Xiaomi Hybrid Pro HD

Der chinesische Elektronik-Gigant Xiaomi erlangt auch hierzulande zunehmend Bekanntheit; vor allem das üppige Angebot außergewöhnlich günstig bepreister Smartphones und Gadgets verhilft dem chinesischem Unternehmend regelmäßig zu steigender Popularität. Auch das Angebot im Audio-Segment kann sich sehen lassen: Bluetooth-Lautsprecher, Kopfhörer und eine Vielzahl von Inears. Ein Trend der letzten Jahre sind hybride Inears, die dynamische und Balanced Armature (BA) Treiber miteinander kombinieren. Dieser Trend zieht natürlich auch an Xiaomi nicht spurlos vorbei. In der aktuellsten Kreation namens Xiaomi Hybrid Pro HD (auch als Mi In-Ear Headphones Pro HD bezeichnet) werkeln gleich 2 dynamische und ein BA Treiber pro Seite. Hinter den hybriden Inears von Xiaomi verbirgt sich dabei niemand Geringeres als die kalifornische Firma 1MORE, die auch unter ihrem eigenen Label hybride Inears anbietet. Auf die Abstammung des Xiaomi verweisen dezente Schriftzüge auf Verpackung und Hülle: 1MORE DESIGN
Die von Xiaomi verkauften 1MORE Inears kennzeichnen sich jedoch durch niedrigere Preise als die kalifornischen Verwandten. Beim Händler Gearbest ist der Pro HD für rund 25€ zu bekommen, im sogenannten Flash Sale teils noch günstiger. Schon der stabile Umkarton überrascht angesichts des günstigen Preises. Im Inneren befinden sich zudem ein Kunststoff-Kästchen, das vor allem zur hübschen Präsentation dient. Zum Transport des Inears ist hingegen ein kleiner Soft-Pouch vorgesehen, der jedoch wenig Schutz bietet. Zudem liegen 4 qualitativ recht hochwertige Silikon Aufsätze bei.

Xiaomi Hybrid Pro HD

Verarbeitung und Passform:
Der Korpus des Pro HD ist aus eloxiertem Aluminium gefertigt und absolut tadellos verarbeitet. Nahezu nahtlos integriert sich ein Schallrohr aus hochwertigem Kunststoff und ein Knickschutz aus selbigem Material. Die Verarbeitung liegt ebenfalls auf Spitzen-Niveau und lässt keinerlei Rückschlüsse auf das Preissegment des Inears zu. Selbiges gilt für die aus Aluminium gefräste Kabel-Fernbedienung, die über 3 Bedienelemente sowie ein Mikro verfügt und ihren Dienst an Android und iOS Geräten verrichten soll. Die Fernbedienung prangt an einem schwarzen, fest verbundenen Kabel. Die Qualität des Kabels ist ordentlich, dennoch neigt es zum Verheddern. Ebenso sind die Geräusche, die das Kabel bei Berührung überträgt, recht deutlich wahrnehmbar. Da es der Hybrid Pro HD bauartbedingt nicht zulässt das Kabel über dem Ohr zu tragen, lässt sich der Mikrofonie-Effekt leider nicht reduzieren.
Durch die abgerundeten Gehäuse mit angewinkeltem Schallrohr, lässt sich der Xiaomi auch in kleinen Ohren angenehm tragen. Der Sitz im Ohr ist eher locker. Die Isolation gegen Außengeräusche ist dadurch und durch die im Gehäuse befindlichen Vents insgesamt mäßig.

Xiaomi Hybrid Pro HD

Klang:
Zwei dynamische Treiber – da denkt man zunächst an viel Bass. Entgegen der Erwartungen hat der Xiaomi keine übermäßige Betonung im Tiefton. Die Bassbetonung des Pro HD beschränkt sich ausschließlich auf den Tiefbass und fällt mit rund 6-7 dB erstaunlich dezent für die Preisklasse und das Antriebskonzept des Hybriden aus. Der obere Bass bleibt hingegen unangetastet und spielt außergewöhnlich neutral, was sich ebenso in den unteren Mitten fortsetzt, die somit ebenfalls neutral spielen. Im oberen Mittelton zeigt der Pro HD eine Betonung, die über die neutrale Zielkurve hinaus geht und ihren Gipfel in einem Peak bei 4 kHz findet. Hier leistet sich der Xiaomi fast 9 dB zu viel Pegel. Einerseits klingt der Pro HD hier schnell anstrengend und sibilant, andererseits erzeugt die Betonung eine Menge Klarheit und Sprachverständlichkeit, was insbesondere bei hochwertigem Musikmaterial wunderbar funktioniert. Auch im obersten Hochton spielt der Hybrid noch sehr präsent.
Insgesamt handelt es sich bei dem Xiaomi Pro HD um einen eher hell abgestimmten Inear ergänzt mit einer extra Portion an Tiefbass. Die Abstimmung setzt sich somit deutlich vom bassigen Einheitsbrei ab, den man allzu häufig im niedrigen Preissegment vorfindet. Der analytisch angehauchte Klangcharakter im oberen Frequenzspektrum steht dem Budget Inear dabei erstaunlich gut. Insbesondere hochwertig abgemischte Stücke bringt der Pro HD gut zur Geltung. Im Gegenzug klingt minderwertiges Musikmaterial schnell dünn und anstrengend.

Frequenzgang / Frequency response measurement Xiaomi Hybrid Pro HD

In puncto Klangqualität haben günstige Inears mittlerweile einiges zu bieten. Der Xiaomi Pro HD ist da keine Ausnahme, sondern vielmehr ein Vorzeigeexemplar seiner Zunft. Seine beiden dynamischen Treiber hat der Inear gut unter Kontrolle, was sich auch in der Bassqualität bemerkbar macht. Zwar spielt der Xiaomi einen für Dynamiker typisch weichen Bass, dennoch klingt dieser schneller aus, als es für Vertreter sein Preisklasse üblich ist. Der positive Eindruck kann sich im Mittelton verfestigen. Auch Stimmen sind deutlich artikuliert und profitieren nicht zuletzt auch von der analytischen Abstimmung im oberen Mittelton. Unmittelbare Folge ist eine weiträumige virtuelle Bühne, die einen sehr offenen, luftigen Klangeindruck vermittelt. Seine Betonung im oberen Frequenzspektrum kann der Xiaomi mit seinen technischen Qualitäten untermauern, was angesichts des günstigen Preises positiv überrascht. Die insgesamt gebotene Auflösung des Pro HD kann sich auch mit teureren Vertretern der Inear-Welt messen. Budget-Inears der älteren Generation, wie den SoundMAGIC E10 weist der Xiaomi mit seinen insgesamt 3 Treibern gekonnt in die Schranken.

An das Abspielgerät stellt der Pro HD nur geringe Anforderungen. Der Wirkungsgrad des Xiaomi ist im positiven Sinne mäßig, sodass Rauschen des Wiedergabegeräts kaum ein Problem darstellt. Dennoch ist der Wirkungsgrad hoch genug, um auch an schwachen Geräten ausreichend laut zu spielen – ein Sweetspot für das Zusammenspiel mit mobilen Audioplayern und Smartphones. Auch etwas höhere Ausgangsimpedanzen können dem Pro HD nur wenig anhaben. Für den vollständig unverfälschten Klang empfehlen wir Geräte mit Ausgängen bis maximal 4,8 Ohm. Aber auch höhere Werte können dem Xiaomi nicht aus der Ruhe bringen und reduzieren lediglich den obersten Hochton geringfügig, was in der Praxis kaum ins Gewicht fällt.

Mehr Bass durch Tape Mod:
Wer den Bass des Hybrid Pro HD zu seicht findet, der kann sich mit einfachen Mitteln behelfen. Verschließt man die im schwarzen Kunststoff befindliche Öffnung mit einem kleinen Stück Klebeband, lässt sich die Bassmenge des Xiaomi effektiv erhöhen.

Frequenzgang / Frequency response measurement Xiaomi Hybrid Pro HD Tape Mod

Für den reversiblen Tape Mod des Pro HD eignet sich beispielsweise ein kleines Stück Isolierband, das neben dem Schallröhrchen über das Vent geklebt wird. Der Tiefton lässt sich somit um fast 10 dB anheben. Die Wiedergabe der übrigen Frequenzen wird nur wenig beeinflusst. Einfach und effektiv.

Xiaomi Hybrid Pro HD vs Xiaomi Hybrid:
Bei dem Xiaomi Hybrid handelt es sich um eine ebenfalls hybride Kreation aus gleichem Hause. Der Hybrid wartet mit einem BA und einem dynamischen Treiber pro Seite auf und muss demnach gegenüber seinem Bruder auf einen dynamischen Treiber verzichten. Der Inear ohne den HD-Zusatz ist quasi der Vorgänger des Pro HD, wird aber noch immer parallel verkauft (auch unter dem Namen Mi In-Ear Headphones Pro). Beim Händler Gearbest ist er schon für teils deutlich unter 20€ zu bekommen.
Die Verwandtschaft ist schon an der Designsprache erkenntlich. Die neue Form wirkt dennoch hochwertiger und sitzt etwas angenehmer im Ohr. Die Qualitätsanmutung hat sich ebenfalls verbessert. Eine sinnvolle Änderung ist auch das nun nicht mehr mit Textil ummantelte Kabel, das durch etwas weniger Geräuschentwicklung bei Berührung erfreut.

Frequenzgang / Frequency response measurement Xiaomi Hybrid Pro HD vs Hybrid

Der klangliche Vergleich zum älteren Xiaomi Hybrid macht klar: Hier hat sich einiges getan! Die Verwandschaft der Inears zeigt sich noch im sehr ähnlich betonten oberen Mittelton. Von dem ehemals bass-geprägten Klangbild ist ansonsten nicht mehr viel übrig. Insbesondere im Mid- und Oberbass spielt der neuere Hybrid Pro HD einen deutlich schlankeren Ton. Bässe sind zudem um einiges trockener und präziser als der blubbernde Bass des Vorgängers. Im Mittelton hat sich vor allem die Auflösung verbessert, was sich so ebenfalls vom restlichen Frequenzspektrum sagen lässt. Nicht zuletzt ist das ein Effekt des nun betonten Hochtons, der im Vergleich zum beim Vorgänger-Xiaomi abgesenkten Hochton jetzt deutlich präsenter spielt. Dennoch teilen sich beide Xiaomis den präsenten oberen Hochton, wenn auch beim neueren Modell stärker ausgeprägt.
Klanglich macht der neue Hybrid Pro HD einen deutlichen Schritt nach vorne. Zwar erkauft man sich einen Teil der neu gewonnenen Qualitäten mit einer teils fordernden Abstimmung, dennoch überzeugt das Endergebnis mit mehr technischer Kompetenz, als es der ohnehin schon starke Vorgänger tat. Wem die analytischere Abstimmung zusagt, der sollte unbedingt zum Pro HD greifen. Anhänger von bassigeren Abstimmungen sollten den Pro HD mit Tape Mod in Betracht ziehen. Der geringe Aufpreis ist gut investiert.

Xiaomi Hybrid Pro HD vs Xiaomi Hybrid Pro

Fazit:
Das Budget-Segment entwickelt sich rasant weiter. Xiaomi konnte schon in der Vergangenheit mit höchst wettbewerbsfähigen Inears im günstigen Preisbereich überzeugen. Mit dem Hybrid Pro HD übertrifft sich Xiaomi nun selbst und liefern mehr Klangqualität und tadellose Verarbeitung für einen immer noch erstaunlich niedrigen Preis. Erfrischend anders im Budget-Segment ist die weniger bassig, leicht analytisch geprägte Abstimmung des Inears. Der Hybrid Pro HD beweist, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Xiaomi und 1MORE funktioniert. Die fachliche Kompetenz von 1MORE macht sich deutlich bemerkbar, während man die günstige Preisgestaltung wohl Xiaomi zu verdanken hat. Moderate Bass-Betonung und ein tadellos verarbeitetes Alu-Gehäuse – das Budget-Segment wird wohl erwachsen.

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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