Audeze iSINE 20

Audeze iSine20

Die Marke Audeze ist seit dem Erscheinen des LCD-2 im Jahr 2011 vom Kopfhörermarkt nicht mehr wegzudenken. Damals konnte der schwere Magnetostat durch tolle Verarbeitung und seine knackige Abstimmung überzeugen. Es folgten weitere Kopfhörer der LCD-Serie, die sich insgesamt nur relativ voneinander unterscheiden, jedoch kontinuierlich dem Hifi-Ideal näher kamen. Dafür wurde im Gegenzug auch ordentlich zur Kasse gebeten. Nach einem Marketing-Wechsel 2015 wurden überraschenderweise auch günstigere Kopfhörer von Audeze veröffentlicht. Sehr schick, tonal aber etwas enttäuschend, gab der EL-8 dennoch zu erkennen, dass sich die Firma in Zukunft um einen breiteren Zielmarkt bemühen wird. Der Audeze Sine setzte als orthodynamischer On-Ear den Preis nochmals herab und ähnelt prinzipiell den iSine 20 Ohrhörern, die wir heute vorstellen. Der iSine 20 ist für rund 600€ bei Amazon, Madooma, Muziker oder Projekt-Akustik erhältlich.

iSine – die aktuell neueste Produktserie der Amerikaner – ist technisch besonders reizvoll. Audeze haben es tatsächlich geschafft einen Magnetostaten als kleinen Ohrhörer zu bauen. Dazu fallen die iSine 10 und 20 komplett aus der Reihe der sonst üblichen kompakten dynamischen Treiber oder Inear-Systemen aus (mehreren) Balanced Armature Receivern. Im Vergleich zu Dynamikern sollte man eine bessere Geschwindigkeit erwarten und gegenüber einem Balanced Armature (BA) Treiber erwarten wir weniger Verzerrung. Grund genug sich das spannende Produkt etwas genauer anzuschauen!

Verpackung & Lieferumfang
In einer wirklich schönen und stabilen Verpackung lässt sich das Hardcover wie ein Buch aufschlagen. Unter einer durchsichtigen Plastikbox werden die Ohrhörer samt Tragetasche nett präsentiert. Links daneben lächelt ein Nutzer zufrieden und kommt sich trotz auffälligem Ohrhörer keineswegs peinlich vor. Nichts sagende Zitate über „phänomenalen Sound“ von einem Review aus einer kommerziellen britischen Technologie Zeitschrift sind für die neue Marketing-Ausrichtung natürlich unverzichtbar. Die Homepage setzt sogar noch eins drauf und dort werden The New York Times und The Wall Street Journal sogar als Qualitätsnachweis aufgeführt. Mehr Expertise gibt es in Hifi-Kreisen natürlich nicht. Trotzdem lassen wir uns nicht von der breiten Akzeptanz blenden und stellen die iSine 20 auf einen härteren Prüfstand.
Wir testen den iSine 20 mit austauschbaren regulärem Klinkenkabel und Cipher-Lightning-Kabel. Letzteres hat einen 24 Bit 48 kHz fähigen DAC integriert, ähnlich wie der offizielle 9 € Apple-Dongle auch. Etwas dürftig fällt der Lieferumfang der Ohraufsätze aus. Nur ganze 3 Paare an Aufsätzen werden mitgeliefert. Selbst in deutlich niedrigeren Preisregionen findet man 4-5 verschiedene Größen. Probleme die richtige Größe zu finden, hatten wir jedoch nicht. Großzügiger fällt da jedoch die Auswahl an Tragehilfen aus. Die iSine sind alles andere als klein und der Großteil des Gehäuses schwebt vor der Ohrmuschel. Der Halt im Ohrkanal kann durch abnehmbare Plastikbügel und/oder gummierte Haken verbessert werden.

Audeze iSine20

Komfort, Isolation, Verarbeitung & Design
Wenn man sich nicht viel bewegt, kann man auf die Tragehilfen verzichten. Die inneren Haken, die sich in der Cymba einhängen sollen, kennt man vielleicht bereits aus dem Sportbereich. Ich finde die Positionierung allerdings sehr aufwändig und greife daher lieber zum Bügel, der sich übers Ohr einhängt. Somit ist der Sitz relativ fest, auch wenn etwas Gewöhnung absolut nötig ist. Der Schallaustritt geht sehr tief in den Ohrkanal, allerdings ist an Isolation gegen Außengeräusche nicht zu denken. Das liegt an dem komplett offenen Design des iSine. Mit konventionellen Inears sind die Audeze iSine 20 also nicht vergleichbar. Ich finde die Isolation sogar noch um einiges geringer als bei jedem offenen Kopfhörer, wie z.B. dem Beyerdynamic DT 880 oder Sennheiser HD 600. Vogelgezwitscher hat mich noch nie so sehr irritiert. Zum Musikgenuss kommt man also leider nur in geschlossenen Räumen oder zur Schlafenszeit. Als Reisebegleiter sind die iSine bestenfalls als Hotel-Affäre zu verwenden.
Auch finde ich das platte gummierte Kabel nicht besonders praktisch. Es verheddert sich schnell und fühlt sich bei Kontakt mit dem Arm auf der Haut nicht gut an. Die Steckverbindung an der Büchse rastet zwar gut ein, hat allerdings etwas Spiel. Das Gehäuse ist – wie die Stecker auch – komplett aus Plastik. Das macht zwar einen weniger hochwertigen Eindruck, ist aber die beste Lösung um das Gewicht gering zu halten. Der iSine 20 ist im Gegensatz zum iSine 10 bronze eingefärbt. Das Logo sticht in goldener Farbe auf schwarzem Hintergrund hervor und scheint auch aus gerilltem Aluminium gepresst. Die separierte Unterseite hat allerdings einen leicht rötlicheren Ton. Dies geht aus den offiziellen Produktfotos nicht hervor und deutet eher auf eine schwankende Produktion hin. Trotzdem gefällt die Farbe und sie ist eine nette Abwechslung zum üblichen Schwarz.
Es ist schön zu sehen, dass so eine ambitionierte Firma versucht übliche Konventionen zu brechen. Grund waren jedoch die eingeschränkten Möglichkeiten einen 30 mm breiten orthodynamischen Treiber ans Ohr zu bringen. Mit üblicheren Treibern hätte man sicherlich eine ergonomischere Lösung finden können. Dafür, dass die iSine jedoch ziemlich groß ausfallen und damit zumindest auch teilweise dem Komfort in die Quere kommen, sehen sie mit ihrer extravaganten Raumschiff-Optik doch insgesamt ansprechend aus.

Audeze iSine20

Sound über Klinke
Im Test zum Oppo PM-3 habe ich bereits auf meine Zuneigung zu Magnetostaten hingewiesen. So bieten u.a. auch Audeze extrem attraktive und wohlklingende Kopfhörer an, die auf das magnetostatische Prinzip setzen. Dies in Miniatur zu verwirklichen klingt unglaublich. Leider bleibt es das vorerst auch, denn der iSine 20 schafft es nicht annähernd an die Qualität der großen LCD-Serie. Audeze wirbt zwar mit einer extrem geringen Verzerrung des Treibers – und das stimmt auch – allerdings ist die Abstimmung des Treibers nicht völlig gelungen. Wir bewegen uns hier zwar schon im musikalischen Bereich, aber die Darstellung ist am Preis bemessen einfach zu stark verfärbt und auch sehr untypisch für Audeze.
Beim Bass kann der iSine noch seine Qualitäten ausspielen. Flach wie der Tiefton des Etymotic ER4SR zeigt der 3cm-Treiber wenig Verfärbung. Subjektiv wäre allerdings, nicht nur wegen komplett fehlender Isolation, etwas Kompensation im Tiefbass wünschenswert gewesen. Dennoch bleibt die Bassspur fest und knackig und setzt sich gut vom schwarzen Hintergrund ab. Der Klang ist texturiert und Zupfer als auch Streicher sind gleichermaßen herauszuhören.
Weniger überzeugend sind dann schon die Mitten. Bei 1 kHz ist eine Anhebung und bei 2 kHz fehlt dann schon wieder Pegel. Das funktioniert für Männerstimmen nicht besonders gut. Sie sind aufgedickt und lassen Definition vermissen. Die Reproduktion ist tendenziell weich. In den oberen Mitten fällt der Pegel noch stärker ab und vor allem Frauenstimmen leiden unter fehlender Präsenz und Sprachverständlichkeit. Es klingt sehr dumpf und unaufgeregt. Der Sound ist nicht schwammig und Töne klingen trotzdem schnell ab, aber die Verfärbung überlagert die technischen Vorteile zu sehr.
Der Hochton lässt durchgehend 5-10 dB vermissen und fällt trotzdem mit Spitzen um 7 kHz und 10 kHz auf. Scharf ist der Sound deswegen nicht. Becken bekommen jedoch einen fusseligen Charakter und können über die Verfärbung nicht hinwegtäuschen. Auch hier das Gleiche: Sind Beckenschläge mit dynamischen Treibern doch manchmal etwas verwaschen, sind sie beim iSine doch eher mit der Festigkeit eines guten BA-Receivers zu vergleichen. Wenn man nur die Auflösung nicht in den Dunklen des Klangfeldes suchen müsste. Schade, dass Unter- und Obertöne nicht ausgeglichen wurden.
Luftigkeit gewinnt der iSine hauptsächlich von der offenen Bauweise. Man merkt auch, dass der Treiber nicht wie sonst im Ohrkanal sitzt, sondern außerhalb platziert ist. Die Außer-Kopf-Ortung ist durchaus mit manchen Kopfhörern zu vergleichen. Dies kann für viele Anwender, die sich sonst nicht mit dem Thema Inear beschäftigen wollen, ein leichteren Zugang bedeuten. Mit Klangtreue hat der iSine jedoch leider wenig zu tun und so stelle ich mir einen LCD-2 vor, nachdem man ihn aus Versehen 2 min in die Waschmaschine gelegt hat. Das ist jetzt hart formuliert, aber unter Berücksichtigung des Preises von rund 600 € gibt es wesentlich attraktivere Ohrhörer, wenn man nicht unbedingt auf das Design der schwebenden TIE-Fighter angewiesen ist.
Zum Glück ist der Treiber an sich aber verzerrungsarm. So machen vielleicht die nur 50 € Aufpreis zum Lightning-Kabel Sinn, denn hierdurch soll sich die Abstimmung verändern.

Audeze iSine20 Case

Sound über Lightning
Schließt man den iSine 20 über das Cipher genannte Lightning-Kabel an ein iOS Gerät an, verändert sich der Klang dramatisch zum Positiven. Die Ursache liegt allerdings nicht an besonders leitfähiger Silberverkabelung und auch der in der Fernbedienung mit Mikrofon versteckte DAC ist kein High-End-Gerät mit 32 Bit und Femto-Clock. Der Hintergrund ist recht simpel: Der Stecker aktiviert standardmäßig eine Klangverbiegung durch digitale Signalverarbeitung (DSP). Ein versteckter Equalizer (EQ) also.
Beim ersten Einstecken in ein Gerät mit unterstützer iOS-Version, wird man sofort zum Herunterladen der Audeze iSine App gebeten. Diese ist allerdings rein optional, der im Cipher-Kabel hinterlegte Equalizer lässt sich hingegen nicht deaktivieren. Mit der App kann man diese allerdings noch weiter den eigenen Ansprüchen anpassen. Dieser Option widmen wir uns allerdings erst später. Zunächst schauen wir uns an, wie das integrierte EQ-Setting den originalen Frequenzgang verbiegt (dies ist nicht der Frequenzgang des iSine 20, sondern nur der des EQ):

Audeze iSINE 20 Cipher EQ Setting

Für Besitzer ohne Cipher-Kabel oder anderem Betriebssystem als iOS, haben wir hier den Equalizer als Impulse Response File zum Download bereit gestellt:
Cipher EQ Impulse Response File 44,1kHz.wav
Cipher EQ Impulse Response File 48kHz.wav
Dieses kann mit verschiedenen Convolvern wie beispielsweise EQ APO, Viper4Android/Windows oder Jriver genutzt werden und hat den gleichen Effekt wie der integrierte DSP des Cipher-Kabel.

Wie klingt der iSine 20 nun samt Cipher-Kabel? Die vorhin kritisierten dumpfen Mitten öffnen sich fast übermutig zum Gegenteil und auch der Hochton gewinnt ordentlich an Pegel. Der Klang ist plötzlich sehr klar und luftig. Aber nach etwas Eingewöhnung zwickt der neue Schuh trotzdem. Die Abstimmung klingt nun zu hell statt zu dunkel und Stimmen scheinen manchmal fast schon zu schreien, was der Langzeittauglichkeit einen ziemlichen Stoß versetzt. Grund genug sich die von Audeze ausgedachte Idealkurve näher anzuschauen.
Ausnahmsweise gibt es an dieser Stelle keine Messung des Frequenzgang, da unser Messgerät aus unbekannten Gründen zickig auf den Audeze reagiert hat. Stattdessen verlasse ich mich auf meine Ohren. Auch wenn angeblich eine leichte Bassbetonung vorhanden sein soll, kommt diese nicht bis ans Ohr. Der Grundton wirkt eher abgesenkt und lässt etwas Gewicht und Plastizität bei der Reproduktion von Instrumenten vermissen. Stattdessen rücken Stimmen sehr nah nach vorne. Die oberen Mitten haben sogar einen aggressiven Charakter, der mich immer mal wieder aus der Musik herausgerissen hat. Schuld ist dort ein Peak um 4 kHz.
Speziell auf den iSine 20 mit Cipher-Kabel bezogen, empfinde ich die oberen Mitten und den Hochton als zu hell. Man könnte gleichwertig auch behaupten dem Grundton fehlt Präsenz. Mit einem Sinus-Sweep klingt der iSine trotz Korrektur nicht ganz ausgeglichen. Die Abweichungen samt Cipher-Kabel halten sich noch im Rahmen, sodass der iSine als eigenständiger Hörer noch beeindrucken könnte. Der Fakt, dass der eigentliche Hörer aber nicht besonders gut klingt und nur auf die Verwendung über den Lightning-Anschluss abzielt, ist doch etwas enttäuschend. Es wirft jedenfalls Fragen auf, wenn die bereits korrigierte Abstimmung einer Korrektur bedarf.

Audeze iSine20 App

Die iSine App
In der Hifi-Szene tummeln sich viele elitäre Puristen, die jede Art der Klangmanipulation verabscheuen. Diese dürften beim Konzept des Audeze iSine oder Sine (DX) aufstoßen. Wer jedoch nichts gegen die Verwendung eines EQ hat, darf die von Audeze vorgegebene Korrektur mit der kostenlosen iSine App noch persönlich beeinflussen. Diese funktioniert nur mit den Audeze Sine und iSine. Alternativ kann man natürlich auch eine andere Audio-App benutzen, die einen Equalizer enthält. Spontan wären da z.B. die iOS-App CapTune von Sennheiser, oder auch Mimi Music erwähnenswert. Der Vorteil der Audeze App ist aber, dass die Korrektur im Kabel gespeichert wird und somit auch systemweit in iOS greift, z.B. für Filme, Spiele oder andere Musik-Anwendungen. Auch werden die Einstellungen übernommen, wenn man ein anderes iOS-Gerät benutzt. Das finde ich fortschrittlich.
Dennoch ist zu beachten, dass der Eingriff über 10 Bänder nur relativ grob vorzunehmen ist. Auch entspricht die Dezibel-Angabe nicht der Wahrheit, wie wir nach einer Messung feststellen mussten. Eine Veränderung um 10 dB in der App entspricht tatsächlich nur einem Wert unter 6 dB. Durch einen vordefinierten Quality Factor von rund 1.5 beeinflusst jedes Band auch die danebenliegenden Bänder. So beeinflusst ein stärkeres An- oder Abheben bei 4 kHz auch die Bereiche bis und inklusive 2 und 8 kHz. Aber auch nach Korrektur der Korrektur ist noch Verbesserungsbedarf vorhanden, obwohl wir unserem Ideal erfreulich nah kommen. Meine Empfehlung sieht so aus:

64 Hz: -2 dB
125 Hz: +1 dB
250 Hz: +1 dB
500 Hz: ±0 dB
1 kHz: -2 dB
2 kHz: -3 dB
4 kHz: -6 dB
8 kHz: -2 dB

Der Vorschlag ist nicht optimal. Es bleiben Überbetonungen bei 3 und 7 kHz, die nicht vom Benutzer anzupassen sind. Wenn der iSine 20 bei 4 kHz keinen auffälligen Peak hätte, wäre die Anpassung leichter vorzunehmen. Immerhin kann der Audeze nun seine Kraft besser entfalten. Auch wenn es gerade im Bereich der (oberen) Mitten noch Verbesserungsbedarf gibt, gefällt doch die luftige und räumliche Darstellung. Der Bass ist trocken, fest und tief. Tatsächlich weiß der kleine Audeze so zu gefallen und wenn die Abstimmung von Anfang an und ohne Fremdeinwirkung so wäre, wäre ich vermutlich hellauf begeistert.

Fragen über Fragen
Es stellt sich ganz klar die Frage warum das Lightning-Kabel notwendig ist. Ich befürchte, man hatte einen technisch beeindruckenden mini-magnetostatischen Treiber gebaut, bekam ihn aber durch die eigenwillige Bauform nicht in den richtigen Einklang mit dem Raum drumherum. So entschied man sich zur Korrektur per DSP. Aber warum klingt der iSine nun immer noch hell und scharf? Kein anderer Kopfhörer von Audeze weist diese Klangcharakteristik auf. Auch hier befürchte ich, wollte es sich Audeze zu einfach machen. Sie haben mit dem iSine 10 einen noch günstigeren Ohrhörer im Angebot. Dieser verwendet allerdings das gleiche Kabel. Die im Cipher-Kabel hinterlegte Korrektur muss also für beide Hörer gelten. Beide Modelle der iSine-Serie benutzen den gleichen Treiber – so viel ist bekannt. Mit dem iSine 10 bin ich nicht sehr vertraut, angeblich soll er aber noch eine Spur dumpfer klingen als der 20er, was auch erklärt würde warum die Cipher-Korrektur in diesem Test übermotiviert zulangt.

Audeze iSine20

Fazit
Mir stellt sich die Frage, was die Motivation hinter dem iSine war. Man wollte bei Audeze nicht die Ergonomie, die Bequemlichkeit oder die Handhabung bestehender Inears verbessern. Es ging einzig und allein darum einen für die Firma kennzeichnenden Magnetostaten zu verwenden. Zugegeben, die Herausforderung ist hoch und es ist beeindruckend, dass man sich dieser angenommen hat. Auch technisch sind gewisse Stärken nicht von der Hand zu weisen. Was man mit dem iSine 20 allerdings endgültig für ca. 600 € bekommt, verdient von mir im Gesamtpaket keine Kaufempfehlung.
Die Abstimmung samt normalem Kabel ist am besten für schnellen Metal und hartem Rock zu gebrauchen. Der Bass spielt schnell und fest und grölende oder schreiende Vocals gewinnen durch die Verfärbung im Mittenbereich an Autorität. Bei Jazz-Kompositionen auf mehreren Ebenen sind die Vorteile den Nachteilen allerdings unterlegen. Die Bühne wirkt groß, Instrumente stehen aber nicht immer auf der richtigen Position und Trompeten oder Oboen können sich manchmal im Orchester nicht die gewünschte Präsenz erkämpfen.
Wer sich allerdings fest auf den iSine 20 eingeschossen hat, für den sollten die 50 € Aufpreis zum Cipher-Kabel attraktiv wirken. Die helle Abstimmung kann mit hochwertigen Klassikaufnahmen sogar gefallen; sobald die Aufnahme aber wenig Headroom bietet, wird der iSine in iOS anstrengend und strapaziert das Ohr. Statt sich auf die proprietäre Cipher-Lightning-Lösung zu verlassen, würde ich stattdessen empfehlen selber einen Equalizer zu bemühen. Nutzern anderer Betriebssysteme bleibt ohnehin keine Wahl. Apps, die Equalizing erlauben, gibt es genug und die offizielle App von Audeze genügt in diesem Fall den Hifi-Ansprüchen nicht vollends.
Audeze ist trotzdem ein interessantes Produkt gelungen. Obwohl meine Beurteilung etwas konservativ ausfällt und die Nachteile des iSine für mich überwiegen, hoffe ich, man hat es mit dem kürzlich erschienenen Inear-Flaggschiff LCD-i4 geschafft, die Abstimmung annähernd an die große LCD Serie zu bringen. Sollte die Abstimmung nun auch ohne DSP-Einwirkung gelingen, kann das Konzept des iSine in Zukunft durchaus attraktiv werden. Zur Zeit bleibt es bei einer interessanten Technologiestudie, an welcher der weniger Hifi-fokussierte Techie aber sicher seine wahre Freude hat.

Klaus

Über

Als anerkanntes Mitglied des HiFi-Forums blickt Klaus auf jahrelange Kopfhörer-Erfahrung zurück. Durch enge Kontakte zur Szene, war er bereits vielfach als Mediengestalter für die Branche tätig. Auch als Autor und Fotograf ist er kein unbeschriebenes Blatt – so mussten sich bereits unzählige Kopfhörer, Inears und Verstärker seinem kritischen Urteil unterziehen.

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8 Kommentare zum Beitrag “Audeze iSINE 20

    1. Hallo Reiner,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Das File kannst du verwenden, indem du in EQ APO über das grüne Plus „Fortgeschrittene Filter“ und „Convolution“ auswählst. Anschließend kannst du über das dann erscheinende Ordner Symbol zum Speicherort des Files auf deinem Rechner navigieren. Zudem solltest du noch einen negativen Pregain in EQ APO hinzufügen, um eventuelles Übersteuern zu vermeiden (rund -12 dB sollten ausreichen).

      1. Hallo, das war super hilfreich. Vielen Dank. Jetzt stehe ich vor dem Problem, dass die Abtastrate 44100 Hz nicht mit der meiner Geräte 48000 Hz übereinstimmt. Da ich gerne Daren Fongs Out of your Head benutze, brauche ich diese. Ideen?

  1. Wow, höre endlich mit Eurem Convolution Filter. Ja, er ist ein bißchen zu hell, wie ihr beschrieben habt, aber es ist auch das erstemal, dass es jetzt endlich wie mit dem Cipher Kabel klingt. Tolle Arbeit! Danke.
    Kennt ihr ein Android EQ mit dem ich das auf meinen Sony NW-ZX2 nutzen kann?

    1. Hallo Reiner,
      freut mich, dass es nun endlich klappt!
      Convolution beherrscht unter Android meines Wissens nur Viper4Android. Dafür bräuchtest du allerdings ein gerootetes Gerät; im Gegenzug wirkt Viper4Android sogar systemweit.

      Im entsprechenden Head-fi Thread hat Audeze selbst verschiedene EQ Settings für diverse Android Apps veröffentlicht, die das Cipher Kabel mehr oder weniger gut nachahmen sollen. Die Einstellungen hat ein Audeze Mitarbeiter namens „KMann“ veröffentlicht, auf dessen Beiträge du über die Suchfunktion schnell zugreifen kannst.

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