Westone W40, W60 & W80

Westone W80, W60 und W40

Westone ist einer der Namen der Branche. Und das kommt nicht von ungefähr, denn Westone gehört zu den ersten Firmen überhaupt, die sich dem Thema Inear und Inear-Monitoring widmeten. So zählt Westone heutzutage zu den Gründervätern der Inears mit Balanced Armature (BA) Treibern, wie wir sie heute kennen. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen, wenn nicht weniger als die drei aktuellen Topmodelle der W-Serie vor einem liegen. Konkret setzt sich Westone’s audiophile Speerspitze im universellen Gehäuse aus W40, W60 und W80 zusammen. In Sachen Treiber bedeutet das 4, 6 und ganze 8 BA Treiber pro Seite. Während die Treiber in W40 und W60 „Stangenware“ sind, handelt es sich im Topmodell um proprietäre BAs. Westone W60 und W80 dürfen sich zudem elitär zur Signature Series zählen; beim W80 quittiert das die Unterschrift von Inear-Designer Karl Cartwright.
Aber Moment – was ist denn mit Westone W50 und W70? Der ehemals erhältliche Signature W50 wurde von Westone aus dem Programm genommen, während ein W70 bislang nicht existiert. Hier lässt das Portfolio also noch etwas Luft.

Preisgestaltung und Lieferumfang:
W40, W60 und W80 trennen jeweils rund 500€. Am oberen Ende der Nahrungskette thront der W80 mit einem Preis von ca. 1580€ (Amazon|Headtek). Mal mehr und mal weniger unterhalb der 1000€ Marke findet sich der W60 (Amazon|Headtek). Der Günstigste im Review ist der W40, welcher zu einem Preis von knapp über 500€ (Amazon|Headtek) zu haben ist.
Schaut man sich die Umverpackungen an, sticht zunächst der W80 hervor. Während seine Brüder auf eine unspektakuläre Schachtel mit Magnetverschluss setzen, kommt der W80 in einer Verpackung mit annähernd DIN A4 Format, in der problemlos die Umverpackungen von W40 und W60 zusammen Platz hätten. Alle drei Inears werden samt einer reichhaltigen Auswahl Tips geliefert; darunter 5 Paar Aufsätze aus Silikon sowie 5 Paar Foam Tips. Ein Reinigungswerkzeug und ein Werkzeug für den Wechsel der verschiedenfarbigen, Westone-typischen Faceplates sind ebenfalls mit dabei. W40 und W60 bieten jeweils 3 Kunststoff-Schalen für den farbenfrohen Look an, während der W80 mit 4 Schalen aus Metall aufwartet.
Ein kleines Kunststoff Hardcase zur sicheren Aufbewahrung haben nur W40 und W60 mit dabei. Beide werden durch die typische orange Box geschützt, die an ein Peli Case im Kleinformat erinnert. Für den W80 ist stattdessen die Aufbewahrung in einem semi-harten Gewebe-Case vorgesehen, wovon gleich zwei verschiedene Formate beiliegen: klein und groß. Die große Variante bezeichnet Westone klangvoll als Premium Deluxe Carrying Case, wobei angesichts der Größe das Carrying sicher nicht im Vordergrund steht. Dazu dient vielmehr eine kleine Variante des Case aus selbigem schwarzem Gewebe, das ausreichend Platz und Schutz für den mobilen Einsatz bietet.
Die Verbindung zum Wiedergabegerät wird über eines der jeweils zwei beiliegenden Kabel hergestellt. W40 und W60 haben Westone’s Standard-Kabel und eine iOS-kompatible Variante mit Fernbedienung im Gepäck. Selbiges iOS-Kabel liegt auch dem W80 bei; für die besonders innige Verbindung zum Wiedergabegerät soll aber das spezielle ALO Audio Reference 8 Kabel in der Westone Edition sorgen.

Westone W40 Case und Tips

Verarbeitung und Passform:
Westone ist für seine – nennen wir es funktionsorientierte Verarbeitung – bekannt. Auch die drei teuersten Modelle der W-Serie setzen zweckmäßig auf schwarzen Kunststoff. Die Verarbeitung ist gut und die Nahtstellen größtenteils sauber gefertigt. Insbesondere angesichts des Preisschilds eines W80 dürfte man aber ruhig mehr erwarten: Schönere Materialien und perfekte Verarbeitung. Den biederen schwarzen Kunststoff möchte Westone mit farbigen Faceplates auflockern. Die typischen, wechselbaren Schalen trifft man in der gesamten W-Serie und so auch bei W40, W60 und W80 an. Per Inbus-Schraube lässt sich auf eine andersfarbige Schale wechseln. W40 und W60 setzen auch hier auf jeweils 3 Schalen aus Kunststoff, während die 4 Faceplates des W80 aus Metall gefertigt sind. Im Gegensatz zu den Kunststoff-Schalen wirken die metallenen Gegenstücke deutlich hochwertiger und bruchbeständiger.
Erstaunlich ist der kleine Formfaktor der Westones. Den Amerikanern ist es gelungen ganze 8 Treiber im W80 unterzubringen, dabei sind die Gehäuse nicht größer als die der Modelle mit weniger Treibern – Hut ab. Bei dem W80 handelt es sich um einen der kleinsten Inears, möglicherweise sogar um den weltweit kleinsten Inear, der 8 BA Treiber beherbergt. Auch W40 und W60 haben bereits auffällig kleine Gehäuse, die wunderbar im Ohr verschwinden. Selbst in kleinen Ohren sitzen die Westones sehr komfortabel und stabil. Die Isolation gegen Außengeräusche ist entsprechend gut, aber etwas unterhalb der Inears von Shure oder der NuForce HEM-Serie.
Das reichhaltige Sortiment an beigelegten Kabeln hat sich gleich ein eigenes Unterkapitel verdient:

Kabel
Bei den Inears der W-Serie wird das Kabel grundsätzlich über dem Ohr geführt, wie es im professionellen Monitoring üblich ist. Der MMCX-Anschluss ermöglicht das schnelle Wechseln der Strippe. Bedingt durch den MMCX lassen sich Hörer und Kabel gegeneinander rotieren.
Westone zeigt sich durchaus großzügig, was das Beilegen von Kabeln angeht. Allen drei Modellen liegt jeweils das iOS-kompatible Headset Kabel mit 3-Button-Fernbedienung und Mikrofon bei. Kabel und Fernbedienung geben sich solide und hochwertig verarbeitet. Das glatte Kabel zeigt allerdings sprunghaftes Verhalten und federt gerne in seine ursprüngliche Form zurück. Bei Berührung neigt es zur Mikrofonie. Abhilfe schafft das W40 und W60 beiliegende, verdrillte Kabel ohne Bedienelemente. Das hochwertige Kabelmaterial erinnert verdächtig an die Kabel des amerikanischen Herstellers PlasticsOne; dementsprechend angenehm trägt sich das Kabel. Auch unangenehme Mikrofonie ist nun kein Thema mehr.
Für das Kabel des W80 greift Westone besonders tief in die Trickkiste und kooperiert mit ALO Audio – selbiger Hersteller, der hinter den konkurrierenden Inears von Campfire Audio steckt. ALO steuert ein 8-adriges Kabel bei, das aus je vier Strängen langkristallinem Kupfer und vier mit silber beschichteten Kupfer-Leitungen besteht. Das Kabel trägt die Bezeichnung Reference 8 und lässt sich auch ohne W80 über den Shop von ALO Audio erwerben – allerdings werden dafür stolze 300$ fällig. Die Wunder-Strippe ist vor allem optisch ansprechend und hochwertig gefertigt. Der Tragekomfort überzeugt weniger, da sich das Kabel durchaus störrisch gibt. Das standardmäßige Kabel von W40 und W60 fällt hier deutlich angenehmer. Der Nebeneffekt ist, dass sich Bewegungsgeräusche durch das ALO Kabel besser an das Trommelfell übertragen. Westone’s Entscheidung den W80 durch ein schöneres Kabel als Topmodell abzuheben, ist nachvollziehbar und durchaus eine gute Idee. Anstatt zum teuren Reference 8 hätte Westone lieber zu dem günstigeren Litz Cable vom gleichen Hersteller greifen sollen, das schon an Andromeda und Vega überzeugen konnte.
Elektrisch unterscheiden sich die verschiedenen Kabel aus Westone’s Sortiment übrigens auch. Dazu aber mehr im Kapitel Tuning Optionen.

Westone W80

Klang:
Zunächst betrachten wir jeden Inear einzeln und gehen dann im Wrap up gezielt auf die Unterschiede der Westones ein.
Westone W40
Die Abstimmung des 4-Treibers ist richtungsweisend für den Klang seiner großen Brüder. Denn der W40 lässt bereits erahnen, dass Westone auch im gehobenen Segment keinen großen Wert auf neutrale Klangreproduktion legt. Mittelpunkt der Abstimmung sind angehobener Bass und Hochton samt abgesenktem oberen Mittelton – ganz klassisch als V-shape bezeichnet.
Im Tiefton hält sich Westone mit dem V-shaping im Zaum und spendiert dem W40 moderate 5-6 dB Bassanhebung. Die Anhebung konzentriert sich vor allem auf den Mid- und Oberbass. Gegen den Tiefbass rollt der W40 merklich ab, wobei der Westone durchaus fähig ist auch tiefe Bässe wiederzugeben. Im Verhältnis zum oberen Bassbereich tritt der Tiefbass allerdings hörbar in den Hintergrund. Im Gegenzug besticht der W40 mit knackigen, punshigen Bass-Schlägen, die schnell und sauber ausklingen. Richtiges Tiefbass-Gewitter entlockt man dem 4-fach BA aber nur mit beherztem EQ-Eingriff.
Im unteren Mittelton schlägt der Westone warme, volle Töne an. Stimmen und Instrumente klingen dunkler als neutral und gewinnen dadurch an Körper. Dazu trägt auch der zurückgesetzte obere Mittelton bei. Besonders zwischen 2 und 3 kHz spielt der W40 deutlich zurückhaltender, als es neutral wäre. Stimmen und Instrumente wirken dadurch mitunter etwas matt und undeutlich artikuliert. Im Gegenzug stellt der W40 scharfe S-Laute angenehm inoffensiv dar.
So setzt sich zunächst auch der Hochton fort, der durch eine kräftige Senke zwischen 5 und 6 kHz in den Hintergrund rückt. Gehör verschafft sich der W40 mit einem selbstbewussten Peak, der sich um die Frequenzen zwischen 8 und 10 kHz konzentriert. Hier erreicht der Westone rund 10 dB über Neutral. Der kräftige obere Hochton ist einerseits nötig, um den hintergründigen oberen Mittelton auszugleichen; andererseits fordert der Hochton-Peak auch seinen Tribut. Zwar ist der Peak hoch genug platziert, um keine unangenehme Sibilanz zu verursachen, dennoch schränkt die Betonung die Langzeittauglichkeit ein.
Unbestritten verhilft der Peak im oberen Hochton dem Westone zu einer guten Auflösung. Obertöne kommen dadurch wunderbar zur Geltung und bringen dem etwas matten Mittelton den Glanz zurück. Gerade der Ausklang von Stimmen und Instrumenten profitiert spürbar von der Betonung. Die gute Bandbreite gegen die obere Hörschwelle hilft hier ebenfalls.

IEC 60318-4 Frequenzgang / Frequency response measurement Westone W40

Westone W60
Da fühlen wir uns direkt an den W40 erinnert, denn auch der W60 ist kein neutral abgestimmter Inear. Im Fokus steht mitreißender Klang, statt akkurater Reproduktion. Schon der Bass des W60 wartet mit rund 6-7 dB mehr auf, als es neutral wäre. Vor allem Mid- und Oberbass werden kräftig wiedergegeben. Auch der Tiefbass spielt noch durchaus betont gegen das Trommelfell; allerdings geht dem W60 in der untersten Oktave allmählich die Puste aus. Die wichtigsten Töne erwischt der W60 noch, so ist ihm die minimale Tiefbass-Schwäche gut zu verzeihen.
Ungewöhnlich ist die Art des W60 Bässe wiederzugeben. Hier fühlen wir uns fast an den weichen Ausklang dynamischer Treiber erinnert. Denn der Westone W60 klingt im Tiefton langsam aus, was im Allgemeinen ungewöhnlich für BA Treiber ist. Dadurch bekommen Bass-Schläge eine weichen, fast schon diffusen Charakter. Bass Drums klingen dadurch besonders voll und voluminös, schnelle Bass-Abfolgen neigen aber mitunter zum Verschmieren. Aus der technischen Perspektive beeindruckt ein präziser, trockener Bass mehr, dennoch wird der weiche Tiefton von einigen Leuten bevorzugt – in unserem Test lässt der Westone dadurch aber wertvolle Punkte liegen.
Der betonte Bass-Bereich des W60 geht nahtlos in einen warmen unteren Mittelton über. Stimmen und Instrumente gewinnen an Körper und klingen dunkler als üblich. Dazu tragen auch Mittelton und oberer Mittelton bei, denn hier spielt der W60 zurückhaltend und etwas matt. Eine ausgeprägte Senke zwischen 2 und 3 kHz lässt hellere Töne in den Hintergrund rücken. Von da an klettert der Frequenzgang nach oben, erreicht aber erst in einem kleinen Peak oberhalb von 5 kHz wieder annähernd neutrales Niveau.
Im Hochton, insbesondere zwischen 8 und 10 kHz, trägt der W60 einen ausgleichenden Peak. Hier erreicht der Westone schnell mehr als 10 dB über Neutral – also eine amtliche Betonung. Ganz wie beim W40 ist auch hier der kräftige obere Hochton nötig, um den hintergründigen oberen Mittelton auszugleichen. Ausprägung und Platzierung des Peaks sind bei W40 und W60 sehr ähnlich. Durch die Platzierung im oberen Frequenzbereich geht auch der W60 unangenehmer Sibilanz aus dem Weg. Die Langzeittauglichkeit wird dennoch eingeschränkt. Einen positiven Effekt hat die Betonung des oberen Hochton auf die wahrgenommene Auflösung des Westone. Feine Details, insbesondere im Hochton, stellt der W60 gekonnt dar und präsentiert sich insgesamt als würdiger Vertreter seiner Preisklasse.

IEC 60318-4 Frequenzgang / Frequency response measurement Westone W60

Westone W80
Als Flaggschiff der Marke Westone präsentiert auch der W80 den Haus-Klang der Amerikaner. Getreu der Linie ist auch der 8-fach BA kein neutral abgestimmter Inear. Stattdessen ist auch sein Bassbereich rund 5-6 dB angehoben. Der Fokus liegt auf einem starken Mid- und Oberbass. Auch im Tiefbass findet sich noch eine kleine Betonung, wobei selbst die 8 Treiber des W80 in der untersten Oktave langsam nachgeben. Dem Musikgenuss tut das zwar keinen großen Abbruch; aus der technischen Perspektive hätten wir uns von den 8 Treibern mehr Tiefbass-Kompetenz versprochen. Letztlich wäre das dem Flaggschiff-Status des W80 auch angemessen. Umso erfreulicher ist die Qualität des Tiefton, der präzise und kräftig angeschlagen wird. Auch schnelle Bass-Abfolgen werden sauber trennbar wiedergeben – hier glänzt der W80 mit seiner technischen Kompetenz.
Dunkle Stimmen und Instrumente fettet der Westone etwas an. Hier wirken der betonte untere und der schüchterne obere Mittelton in Kombination. Vor allem eine stark ausgeprägte Senke um 3 kHz hat hieran großen Anteil; in diesem Frequenzbereich dürfte der Westone W80 gerne 10-15 dB mehr Pegel zeigen. Denn neben dem vollmundigen Mittelton ist die Quintessenz ein matter Stimmbereich und gedämpfte Instrumente. Gegen Hochton klettert der Frequenzgang wieder neutralem Niveau entgegen, sodass er um 5 kHz wieder annähernd neutralen Boden erreicht. Das verleiht dem Stimmbereich wieder etwas Kontur, was vor allem der Darstellung von S-Lauten zugute kommt.
Im Hochton trägt auch der W80 einen kleinen Peak. Um eine Frequenz von 9 kHz gönnt sich der Westone eine handvoll Dezibel mehr als es neutral wäre. Die Betonung ist hoch genug im Frequenzspektrum angesiedelt und schwach genug, um nicht anstrengend zu klingen. Ganz im Gegenteil frischt der kleine Peak den Klang des W80 auf und hilft der Durchhörbarkeit des ansonsten auffällig warm abgestimmten Westone. Nichtsdestotrotz leidet die insgesamt wahrgenommene Auflösung des W80 unter dem indirekten, warmen Klangbild. Im Mitten-Schleier gehen einige Details verloren, die bei einem Hörer dieser Preisklasse besser nicht verborgen bleiben sollten. Auf der Habenseite steht die gute Langzeittauglichkeit der inoffensiven Abstimmung.

IEC 60318-4 Frequenzgang / Frequency response measurement Westone W80

Wrap up:
Die Verwandschaft merkt man den drei Inears deutlich an, auch wenn sie einige Treiber und mehrere Hundert Euro trennen. Westone’s Haus-Klang zeichnet sich durch moderat betonten Bass, zurückgenommene obere Mitten und einen mehr oder weniger betonten oberen Hochton aus. Im Tiefton stehen vor allem Mid- und Oberbass hoch im Kurs, während sich im Tiefbass alle drei Westones eine mehr oder minder kleine Schwäche erlauben: Allen voran der W40, der zwar noch die wichtigsten Töne spielt, aber zu wenig Pegel im Tiefbass bietet. Selbst der W80 schwächelt bei den tiefsten Tönen; die beste Performance liefert hier der W60. Hinsichtlich Bassqualität verteidigt der W80 seinen Status an der Spitze der Nahrungskette. Mit einem trockenen und kontrollierten Tiefton weist er seine kleineren Geschwister in die Schranken. Schlusslicht ist der W60, der einen zugegebenermaßen charmanten, weichen Bass spielt, der aber technisch wenig beeindruckt.
Im oberen Mittelton zeigt sich die Verwandschaft der Westones abermals sehr deutlich, da alle drei Inears hier sehr zurückhaltend aufspielen. Allen voran steht der W80, der insbesondere um 3 kHz deutlich weniger Pegel als seine kleinen Brüder hat. Um 5 kHz wendet sich das Blatt, wenn W80 und W60 wieder neutrales Niveau erreichen. Denn hier spielt nun der W40 deutlich zurückhaltender als seine Geschwister. Es lässt sich bereits erahnen: Der W60 liefert hier die beste Balance und stellt Stimmen und Instrumente am ansprechendsten dar. Im oberen Hochton wird er allerdings etwas übermütig, was er mit dem W40 gemeinsam hat. Hier bietet der W80 mit seiner zarten Betonung den stressfreieren Klang.
Der W40 erweist sich als attraktiver Inear mit gut gelungener Abstimmung und technischer Kompetenz. Mit dem W60 nimmt Westone gezielt einige Schwachpunkte des W40 ins Visier. Im Tiefbass kommt nun spürbar mehr Pegel, der dem W40 leider fehlt. Etwas schade ist der langsamer ausklingende Tiefton des 6-Treibers im Vergleich zum trockener aufspielenden 4-Treiber. Während der W40 S-Laute gerne etwas nuschelt, stellt der größere W60 selbige Laute präziser und konturierter dar. Der W60 platziert sich somit als unmittelbare Verbesserung über dem W40 und liefert ein ausgewogeneres, besser aufgelöstes Klangbild mit der Essenz des W40. Hingegen strebt der W80 eine dunklere Interpretation von Westone’s Haus-Sound an. Sein kleiner Bruder W60 wirkt im Direktvergleich transparenter, detailreicher und präsentiert eine bessere Durchhörbarkeit. Durch seinen präziseren Bass und weniger anstrengenden oberen Hochton vermag der W80 zu punkten, muss sich aber ansonsten seinem günstigeren Bruder geschlagen geben.

IEC 60318-4 Frequenzgang / Frequency response measurement Westone W40 vs W60 vs W80

Matchability:
Mit einem Wirkungsgrad von 123,2 dB SPL/V @ 1 kHz platziert sich der W40 im Mittelfeld geläufiger Inears. Somit stellt er einen guten Kompromiss aus Spannungsbedarf und Rauschneigung dar. Sein großer Bruder W60 spielt mit 126,5 dB SPL/V @ 1 kHz bei gleicher Spannung etwas lauter; in etwa auf dem Niveau des InEar StageDiver 2. An guten Zuspielern ist auch hier Rauschen kein Problem. Geräte wie der RME ADI-2 Pro oder der JDS Labs C5D geben im Zusammenspiel mit dem W60 kein hörbares Rauschen von sich. Anders verhält es sich bei dem Westone W80, der mit seinen 135,0 dB SPL/V @ 1 kHz nur knapp unterhalb des Campfire Audio Andromeda liegt und damit zu den wirkungsgradstärksten Inears überhaupt zählt. Dementsprechend lässt sich auch an guten Geräten Rauschen hören; weniger als beim berüchtigten Andromeda, dennoch lauter als mit diversen anderen Inears.
Im Hinblick auf die Ausgangsimpedanz zeigt sich ein ähnliches Bild. Beim W80 treten ab unglaublich geringen 0,4 Ohm Verbiegungen im Frequenzgang von bereits 1 dB auf. Damit reagiert er tatsächlich noch etwas „zickiger“ als der bisherige Rekordhalter Campfire Audio Andromeda. Im Gegensatz dazu lässt sich der W60 an Ausgangsimpedanzen bis 2,7 Ohm betreiben, ohne dass hörbare Veränderungen auftreten. Der Westone W40 ist noch genügsamer und kann bedenkenlos an bis zu 4,0 Ohm betrieben werden.
Die folgenden Diagramme veranschaulichen den Effekt der Ausgangsimpedanz für jeden der drei Inears. Die gelbe Linie zeigt den Inear an 0 Ohm; nach unten hin folgen 2, 4, 8, 16, 32 und 64 Ohm. Anschaulich zu sehen ist, dass die drei Westones mit steigender Ausgangsimpedanz zunehmend heller klingen, was aber kein unwillkommener Effekt sein muss.

Westone W40 effects of output impedance
Westone W60 effects of output impedance
Westone W80 effects of output impedance

Tuning Optionen:
Aus dem vorherigen Kapitel lässt sich bereits erahnen, dass sich durch Variation der Ausgangsimpedanz die Abstimmung der drei Inears etwas tunen lässt. Besonders der Westone W80 reagiert stark auf höhere Werte. Dazu zählen natürlich auch absichtlich zwischengeschaltete Widerstände und sogar höherohmige Kabel. Interessanterweise weisen die drei Kabel-Typen von Westone allesamt einen unterschiedlichen Widerstand auf. Das ALO Reference 8, das dem W80 beiliegt, hat mit insgesamt 0,8 Ohm den niedrigsten Widerstand. Dem W80 liegt allerdings auch ein iOS kompatibles Headset-Kabel bei, das insgesamt 2,2 Ohm misst. Selbiges Kabel ist auch bei W40 und W60 enthalten; zusätzlich ist ein verdrilltes Standard-Kabel dabei, welches sich durch einen Widerstand von insgesamt 3,2 Ohm kennzeichnet. Wie man aus dem folgenden Diagramm erkennen kann, reagiert der empfindliche W80 messbar unterschiedlich auf jedes der Kabel.

Westone W80 Cable Effects

Im Hochton gewinnt der W80 rund 3 dB über den Wechsel auf das Standard-Kabel der W-Serie, welches dem Flaggschiff jedoch nicht beiliegt. Das ist ein hörbar Effekt und tut dem dunkel abgestimmten Westone durchaus gut. Erhöht man den Widerstand noch weiter, wächst der kleine 5 kHz Peak und wird langsam störend.
Im Gegensatz dazu werden W40 und W60 zwar messbar durch den Kabelwechsel beeinflusst, hörbar ist der Effekt jedoch nicht. Für einen helleren, etwas neutralen Klang, lässt sich der Westone W40 aber mit einem zusätzlichen Widerstand von beispielsweise 75 Ohm, wie dem Etymotic P to S Converter, ausrüsten.

Westone W80 mit Case

Westones vs Campfire Audio Andromeda:
Brother from another mother? Schaut man sich die Frequenzgänge der Westones im Vergleich zum Andromeda an, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit nicht von der Hand weisen. Ist es da ein Zufall, dass ALO Audio – Campfire Audios Schwestermarke – das Kabel des W80 liefert? Spielen wir das einmal durch: In Sachen Treiber wäre der Andromeda ein W50, preislich eher ein W70 – und klanglich? Das sehen wir im nächsten Abschnitt. Optisch könnten die Unterschiede jedenfalls kaum größer sein. Die Westones setzen pflichtbewusst auf schwarzen Kunststoff mit äußerst ergonomischer Passform. Der Andromeda besticht mit seinen formschön gestalteten Alu-Gehäuse inklusive gewöhnungsbedürftiger Passform. Im Kapitel Optik gewinnt also der Campfire, während ergonomisch eindeutig die Westones punkten.

IEC 60318-4 Frequenzgang / Frequency response measurement Campfire Audio Andromeda SpinFit vs Westone W60

Für den Klangvergleich muss stellvertretend der Westone W60 herhalten, dessen Abstimmung die größten Gemeinsamkeiten mit dem Andromeda aufweist. Außerdem konnte er seine Brüder bereits klanglich in die Schranken weisen und ist somit ein würdiger Repräsentant.
Angefangen im Tiefbass zeigt der Andromeda dem W60 gnadenlos wo der Hammer hängt und spielt hier mit Nachdruck bis in den Bass-Keller. Jenseits des Tiefbass ähneln sich der Campfire und der Westone sehr, was auch die obige Messung deutlich zeigt, denn hier liegen die Kurven bis 1 kHz fast exakt übereinander. Dennoch spielt der Campfire Audio seinen Bass mit mehr Kontrolle und Präzision als der Westone. Im oberen Mittelton trennen sich die Wege der beiden Inears: Zwischen 2-3 kHz spielt der Andromeda lauter und arbeitet so den hellen Stimmbereich deutlicher und feiner aufgelöst heraus. Auch im unteren Hochton spielt der Campfire frischer auf und lässt so den Westone matter wirken. Im oberen Hochton wendet sich das Blatt, denn hier setzt der W60 noch ein paar Dezibel auf den ohnehin schon ausgeprägten Peak des Andromeda drauf. Tatsächlich ist der Andromeda hier etwas langzeittauglicher ohne Glanz im Hochton vermissen zu lassen.
So wie der W60 bereits eine Verbesserung des W40 ist, könnte man den Andromeda als verbesserten W60 bezeichnen. Obsolet werden W40 und W60 dadurch aber keinesfalls, denn der Andromeda kostet je nach Preislage rund 400€ mehr als der W60, der seinerseits ähnlich teurer als der W40 ist. Je nach Sichtweise ist der Andromeda das logische Upgrade zum Westone W60 oder der W60 eine günstige Alternative zum Andromeda. Jedenfalls repräsentiert der Andromeda klanglich das, was wir uns vom W80 gewünscht hätten.

Westone W60 Faceplates

Fazit:
Westone’s W-Serie ist vor allem für den privaten Musikgenuss konzipiert, dennoch lassen die amerikanischen Inears ihre Musiker-Gene erkennen. Aktuell gipfelt das Portfolio im Westone W80 gefolgt von W60 und W40. Auch wenn die Westones jeweils mehrere Hundert Euro Preisdifferenz trennen, sehen sie sich optisch zum verwechseln ähnlich: Die W-Serie setzt durchweg auf schlichte, schwarze Kunststoffgehäuse, die sehr klein und ergonomisch geformt sind. Erstaunlich ist, dass Westone geschafft hat ganze 8 Treiber pro Seite im zarten W80 unterzubringen. Somit sitzen die kleinen Gehäuse aller drei Westones wunderbar im Ohr.
Neben dem Erscheinungsbild finden sich auch klangliche Ähnlichkeiten. Schon beim ersten Hören zeigen sich einige Parallelen in der Abstimmung der Inears, die sich Westone’s Haus-Klang zuschreiben lassen. Die drei Westones klingen allesamt dunkler als neutral, mit angehobenem Bass und zahmem oberen Mittelton. W40 und W60 kennzeichnen sich zudem durch einen deutlich angehobenen oberen Hochton, der die V-shape Abstimmung abrundet. Beide Inears sind würdige Vertreter ihrerer Preisklasse, während sich der Westone W60 als direktes Upgrade zum W40 betrachten lässt. Aus der Reihe tanzt der W80, der dunkler als seine kleinen Geschwister abgestimmt ist. Im Gegensatz zu den beiden kleineren Modellen überzeugt der W80 weniger, insbesondere, da er soviel wie W40 und W60 zusammen kostet. Die besonders dunkle Abstimmung des Westone W80 maskiert seine technischen Qualitäten und sorgt letztendlich dafür, dass er vom günstigeren W60 überholt wird. Stattdessen platziert sich der Campfire Audio Andromeda als geeignetes Upgrade oberhalb des W60. Aus anderem Blickwinkel stellt der Westone W60 eine unterlegene, aber günstigere Alternative zum Andromeda samt kleinerem und bequemeren Gehäuse dar.
Zu Westone’s Signature Serie zählen zwar nur der W60 und W80, doch wir unterschreiben lieber für Westone W40 und W60.

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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2 Kommentare zum Beitrag “Westone W40, W60 & W80

  1. klasse review, wie immer! vielen dank dafür. leider finde ich an keiner stelle etwas zur bühne der kandidaten, die würde zumindest bei mir noch mit entscheiden. insbesondere tiefe und tiefenstaffelung, sowie höhe würden mich besonders interessieren.

    1. Hi Mango, die Beschreibung der Bühne oder Räumlichkeit des Klangs habe ich in letzter Zeit bewusst reduziert oder, wie hier, komplett ausgelassen.
      Einerseits nehme ich viele Hörer dahingehend einfach als „durchschnittlich“ wahr, sodass eine genaue Beschreibung hier unnötig wäre. Andererseits hat sich mehrfach gezeigt, dass die Wahrnehmung der Bühne besonders subjektiv ist und von Person zu Person sehr star variiert. Falls du trotzdem an meiner sehr subjektiven Einschätzung interessiert bist: W40 und W60 spielen für mich breiter als durchschnittlich, aber nicht ganz so breit wie der Andromeda. Die Ausdehnung in die Tiefe ist eher unterdurchschnittlich, sodass da mittlere Geschehen näher rückt. Dem W80 würde ich eine durchschnittliche räumliche Darstellung attestieren, die allerdings etwas diffus wirkt.

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