NuForce HEM6

NuForce HEM6 Inear

Mit der neuen Inear-Serie namens HEM baut der Projektor-Spezialist Optoma sein Kopfhörer-Sortiment unter dem Label NuForce weiter aus. Die 4 neuen Inears setzen dabei allesamt auf Balanced Armature (BA) Treiber – der Standard im professionellen Einsatz. Optoma gibt an durchgängig auf Treiber des bekannten amerikanischen Herstellers Knowles zu setzen. Den Einstieg stellt der HEM2 mit einem Treiber je Seite dar. Es folgen HEM4, HEM6 und HEM8 mit 2, 3 und 4 BA Treibern je Seite. Äußerlich unterscheiden sich die HEMs vor allem farblich: Die beiden Topmodelle HEM6 und HEM8 sind schwarz, den kleinsten im Bunde erkennt man an seiner metallic-roten Einfärbung, während der HEM4 metallisch in dunklem Blau schimmert.

Das gesamte Sortiment kommt mit dem gleichen umfangreichen Zubehör daher. Mit dabei sind:
– Hardcase
– Gewebecase
– 2 Kabel
– 5 Paar Silikon Tips
– 2 Paar Foam Tips (Comply)
– Reinigungswerkzeug
– Adapter von 3.5mm auf 6.3mm Klinke
– Kabel-Clip

Vor allem für den kleinsten Inear der Serie, den HEM2 für 249€, ist das Zubehör ziemlich beachtlich und lässt keine Wünsche offen. Auch für den 449€ HEM6 ist das Zubehör absolut angemessen.

NuForce HEM6 Inear

Verarbeitung und Passform:
Die Gehäuse der NuForce HEM-Serie unterscheiden sich nur farblich. Wie auch schon bei dem blauen HEM4 und dem gesamtem HEM-Lineup sind auch die Gehäuse des HEM6 aus mehreren sichtbaren Teilen gefertigt. Das führt natürlich zu Spalten, die zwar sichtbar aber kaum spürbar zu ertasten sind. Es ergibt sich ein leichtes und hochwertiges Kunststoffgehäuse, mit schmalem Formfaktor. Neben den Inears an sich zeigt sich auch das mitgelieferte Zubehör gut verarbeitet. Die Cases sind hochwertig und stabil. Optisch hochwertig wirken auch die beiden mitgelieferten Kabel. Hier bekommt man ein Flechtkabel und ein normales Kabel mit Mikro und Fernbedienung für den Einsatz am Smartphone. Etwas weniger Bewegungsgeräusche gibt das Flechtkabel an das Trommelfell weiter; keines der beiden fällt durch unangenehm starke Geräuschkulisse bei Bewegung auf. Die Kabel lassen sich über die 2-Pin Steckverbindung wechseln. Drehen des Inears um das Kabel ist damit, anders als beim MMCX-Stecker, angenehmerweise nicht möglich.
Durch das relativ kompakte und hochwertige Gehäuse sitzt der NuForce gut im Ohr, dass er nach kurzer Zeit gefühlt kaum noch zu spüren ist. Er wird, wie im professionellen Einsatz üblich, mit dem Kabel über dem Ohr getragen, was besseren Sitzt gewährleistet und Mikrofonie effektiv reduziert.
Außengeräusche werden durch den NuForce gut gedämpft – besser als der Durchschnitt, aber nicht Spitzenklasse.

NuForce HEM6 Inear

Klang:
Der HEM6 klingt „amerikanisch“. Im Detail bedeutet das betonter oberer Bass, hintergründige Mitten und eine sanfte Erhöhung im Hochton. Im Bass langt der HEM mit ungefähr 5-6 dB mehr zu. Die Betonung liegt dabei vor allem im oberen Bassbereich; zum Tiefbass hin rollt der Pegel leicht ab, bis er unterhalb von 40 Hz kaum noch zu vernehmen ist. So wirkt der Bass vor allem sehr „punchig“. In den unteren Mitten macht sich der erhöhte Bassbereich ebenfalls bemerkbar und fettet diese spürbar an. Der weitere Mittelton bleibt hingegen deutlich im Hintergrund. Gegen Hochton steigt der Pegel des Inears bis zu einer Erhöhung bei 6-7 kHz, um danach wieder im Hintergrund zu verschwinden.
Die Abstimmung des HEM6 schmeichelt seinen Qualitäten nicht. Vor allem der zurückgesetzte Mittelton lässt Stimmen wie hinter einem Vorhang klingen. Auch die ausgleichende Erhöhung im Hochton hilft dagegen leider nur bedingt, wirkt je nach Aufnahmequalität der Musik sogar leicht störend. Der erhöhte Oberbass, wenn auch trocken und konturiert, tut sein übriges die technische Kompetenz des 3-fach Balanced Armature zu kaschieren. Im oberen Hochton fehlt es wiederum an Pegel um filigrane Details aufzudecken.
Die räumliche Darstellung des HEM6 ist, bedingt durch seine Abstimmung, eher diffus und indirekt. Dabei baut sich die virtuelle Bühne eher weiträumig auf, wirkt aber künstlich. Vor allem Stimmen lassen sich durch den Schleier im Mittelton nicht sehr präzise lokalisieren.
Insgesamt schafft es die Abstimmung des HEM6 nicht uns zu begeistern. Der 3-fach BA richtet sich vor allem an Freunde des indirekten, warmen Klanges mit starkem Kickbass.

Impedanzmessung NuForce HEM6

Das obige Diagramm zeigt, dass der HEM6 sehr stark auf hohe Ausgangsimpedanzen reagiert. Wir empfehlen einen DAP oder Verstärker mit einer geringen Ausgangsimpedanz von möglichst unter 1 Ohm. Andernfalls muss man mit einer weiteren Anhebung des Tiefton rechnen, während der Hochton abgesenkt wird.

Fazit:
Optisch, in der Verarbeitung wie auch haptisch gibt sich der HEM6 keine Blöße und liefert die gleichen Qualitäten, die alle HEMs auszeichnen. Klanglich zeigt der HEM6 eine etwas spezielle Abstimmung. Wer auf der Suche nach warmen Klang mit erhöhtem Bass und dezenten Mitten ist, sollte die Nummer 6 von NuForce überspringen und gleich zum HEM8 greifen. Grundsätzlich schlägt dieser eine ähnliche Richtung wie der HEM6 ein, weiß durch eine gelungenere Abstimmung aber wesentlich mehr zu überzeugen. Darf es klanglich deutlich neutraler sein, ist der NuForce HEM4 die bessere Wahl. Eingekesselt von den starken Inears HEM4 und HEM8 sehen wir wenig Grund zum HEM6 zu greifen.

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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