Oppo PM-3

Oppo PM-3 mit RME ADI-2 Pro Anniversary Edition

Bei der PM-Serie von Oppo handelt es sich um „planar magnetic headphones“. Dieses Wandlerprinzip, auch als isodynamisch, orthodynamisch oder magnetostatisch bezeichnet, verhalf Marken wie Audeze und Hifiman zu viel Erfolg. Vorteile sollen im Allgemeinen weniger Resonanzen und schnellerer Abklang sein. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Seit zwei Jahren ist der Oppo PM-3 nun in unveränderter Form erhältlich. Damals beeindruckte er vor allem damit, dass er als Magnetostat trotzdem einfach anzutreiben war und auch das Marketing-Team Oppos betonte die Kompatibilität mit Smartphones wie dem iPhone. Der Oppo ist bis heute eine regelmäßige Kaufempfehlung für geschlossene Kopfhörer geblieben, was an seiner sanften Abstimmung und ansprechenden Optik liegt. Er ist zudem flach in einer Transporttasche ein idealer Begleiter für anspruchsvolle Reisende.

Hierzulande sind für den chinesischen Overear rund 500€ fällig. Erhältlich ist er unter anderem bei Amazon. In anderen Teilen der Welt kann der Magnetostat teils günstiger bezogen werden.
Bereits im Lieferumfang spendiert Oppo dem PM-3 eine Transporttasche mit Jeans-Optik. Sie bietet genug Platz für die Kopfhörer und ein separat eingelegtes Kabel. Die Fütterung schützt vor Kratzern und hält mittelschwere Stöße aus. Neben der Tragetasche befinden sich zwei Kabel im Lieferumfang. Das Hauptkabel ist 3 Meter lang und hat einen aufschraubbaren 6,35mm-Adapter. Im europäischen Raum ist das zweite Kabel mit einem Mikrofon und Lautstärkeregelung versehen. Dank MFI-Zertifizierung ist das ganze „made for iPhone“, klappt für gewöhnlich jedoch auch an den meisten Android-Smartphones. In manchen Ländern wird nur ein kurzes 3,5mm-Kabel ohne Steuerung beigelegt.

Verarbeitung und Design:
Oppo tritt mit dem PM-3 sehr edel in Erscheinung. Kunstleder und Metall sorgen für einen hochwertigen Eindruck. Das Kabel kann ganz einfach über 3,5mm-Klinke (3- oder 4-polig) vom Nutzer ersetzt werden und auch die Ohrpolster sind über ein Klicksystem austauschbar. Sie sind dabei nicht nur sehr bequem, sondern sie isolieren auch überdurchschnittlich hoch. Allerdings sind die Polster nicht leicht aufzufinden und womöglich nur über eine Service-Anfrage an Oppo Digital zu bekommen. Die Ohrmuscheln sind außen mit einem gebürsteten Metall versehen. Die silberfarbene Alu-Gabelaufhängung, die sich um 180 Grad drehen lässt, endet am Kopfband mit einer sehr präzisen Rasteraufhängung, die die Anpassung an die eigene Kopfgröße erlaubt. Auch Leute, die ganz genau hinschauen, werden keine Patzer an der Verarbeitung finden. Die Verarbeitung Oppos ist tadellos.

Oppo PM-3

Klang:
Beweisen darf sich der Kopfhörer von Oppo vor allem symmetrisch am RME ADI-2 Pro Anniversary Edition – optisch überzeugt die im Titelbild gezeigte Kombination auf Anhieb. Und klanglich?
Die Abstimmung des PM-3 ist ganz klar erwachsen. Hier wurde auf Effekthascherei verzichtet. Weder Bässe noch Höhen springen dem Anwender ins Gesicht. Stattdessen sind die Mitten vordergründig und die Abstimmung ist insgesamt leicht warm.
Über den Basspegel streiten sich die Geister. Viele empfinden ihn als angehoben, im Sinne von betont, andere hingegen finden sogar, dass er unterrepräsentiert ist. Tatsächlich hängt dies u.a. vom Anpressdruck und der Abdichtung der Ohrpolster ab. Besonders Brillenträger berichten von einem schlankeren Bass. Bei meinem eher schmalen Kopf würde ich behaupten, der Bass ist relativ flach und quantitativ neutral, mit einem leichten Abfall im Tiefbass. Der Grundton ist um ca. 3 dB „zu dick“. YMMV – deine Erfahrung mag anders sein. Weniger Meinungsverschiedenheiten gibt es bei der Qualität des Basses. Hier profitiert das orthodynamische Wandlerprinzip von wenig Verzerrung und hoher Auflösung. Texturen sind gut erkennbar und Klangcharakter verschiedener Bassinstrumente sind gut differenziert. Es fehlt ab und an jedoch etwas an Schwung oder Pep, das der Musik zu etwas mehr Leben verhelfen kann. Da sind besonders konkurrierende Produkte (geschlossen, transportabel, made for iPhone) motivierter und lösen mehr Emotionen aus. Mit ähnlichem Bass-Charakter wie der PM3 fällt mir spontan der DT 1350 von Beyerdynamic ein.
Die Mitten des Oppo PM-3 sind vordergründig, ohne dabei penetrant zu nerven. Sowohl Männerstimmen wie auch Frauenstimmen klingen wunderbar natürlich. Der Stimmenpräsenzbereich um 3 kHz ist eventuell sogar ein klein wenig überbetont und somit rückt der Mittelton weit nach vorne. Das komplette Musikpaket ist somit etwas komprimiert und spielt nah am Kopf. Schärfe ist jedoch keine vorhanden. Im Gegenteil: Der hierfür kritische Bereich beim Übergang in den Hochton lässt etwas an Pegel vermissen. Somit klingt der PM-3 extrem unaufgeregt und langzeittauglich, verpasst so aber die Chance auch für Monitoring-Einsätze uneingeschränkt empfohlen zu werden. Bei 5-6 kHz dürfen gerne per Equalizer 5 dB hinzugegeben werden.

Oppo PM-3

Um ca. 8 kHz holt Oppo noch etwas Glanz aus dem Hochton, übertreibt hierbei glücklicherweise jedoch nicht. So bleibt die vorhin erwähnte kleinere Talfahrt noch relativ im Rahmen und insgesamt homogen. Im Ganzen betrachtet, bleiben höhere Frequenzen wie z.B. Beckenschläge dennoch im Hintergrund, denn nach 8 kHz möchte der PM-3 nicht mehr viel an Informationen übermitteln. Der Pegel fällt rasch ab und etwas mehr Reichweite wäre dann doch noch wünschenswert gewesen. Als „seidig und samtweich“ könnte das ein Marketingtext formulieren; etwas dumpf und matt beschreibt es besser.
Die Musikreproduktion wirkt somit besonders im Vergleich mit dem Meze 99 Classics etwas blass und weniger dynamisch. Der etwas gröbere Dynamiker zeigt: Der Hintergrund könnte schwärzer sein, Stimmen etwas spritziger und insgesamt könnte der Klang etwas mehr Farbe und Leben gebrauchen. Man hat manchmal fast das Gefühl, als ob der Kopfhörer nicht sein ganzes Potential für hohe Transparenz entfalten könnte, ein leichter Schleier liegt über der Musik. Dennoch versprüht der Oppo gerade somit einen liebevollen Charme. Er präsentiert eben nicht alles mit großem Tamtam und mit Scheinwerfern aufs Objekt gerichtet. Er erlaubt dem Nutzer mit dem Blick zu wandern und selber kleine Mikrodetails zu suchen – denn diese aufdecken kann der PM-3 sehr gut!

Oppo PM-3

Auch der klangliche Zugewinn eines potenten Kopfhörerverstärkers wirkt sich nur relativ marginal aus und sollte im Normalfall keine Anschaffung wert sein. Ein iPhone reicht für ausreichend Lautstärke und bietet zusätzlich sogar den Komfort eines Headsets mit Mikrofon und kabelgesteuerter Lautstärkeregelung. Der Chord Hugo bleibt im Zusammenspiel durchgehend im untersten Drittel seiner Kapazität.

Fazit:
Wir sind Freunde von Magnetostaten. Wir freuen uns besonders, wenn diese optisch ansprechend und hochwertig verarbeitet sind, ohne dass man mit hohem Gewicht bestraft wird. Fast unglaublich wird es, wenn ein Kopfhörer all das schafft, sogar noch ins Handgepäck passt und von fast jeder beliebigen Quelle laut und sauber spielt.
Die kleineren Abweichungen vom Idealfrequenzgang fallen in die Kategorie Eigencharakter und wir freuen uns, dass diese nicht schon wieder – wie zu gerne bei der Konkurrenz der Fall – in zu viel Bass und Hochtonenergie enden. Stattdessen wirkt der Oppo PM-3 überraschend reif und fühlt sich mit vielschichtigen und komplexen Kompositionen am wohlsten.

Klaus

Über

Als anerkanntes Mitglied des HiFi-Forums blickt Klaus auf jahrelange Kopfhörer-Erfahrung zurück. Durch enge Kontakte zur Szene, war er bereits vielfach als Mediengestalter für die Branche tätig. Auch als Autor und Fotograf ist er kein unbeschriebenes Blatt - so mussten sich bereits unzählige Kopfhörer, Inears und Verstärker seinem kritischen Urteil unterziehen.

Siehe alle Beiträge von

3 Kommentare zum Beitrag “Oppo PM-3

  1. Hallo, ich habe mir kürzlich diesen Kopfhörer zugelegt, und bin ziemlich enttäuscht. Als einen Nutzer von Shure SRH940 und Sennheiser HD 800 konnte mich die Performance gar nicht überzeugen. Ganz wie sie schreiben, der Kopfhörer spielt dumpf, ohne Auflösung in den Höhen, keine Bühne, langweilig, viel viel schlimmer als z.B. Sennheiser HD 580 oder HD 600, die ich vorher auch lange besitzt habe. Der geschlossene Shure SRH940 spielt in einer anderen Liga, nur ganz knapp hinter Sennheiser HD 800, aber für halben Preis als OPPO und etwa für viertel des Preises von Sennheiser. Glück, dass ich den OPPO für halben Preis im Auswerkauf gekauft habe, gehen wieder weg…

    1. Hallo David,
      danke für deinen Kommentar. Als Fan von SRH940 und HD800 scheinst du ein Faible für heller abgestimmte Hörer zu haben. Da ist man natürlich mit dem PM-3 an der falschen Adresse. Ist nur konsequent den Oppo wieder gehen zu lassen.
      Viele Grüße

      1. Hallo, ja ich suche immer noch einen kompakten geschlossenen Kopfhörer (wie z.B. den OPPO) mit der gleichen detailierten Abstimmung wie Shure SRH940, das ist aber in der Zeit von „Bum-Bum“ Kopfhörer (Beats by Dre usw..) fast unmöglich. Hätten Sie bitte Tip für mich?
        Gruß

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.