SoundMAGIC E10C, E50C & E80C

SoundMAGIC E10C, E50C & E80C

Seit dem Jahr 2005 ist die Marke SoundMAGIC für kompetitive Kopfhörer und Inears im Einsteigerbereich bekannt. Als E10C wurde dem Dauerbrenner E10 eine neue Kabel-Fernbedienung spendiert. Mit dem E50C und E80C stellt SoundMAGIC ihm nun gleich zwei große Brüder zur Seite. Das Team rund um Soundingenieur Tony Xu bedient sich dabei abermals jeweils einem einzelnen dynamischen Treiber und platziert auch die beiden größeren Inears unter bzw. auf der 100€ Markierung. Während der Treiber des E10 zugekauft wird, produziert SoundMAGIC die Schallwandler der beiden größeren Modelle im eigenen Haus.

SoundMAGIC E10C: ca. 50€ bei Amazon
SoundMAGIC E50C: ca. 70€ bei Amazon
SoundMAGIC E80C: ca. 100€ bei Amazon

Dass die Inears die 3-Knopf-Fernbedienung mit Mikro tragen, erkennt man an dem Namenszusatz C. Verwendbar ist die Fernbedienung gleichermaßen mit Android und iOS Geräten. Trägt der Hörer ein S im Namen, handelt es sich um eine mittlerweile nicht mehr produzierte Variante mit 1-Knopf-Fernbedienung und Mikro. Der gänzliche Verzicht auf Mikro und Fernbedienung wird mit rund 15-20€ günstigeren Preisen belohnt. Im Lieferumfang sind jeweils ein kleines Semi-Hardcase und ein Kabelclip enthalten. Vor allem das kleine Case ist gern gesehenes Zubehör und der Preisklasse nicht selbstverständlich. Weiter bringt der E10C 4 Silikon Ohrpassstücke mit, während E50C und E80C jeweils 7 verschiedene Tips dabei haben. Die beiden großen Modelle enthalten außerdem 1 Paar bzw. 3 Paar Foam Tips der Marke Comply.

SoundMAGIC E10C Inear

Verarbeitung und Passform:
Als Einsteigermodell kleidet sich bereits der E10 in Metall, verzichtet aber nicht gänzlich auf Kunststoff am Gehäuse. Das Aluminium-Gehäuse des E50 wirkt nochmals hochwertiger, während beide Modelle ein Schallröhrchen aus Kunststoff tragen. Dem Top-Modell E80 wurde ein Schallröhrchen aus Aluminium spendiert, das sich nahtlos an das Gehäuse selbigen Materials anschmiegt. Stecker, Splitter, Fernbedienung und Kabel sind bei den drei Inears identisch und wirken hochwertig und stabil. Die verwendeten Kabel lassen sich angenehm tragen und geben erfreulich wenig Bewegungsgeräusche von sich. Durch die zylindrische Form der SoundMAGICs lassen sich die Inears wahlweise mit nach unten oder nach oben gerichteten Kabel tragen. Das Tragen des Kabels über dem Ohr reduziert die Geräuschkulisse des Kabels auf ein Minimum. Durch die kleinen Ventilations-Bohrungen, die an jedem der drei Inears zu finden sind, ist die Abschirmung gegen Außengeräusche eher mäßig. Concha ausfüllende Inears ohne Öffnung, wie der Shure SE215, isolieren bauartbedingt merklich besser.

Klang:
E10: Der E10 fällt sofort mit seiner consumer-freundlichen Abstimmung auf. Sein Bassbereich ist großzügig um über 10 dB angehoben; der Hochton hält gegen, während sich der Mittenbereich zurückhält. Gerade im Tiefbass rumst der E10 schon mal richtig ordentlich. Auch oberer Bass ist reichlich vorhanden. Stimmen verfärben leicht warm, wirken im Großen und Ganzen aber relativ neutral. Der Mittelton klingt im Gegensatz zum mächtigen Bass und präsenten Hochton zurückhaltend, wodurch die eine oder andere Stimme nicht richtig zur Geltung kommt. Rund um 6 kHz befindet sich ein Peak im Frequenzverlauf, der einerseits das nötige Gegengewicht zum Tiefton darstellt, andererseits auch nervig werden kann.

Frequenzgang / Frequency response measurement SoundMAGIC E10C

Die Detailtreue des Single-Dynamikers ist absolut solide im Angesicht des günstigen Preises. Im Bassbereich schwingt der Treiber des E10 fröhlich vor sich hin und unterlegt das Klangbild mit voluminösem Bass-Gebrummel. Technisch ist das weniger beeindruckend, kann aber durchaus Spaß machen. Spaß macht auch die relativ weiträumige Darstellung des kleinen E10, die in diesem Preisbereich absolut überzeugen kann.

E50: Bei der Abstimmung des E50 bleibt SoundMAGIC der Cosumer-Linie treu, geht dieses Mal aber etwas behutsamer zu Werke. Im Midbass spielt der E50 rund 5 dB lauter als Neutral; dem Tiefbass entgegen legt er nochmal an Pegel zu. Dennoch ist der E50C der Bass-schwächste im Trio. So wirkt auch der Grundtonbereich des mittleren SoundMAGIC um einiges entschlackter. Im Hochtonbereich findet sich analog zum E10 eine Erhöhung um 6 kHz, die beim E50 aber weniger steil gestaltet ist und somit weniger Störpotential entwickelt. Die Frequenzmitte des E50 leidet weniger unter dem starkem Tiefton, als es beim E10 der Fall ist und kommt dadurch deutlich besser zur Geltung. Durch etwas weniger Grundton und einen Hauch mehr Präsenz im oberen Mittelton wirken Stimmen nahezu neutral.

Frequenzgang / Frequency response measurement SoundMAGIC E50C

Nicht zuletzt durch sein moderateres Sounding klingt der E50 detaillierter als sein kleinerer Bruder. Sein schlankerer Tiefton wirkt etwas fester; der Mittelton klingt entschlackter und spielt besser aufgelöst. Ähnliches gilt für den Hochtonbereich, der mit weniger Schärfe mehr Details zu präsentieren weiß. Wie sein kleiner Bruder, spielt auch der E50 angenehm weiträumig. Durch schlankeren Tief- und Grundton trennt er einzelne Klänge allerdings präziser.

E80: Der E80 ist sozusagen ein E10 auf Steroiden. Seine Abstimmung erinnert an den Kleinsten im Bunde, klingt an entscheidenden Stellen aber einfach besser. Im Tiefton geht auch das Top-Modell mit einer Betonung von mehr als 10 dB deutlich energischer als Neutral zu Werke und weiß ähnlich kräftige Bässe gegen das Trommelfell zu drücken. Im Mittelton geht der Frequenzgang des E80 seinen eigenen Weg, um mehr Präsenz im Stimmbereich zu bieten. Besonders zwischen 2 und 3 kHz spielt das Top-Model lauter und damit ausgeglichener. Stimmen stellt der E80 deutlich natürlicher als der kleine E10 dar, färbt aber ebenfalls etwas warm. Im Hochton präsentiert der große SoundMAGIC ein ähnliches Bild wie die anderen Beiden mit einer Erhöhung, die ähnlich wie beim E50 sanfter an- und absteigt. Somit wirkt der Hochtonbereich eher frisch als nervig und kompensiert den starken Bass. Im oberen Hochton legt der E80 sogar noch etwas mehr als seine Geschwister drauf, ohne dabei wirklich störend zu klingen.

Frequenzgang / Frequency response measurement SoundMAGIC E80C

Der E80 konkurriert durch seinen ähnlichen Charakter gewissermaßen mit dem kleinen E10. In Sachen Auflösung kann er sich erwartungsgemäß vom Einsteigermodell absetzten und kleine musikalische Details besser darstellen. Im Bassbereich überzeugt der E80 mit mehr Kontrolle als sein kleiner Bruder. Musikalische Rauminformation stellt der E80 sehr glaubwürdig dar. Als Zuhörer hat man jedoch gelegentlich seine Mühe Instrumente und Stimmen sauber zu orten, ehe sie von der Basswand verschlungen werden. Mit dem E80 gelingt die Ortung besser als mit dem E10; der E50 mit seiner moderateren Abstimmung wirkt hier aber etwas leichtfüßiger als seine beiden Geschwister.

Wrap up:
Frequenzgang / Frequency response measurement SoundMAGIC E10C, E50C, E80C
Auch wenn die drei Inears von SoundMAGIC eine durchaus ähnliche Richtung einschlagen, sticht der E50 doch irgendwie heraus. Durch seinen vergleichsweise dezenten Bass erspielt er sich einige Vorteile gegenüber seinen Geschwistern. E10 und E80 erkaufen sich ihre starke Bassbetonung mit Nachteilen in ihrer Auflösung und Bühnendarstellung. Mit geschickten Kniffen schafft es der E80 einige Nachteile des E10 wett zu machen, muss sich aber der Leichtfüßigkeit des kleineren E50 geschlagen geben, der sich somit qualitativ haarscharf am Top-Modell E80 vorbeimogelt. Wer jedoch auf sehr starken Bass aus ist, wird an E10 oder E80 nicht vorbeikommen. Der alles andere als bassschwache E50 klingt vergleichsweise ausgeglichen und wird richtige Bass-Heads nur bedingt glücklich machen, auch wenn er seine technischen Qualitäten besser zur Geltung bringen kann. Der Aufpreis von E10 zu E80 rechnet sich vor allem durch einen ausgewogeneren, weniger verhangen klingenden Mittenbereich und kontrollierter spielenden Bass.

SoundMAGIC E80C Inear

Als Inears mit dynamischen Treibern stellen die SoundMAGICs keine hohen Anforderungen an das Quellgerät. Durch vergleichsweise niedrige Wirkungsgrade benötigen sie etwas mehr Leistung, um hohe Lautstärken zu erreichen. Ein handelsübliches Smartphone reicht hierfür aber absolut aus. Ein schöner Nebeneffekt des geringen Wirkungsgrades ist die hohe Unempfindlichkeit gegen rauschende Audioplayer, Verstärker und Co.

SoundMAGIC E10C vs Xiaomi Hybrid:
Der Xiaomi Hybrid ist mit einem Preis von unter 20€ (Gearbest) noch einmal günstiger als der E10C von SoundMAGIC. Nichtsdestotrotz bringt er ebenfalls eine 3-Knopf Kabelfernbedienung und ein Gehäuse, das größtenteils aus Aluminium gefertigt ist, mit. Die Isolation der beiden Hörer ist auf ähnlichem Niveau. Während sich der SoundMAGIC mit nach oben gerichtetem Kabel tragen lässt, kann der Xiaomi ausschließlich straight-down getragen werden, was sich in deutlich lauteren Kabelgeräuschen auswirkt. Anders als bei dem einzelnen dynamischen Treiber des E10, handelt es sich bei dem Xiaomi um einen hybriden Aufbau mit einem dynamischen und einem Balanced Armature (BA) Treiber pro Seite.

Frequenzgang / Frequency response measurement SoundMAGIC E10C vs Xiaomi Hybrid

Klanglich pflegt auch der Hybrid einen starken Bass, der im Oberbass noch um einiges vehementer als der SoundMAGIC zu Werke geht sowie eine Messerspitze weicher anmutet. So spielt der Xiaomi im Grundton etwas wärmer. Im oberen Mittelton klingt der Xiaomi präsenter und verzichtet auf den Schleier des SoundMAGIC, wohingegen der SoundMAGIC vordergründiger im Hochton spielt und dadruch im Direktvergleich etwas angestrengt wirkt. So vermittelt der Xiaomi einen entspannteren Klang mit vollständigerem Mittelton. Nichtsdestotrotz erspielt sich der Hybrid durch seinen BA-Treiber einen Vorsprung im Kapitel Auflösung. Gerade Details in Stimmen weiß der Xiaomi trotz seines geringen Preises besser darzustellen.

SoundMAGIC E80C vs Shure SE215:
Mit einem vergleichbaren Preis von rund 100€ bei Amazon oder Thomann und ebenfalls bass-orientierter Ausrichtung konkurriert der Shure klar mit dem SoundMAGIC E80. Auf den ersten Blick zeigt der SE215, dass er die Gene professionellen Bühnenequipments in sich trägt. Neben seinem massiven und vor allem wechselbaren Kabel punktet er mit ergonomisch geformten Gehäusen und deutlich besserer Isolation gegen Außengeräusche. Der SoundMAGIC E80C weiß wiederum mit Headset-Funktion und Kabelfernbedienung ab Werk zu überzeugen. Sein Alu-Gehäuse macht optisch einiges her und spricht eine andere Kundschaft als der funktionsorientierte Shure an.

Frequenzgang / Frequency response measurement Shure SE215 vs SoundMAGIC E80C

Im Tiefbass legt der SoundMAGIC noch ein paar Dezibel mehr als der Shure drauf, klingt aber durch seinen stärkeren Hochton insgesamt nur wenig bassiger. Nichtsdestotrotz bietet der Tiefton des Shure etwas mehr Kontrolle und klingt schneller aus. Durch seinen prominenteren Grundtonbereich und zurückgestzten Hochton spielt der SE215 leicht wärmer als der E80. Gerade der vollständigere Hochtonbereich des SoundMAGIC weiß im Vergleich zum Shure zu überzeugen, während der Shure um 5 kHz mitunter nervig werden kann und in den Frequenzen darüber zu leise spielt. Im Kapitel Auflösung begegnen sich die beiden Inears etwa auf Augenhöhe, wobei der Shure den überlegenden Bassbereich vorweist und der SoundMAGIC mehr Details im Hochton präsentiert. Bei der räumlichen Präsentation hat der E80 die Nase vorne, der den SE215 im Vergleich eingeengt klingen lässt.

SoundMAGIC E50C Inear

Fazit:
Der chinesische Hersteller SoundMAGIC stellt mit der E-Serie ein überzeugendes Triumvirat auf die Beine. Die Inears punkten mit ordentlicher Verarbeitung und sinnvollem Zubehör. Klanglich gehören die drei Modelle zum bassigeren Schlag, während der E50 den dezentesten Tiefton des Gespanns liefert. Der schon etwas betagte E10 hat es schwer sich im extrem hart umkämpften Einsteigerbereich zu behaupten. Die starke Konkurrenz von Xiaomi macht ihm das Leben schwer und bietet bereits für noch weniger Geld eine vergleichbare Leistung. Der E80 greift die altbekannten Attribute des E10 auf, liefert aber sinnvolle Upgrades, wie einen ausgeglicheneren Mittelton, einen festeren Bass und eine bessere Auflösung – alles in einem schöneren Gehäuse. Somit bewegt er sich qualitativ und preislich auf einem anderen Level und konkurriert mit dem Shure SE215, den er in einigen Aspekten in die Schranken weisen kann. Unser heimlicher Gewinner ist aber der mittlere SoundMAGIC E50, der mit der ausgeglichensten Abstimmung punktet und damit seinen großen Bruder übertreffen kann. So leidet das Klangbild des E50 weniger unter dem starken Bass, als es bei E10 und E80 der Fall ist. Mit 70€ bzw. 55€ ohne Fernbedienung bietet er das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der drei SoundMAGICs und setzt sich somit gegen seine Brüder durch.

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Niklas

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Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil – als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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