Custom Art Harmony 8.2

Custom Art Harmony 8.2 Inear mit Kabel

Der Harmony 8.2 ist das neue Flaggschiff der polnischen Inear-Schmiede Custom Art. Nach Harmony 8 und Harmony 8 Pro soll der 8.2 nun mit ausgewogenerem Klang überzeugen. Firmengründer Piotr setzt dabei abermals auf 8 Balanced Armature Treiber, designt das Layout aber von Grund auf neu. So teilt sich der 8.2 nur 2 seiner Treiber mit der Harmony 8 Familie. Die 4-Wege Frequenzweiche des Harmony 8.2 unterteilt das Treiber-Oktett in „Dual Low, Dual Full-range, Dual Mid, Dual Tweeter“. Der 8.2 ist ausschließlich als Maßanfertigung erhältlich. Die Preise starten ab 1100€ – exklusive Ohrabdruck und Designwunsch. Farben und Materialien sind bei der Konfiguration des Custom-Inear quasi keine Grenzen gesetzt. Angeboten wird der Harmony sowohl aus Acryl wie auch aus Silikon. Auch mit Silikon gefülltes Acryl ist möglich.
Als Universal Inear sind bislang nur die unverkäuflichen Demo-Modelle erhältlich. Diese sind aus Acryl gefertigt und trotz der 8 Treiber nicht übermäßig groß.

Klang:
Mit seinen 8 Treibern je Seite spielt der Harmony mühelos den Hörschwellen des menschlichen Ohrs entgegen. Dabei lässt er keinen Ton aus und trifft sowohl die tiefsten Bässe als auch den höchsten Hochton. In Frequenzen bei denen andere Inears schon längst nichts als Stille von sich geben, spielt der Custom seine 8 BA Treiber voll aus.
Der Bass des 8.2 ist breitbandig betont. Schon im Tiefbass ist hörbar viel Pegel vorhanden der bis in die Mitten gehalten wird. Erst zu 1 kHz fällt der Pegel ab und lässt die Mitten leicht hintergründig wirken. Einer warmen Verfärbung von Stimmen wird mit einer Anhebung in den oberen Mitten (ca. 2,5 kHz) entgegengewirkt. Darüber befindet sich eine Senke bis zu zwei weiteren Anhebungen im Hochton und sogar im Superhochton. Das wirkt der Bassanhebung entgegen und sorgt für Transparenz im Klangbild.

Bei dem aufgerufenen Preis des Inears muss klanglich natürlich alles haargenau passen. Kritik ist im Fall des 8.2 Meckern auf hohem Niveau.
Ganz überzeugen kann uns die Abstimmung des Harmony 8.2 aber nicht. Einerseits wird der Mittenbereich durch den breitbandig angehobenen Tiefton leicht ins Warme gefärbt, andererseits erhalten Stimmen durch den ausgleichenden Peak in den oberen Mitten unnötige Schärfe. Stimmen wirken dadurch etwas künstlich – wir hätten uns eine ausgeglichenere Abstimmung im Mittelton gewünscht. Etwas weniger Oberbass und Grundton sowie dezentere obere Mitten hätten, zusammen mit einer leichten Anhebung der Mitten, zu einer neutraleren Wiedergabe von Stimmen geführt.
Bass- und Hochton sind quantitativ viel, aber (abgesehen vom Oberbass) sehr sorgfältig dosiert. Sicher ist der Harmony 8.2 kein neutraler Inear, aber weder Tief- noch Hochton wirken deplatziert.

Custom Art Harmony 8.2 Inear

Seine klanglichen Qualitäten kann der 8.2 natürlich, trotz der unserer Meinung nach nicht vollkommen gelungen Abstimmung, ausspielen. Die Auflösung ist über das gesamte Frequenzband auf durchweg sehr hohem Niveau. Bässe sind in allen erdenklichen Frequenzen plastisch und präzise, aber etwas sanfter im Ausklang. Ebenso ist der Hochton hervorragend aufgelöst und detailreich. Einzig in den Mitten kaschiert die Abstimmung seine Qualitäten etwas, die aber ebenso, wie das gesamte Frequenzband, auf sehr hohem Niveau aufgelöst sind.
Die klangliche Darstellung des Harmony 8.2 ist ausgesprochen 3-dimensional. Durch die hohe Auflösung und Präzision lässt sich jeder Ton punktgenau in Höhe, Breite und Tiefe orten. So spannt der Harmony eine überdurchschnittlich weite virtuelle Bühne auf. Einzig im Bassbereich geht die Ortungsschärfe gelegentlich in der Tiefton-Betonung unter.

Entgegen der Erwartung stellt der Harmony nur geringe Anforderungen an die Seite der Wiedergabe. Seine 8 BA Treiber ließen empfindliches Reagieren auf höhere Ausgangsimpedanzen vermuten; das ist aber nicht der Fall.

Impedanzmessung  Custom Art Harmony 8.2

Der grüne Frequenzgang offenbart einen erstaunlich gemäßigten Verlauf der Impedanz des Inear. Selbst auf einem 33 Ohm Ausgang reagiert der Custom mit gerade einmal 2 dB Verbiegung. Insgesamt ist der Harmony sehr genügsam und reagiert auch auf das Grundrauschen der Quelle nicht übermäßig.

Fazit:
1100€ – und mit entsprechenden Designwünschen deutlich mehr – verlangt Custom Art für den Harmony 8.2. Ein Preis bei den natürlich jeder einzelne Ton des Inears gefallen sollte. Der 8.2 zeichnet sich, neben seinen technischen Qualitäten, durch seine eigenwillige Abstimmung aus. Speziell im Bereich der Mitten zeigt der Harmony seinen ausgeprägten Charakter, der für unseren Geschmack mit mehr Zurückhaltung glänzen dürfte. Nichtsdestotrotz beweist der Custom Art, dass seine klanglichen Qualitäten auf sehr hohem Niveau liegen. Leser, die sich von unserer Klangbeschreibung – speziell die der eigenwilligen Mitten – angesprochen fühlen, haben die Möglichkeit sich Demo Modelle von Custom Art kommen zu lassen. Wenn die Abstimmung gefällt, findet man in dem Harmony 8.2 einen technisch hervorragenden Inear mit 8 Treibern im maßgefertigten Gehäuse im Design nach Wahl.
Für sein persönliches Design kann man sich auf der Facebook-Seite von Custom Art inspirieren lassen: Facebook – Custom Art

Custom Art Harmony 8.2 Inear

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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