebecase
– 2 Kabel
– 5 Paar Silikon Tips
– 2 Paar Foam Tips (Comply)
– Reinigungswerkzeug
– Adapter von 3.5mm auf 6.3mm Klinke
– Kabel-Clip

Vor allem für den kleinsten Inear der Serie, den HEM2 für 249€, ist das Zubehör ziemlich beachtlich und lässt keine Wünsche offen. Auch angesichts der rund 500€, die der HEM8 aktuell bei Amazon kostet, sind Menge und Qualität des Zubehörs noch absolut angemessen.

NuForce HEM8 Inear

Verarbeitung und Passform:
Die Gehäuse der NuForce HEM-Serie unterscheiden sich nur farblich. Wie auch schon bei dem blauen HEM4 und dem gesamtem HEM-Lineup sind auch die Gehäuse des HEM8 aus mehreren sichtbaren Teilen gefertigt. Das führt natürlich zu Spalten, die zwar sichtbar aber kaum spürbar zu ertasten sind. Es ergibt sich ein leichtes und hochwertiges Kunststoffgehäuse, mit schmalem Formfaktor. Neben den Inears an sich zeigt sich auch das mitgelieferte Zubehör gut verarbeitet. Die Cases sind hochwertig und stabil. Optisch hochwertig wirken auch die beiden mitgelieferten Kabel. Hier bekommt man ein Flechtkabel und ein normales Kabel mit Mikro und Fernbedienung für den Einsatz am Smartphone. Etwas weniger Bewegungsgeräusche gibt das Flechtkabel an das Trommelfell weiter; keines der beiden fällt durch unangenehm starke Geräuschkulisse bei Bewegung auf. Die Kabel lassen sich über die 2-Pin Steckverbindung wechseln. Drehen des Inears um das Kabel ist damit, anders als beim MMCX-Stecker, angenehmerweise nicht möglich.
Durch das relativ kompakte und hochwertige Gehäuse sitzt der NuForce gut im Ohr, dass er nach kurzer Zeit gefühlt kaum noch zu spüren ist. Er wird, wie im professionellen Einsatz üblich, mit dem Kabel über dem Ohr getragen, was besseren Sitzt gewährleistet und Mikrofonie effektiv reduziert.
Außengeräusche werden durch den NuForce gut gedämpft – besser als der Durchschnitt, aber nicht Spitzenklasse.

Klang:
Anders als sein nahezu neutraler Bruder HEM4, spielt der HEM8 spürbar bassfreudiger und dunkler. Sein Tiefton liegt 4-5 dB oberhalb der Nulllinie, beginnt bereits unterhalb von 30 Hz und wird bis in die unteren Mitten gehalten. Stimmen sowie der übrige Mittelton sind dadurch leicht warm eingefärbt. Besonders tiefe Stimmen wirken voll und voluminös. Der obere Mittelton spielt hingegen auffällig hintergründig; beispielsweise hellere Stimmen wirken sehr dezent und indirekt. Im Gegenzug werden scharfe S-Laute entschärft, was empfindlichen Ohren zugute kommt. Um die Artikulation nicht zu verlieren, steigt die Lautstärke im Hochton bis zu einem Maximum im Bereich von 9-10 kHz an. Die Erhöhung ist hier gut platziert und dosiert und stört meist nicht – ganz im Gegenteil. Auch im Superhochton ist ausreichend Pegel vorhanden, dass hochfrequente Details vollständig dargestellt werden.

NuForce HEM8 Inear

Der Tiefton des HEM8 spielt spürbar trocken und kontrolliert. Auch im unteren Mittelton behält der HEM8 – trotz seines angefetteten Klangs – die Kontrolle und spielt gut aufgelöst. Helleren Stimmen fehlt es manchmal, bedingt durch die entspannte Abstimmung, an Pegel, um die vollen Qualitäten des HEM8 zu vermitteln. Insgesamt bietet der NuForce ein über den gesamten Frequenzbereich gut bis sehr gut aufgelöstes Klangbild, das seien 4 BA-Treibern würdig ist. Auf dem Niveau von fast 600€, die bei der Markteinführung des Inear fällig waren, sehen wir ihn allerdings nicht ganz. Für die nun fälligen knapp 500€ liefert der HEM8 eine wirklich überzeugende klangliche Vorstellung ab.
Bedingt durch seine indirekte Spielweise vermittelt der HEM8 dem Zuhörer das Gefühl großer räumlicher Entfernung zu Instrumenten und Stimmen – hier spielt die Senke im oberen Mittelton dem Zuhörer einen Streich. Nicht zuletzt durch diesen Effekt wirkt der Klang des Inear sehr weiträumig, fast schon etwas diffus, ohne aber dabei zu stark an Ortungsschärfe einzubüßen.
Abstimmung und Bühnendarstellung des NuForce HEM8 transportieren einen indirekten und entspannten Klang, der eher zu langen Hör-Sessions einlädt, als zu konzentrierter Musik-Analyse. Kleine Details der Musik stellt der NuForce ganz nebensächlich, aber vollständig und ohne nervige „In-Your-Face“-Attitüde dar.
Dem HEM8 genügen bereits 10 mV für einen Schalldruckpegel von 90 dB; Vorteil des hohen Wirkungsgrades ist, dass der Inear an schwachen Quellen sehr laut spielt, andererseits wird dadurch Rauschen deutlich zu Tage gefördert.

Impedanzmessung NuForce HEM8

Das obige Diagramm zeigt, dass der HEM8 sehr stark auf hohe Ausgangsimpedanzen reagiert. Wir empfehlen einen DAP oder Verstärker mit einer geringen Ausgangsimpedanz von möglichst unter 1 Ohm. Andernfalls muss man mit einer deutlichen Anhebung des Tiefton rechnen.

Fazit:
Mit seinem neuen Flaggschiff HEM8 liefert Optoma NuForce ein rundes Gesamtpaket. Verarbeitung, Passform und Zubehör sind mit dem Rest der HEM-Serie identisch und deshalb ebenfalls auf hohem Niveau. In der Abstimmung des Inear entschied man sich für ein warmes und entspanntes Klangbild mit vollem, aber nicht übertriebenen Bassfundament. Für die nötige Frische im warmen Gesamtbild sorgt eine gut platzierte Erhöhung im Hochton. Neben der Abstimmung überzeugen der kontrollierte Bassbereich und die Auflösung des 4-fach Balanced Armature. Von dem Preisschild des HEM8 waren wir anfangs allerdings wenig angetan. Der ursprüngliche Preis von 599€ bewegte sich deutlich oberhalb des Preises in US-Dollar und war nach unserem Geschmack rund 100€ zu teuer. Nun ist der HEM8 eben um diesen Betrag günstiger geworden und sichert sich so eine Kaufempfehlung von uns!

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil – als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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