Showdown: AK70 | X5 III | DX200

iBasso DX200, Fiio X5 III, Astell&Kern AK70, RME ADI-2 Pro Limited Edition

Was früher einmal der MP3-Player war, nennt sich heutzutage gerne DAP, also Digital Audio Player. MP3 spielen diese Audioplayer natürlich immer noch, hinzugekommen ist die Unterstützung für eine ganze Wust nominell hochauflösender Audio-Formate. Man spricht hier auch gerne von High-Res-Formaten bzw. High-Res-Audio und dementsprechend auch gelegentlich von High-Res-Playern anstatt von DAPs. Was von High-Res nun zu halten ist, liefert regelmäßig Zündstoff für etliche Diskussionen und wäre hier sicher fehl am Platz – aber Fakt ist: Von einem DAP wird heutzutage verlangt diese Formate spielen zu können und entsprechend viel Speicherplatz für die verlustfreie High-Res Musikbibliothek mitzubringen. Aber vor allem soll der Player die eigene Musiksammlung im Sinne von high-fidelity bestklingend an den Kopfhörer übertragen.
Die drei Test-Kandidaten der aktuellen DAP-Riege beanspruchen natürlich jeder für sich die genannten Attribute bestens zu erfüllen. Im Showdown müssen die Audioplayer zeigen, ob sie halten können, was sie versprechen. Es treten an:

Astell&Kern AK70
Astell&Kern, die High-End-Linie von iRiver, haben sich vor einigen Jahren strategisch neu auf dem Markt platziert und vertreten seitdem fast schon aggressiv die High-End-Kategorie. So findet man jedes Jahr aufs Neue eine neue DAP-Referenz, die kontinuierlich die Preise nach oben treibt. Aktuell sind zur Zeit die Player AK KANN (1.099 €) und A&ultima SP1000 (3.999 €). Fast schon günstig wirkt da der Preis des AK70, der zum Testzeitpunkt knapp unter 600 € (Amazon) kostet. Nach dem A&K Junior ist der AK70 somit das zweitgünstigste Modell der koreanischen Edelmarke. Abgesehen vom exklusiven Design, das mittlerweile allerdings gerne von der Konkurrenz als Inspiration angenommen wird, orientiert sich das Marketing von A&K etwas an Apple. Die Handhabung der DAPs soll vor allem simpel sein. Statt einer langen Liste von Funktionen, soll hauptsächlich das überzeugen, was geboten wird.

Fiio X5 III
Widmen wir uns dem digitalen Audioplayer X5 in der dritten Revision von Fiio. Dies war bis zu letzt noch das aktuellste Gerät der chinesischen Firma. Bis ihr jedoch diese Zeilen lest, ist der X5 III nicht mehr der neueste Player aus dem Hause, sondern womöglich halten manche schon die zweite Generation vom X7 in der Hand. Kurze Produktzyklen sind leider schon sehr üblich bei der Firma, aber trotzdem wollen sich manche Sachen nicht so recht ändern. Was sich bei Fiio z.B. nicht so recht ändert, ist eine lange Feature-Liste. Beim X5 der dritten Generation wird u.a. beworben mit umfangreicher Dateiunterstützung inklusive DSD, Touchbedienung mit Android Betriebssystem das die Nutzung dritter Apps erlaubt, kabellose Übertragung via WLAN und Bluetooth 4.0, symmetrischer 2.5mm Verstärkerausgang und Speichererweiterung über zwei MicroSD-Steckplätzen. Das umfangreiche Paket, das Fiio mit dem X5 3rd gen geschnürt hat, kostet aktuell rund 450 € (Amazon), womit er der günstigste DAP im Trio ist.

iBasso DX200
iBasso drängte sich Ende 2011 / Anfang 2012 mit dem relativ erfolgreichen DX100 auf den DAP-Markt. 2013 folgte der günstigere DX50. Mittlerweile sind die Modelle durch den hier vorgestellten DX200 und dem kleineren DX80 ersetzt worden. Die Produktauswahl blieb bisweilen relativ übersichtlich, was die chinesische Firma sehr sympathisch macht. Der DX200 ist das aktuelle Flaggschiff und macht keine Kompromisse. Dementsprechend fällt auch der Preis des DX200 mit knapp unter 900 € (Amazon) höher aus als bei den beiden Konkurrenten. Ausgeliefert wird der Player standardmäßig mit dem AMP1-Verstärkermodul. Dieses kann nachträglich durch andere analoge Verstärkungen ausgetauscht werden. AMP2 erfreut sich derzeit allgemeiner Beliebtheit, stand uns zum Test aber nicht zur Verfügung.

Verpackung & Zubehör
Astell&Kern AK70
Entweder hat man sich bei Astell&Kern gedacht, dass man keine große Vorstellung braucht, oder man wollte das Premium-Feeling für die teureren Produkte vorbehalten. In einer einfachen Pappschachtel präsentiert man sich bescheiden. Als Zubehör liegt lediglich ein USB-Kabel bei. Alles ist nüchtern in schwarz gehalten.

Fiio X5 III
Die Verpackung des X5 richtet sich hauptsächlich an Massenkonsumenten. Als Firmenfarbe haben sich die Chinesen für ein kräftiges Rot entschieden, das auf einem weißen Hintergrund geradezu sportlich aussieht. Der verfügbare Platz wird für das Auflisten aller Features genutzt.
Was mir jedoch direkt auffiel, ist das neue Firmenlogo. Man hat sich hier ganz klar optisch bei dem Kult-Motorradhersteller Harley Davidson inspiriert. Geradezu peinlich ist aber der Slogan „Born for Music &Happy“. Nicht nur fehlt nach dem ’&’ ein Leerzeichen, sondern ist der Satz grammatikalisch falsch weil an dieser Stelle kein Adjektiv stehen kann. Der originale chinesische Slogan „音乐乐无限“ möchte unendlichen Spaß durch Musik ausdrücken. Da ist bei der Übersetzung etwas schief gegangen. Das ist schade, denn eigentlich kümmert sich Fiio sehr um den westlichen Markt. Dass dieser Fehler noch nicht beseitigt wurde und zur Zeit diesen Artikels noch so auf der Homepage steht, löst für mich nur Verwunderung aus.
Wie dem AK70 liegt dem X5 auch ein schwarzes USB-Kabel bei. Ein digitales Coax-Verbindungskabel ist auch enthalten. Zusätzlich hat man im Karton auch Platz für zwei Schutzhüllen gefunden. Die erste ist aus recht hartem transparenten Gummi und die zweite ist aus schwarzem Kunstleder mit roter Naht. Das passt dann natürlich wieder gut zum Motorradlogo.

iBasso DX200
Bei der Verpackung hat sich iBasso selbst übertroffen. Man scheint im Marketing zu wissen wie wichtig der Ersteindruck ist und entsprechend beeindruckend ist die Box, die das Auspacken geradezu zum Erlebnis macht. Man hat auf konventionelle Pappschachteln verzichtet und sich etwas richtig originelles einfallen lassen. Ein gummierter Mantel hält zwei schräge Hälften zusammen, die dick mit hartem Schaumstoff ausgelegt sind. Passgenau liegt darin der DX200, den man Schicht für Schicht befreit. Das Design ist aufwändig mit technischen Zeichnungen erweitert. Der Aufwand und das Feingespür übertrifft sogar jenes von beispielsweise Apple, auch wenn hier eine gänzlich andere Handschrift verwendet wurde. Als technisch interessierter Audiophiler fühle ich mich voll angesprochen.
Der Lieferumfang überzeugt ebenfalls. Anders als der AK70 und der X5 III hat iBasso bereits von Micro-USB auf USB3 Typ C gewechselt. Das mitgelieferte Kabel überzeugt haptisch total durch gute Verarbeitung und Stoffummantelung. Wie auch bei FiiO bekommt man ein Coax-Kabel dazu und etwas überraschend ein Burn-In-Kabel. Das steckt man an den Kopfhörerausgang und lässt die Musik vor sich hin spielen. Wenn das Einbrennen denn tatsächlich nötig wäre, würde ich mich fragen warum iBasso das nicht schon im Werk macht um den Kunden nicht extra zu belasten. Um rosa Rauschen muss sich der Käufer selbst bemühen, das hätte iBasso auch gut als Audiodatei schon aufspielen können, wenn sie es denn für nötig halten. Ich habe stattdessen nur Musik laufen lassen und hoffe damit nicht die Qualitäten des Players gebremst zu haben…

iBasso DX200 DAP

Verarbeitung & Design
Astell&Kern AK70
Astell&Kern fallen schon seit 2014 durch markantes und asymmetrisches Design bei ihren Playern auf (damals AK240). Diese Stilvorlage wird seitdem beibehalten und hat auch den AK70 beeinflusst. Ganz so verschachtelte geometrische Winkel weist er zwar nicht auf, allerdings ist das Touch-Display nach links versetzt und das rechte Fünftel verdünnt gewölbt zur Kante hin. So legt sich das Lautstärke-Drehrad gut erreichbar frei. Farblich hat man dem Metallgehäuse einen minzgrünen Ton verpasst. In Europa ist auch exklusiv eine schwarze Version erhältlich, die mir auf Basis von Fotos im Netz etwas besser gefällt. Der AK70 ist in diesem Test mit Abstand der handlichste Player, dank seiner vergleichsweise geringen Größe. Es ist schön mal wieder einen DAP in die Hosentasche stecken zu können.
An der Seite finden sich Bedienelemente um Titel zu wechseln oder die Musik zu pausieren. Sie sind perfekt eingearbeitet und haben einen tollen Druckpunkt. Einzige Kritik gilt dem Lautstärkeregler, der, wenn der AK70 flack auf dem Tisch liegt, mit der Liegefläche in Berührung kommt und es bei Verwendung zu leichter Reibung kommt, die das Drehrad sogar komplett blockieren kann.

Fiio X5 III
Das Design Vom X5 III erinnert von der Größe her an ein klobiges Smartphone. Für diejenigen, die darauf bestehen hautenge Hosen zu tragen, könnte es eng werden, in einer gewöhnlichen Jeans sollte der Fiio aber problemlos in den vorderen Taschen Platz finden. Die dicke des Gehäuses erlaubt gut zugängliche Tasten an den Seiten, die ebenfalls mit einem digitalen Lautstärkeregler erweitert wurden. Die Rasterung des letzteren ist leider nicht so präzise wie beim AK70, erfüllt aber dennoch ihren Zweck. Um die Schächte für die zwei microSD-Karten zu erreichen, muss man wie beim iPhone mit einer dünnen Nadel in ein kleines Loch stechen um den Einsatz auszuwerfen und die SD-Karte in die Schablone zu legen. Ohne die mitgelieferte Nadel hat man unterwegs aber große Schwierigkeiten den externen Speicher auszutauschen.
Fiio sucht noch nach einem eigenen Stil und so hat man sich etwas an der Konkurrenz orientiert. Das Display ist hier ebenfalls nicht ganz mittig, sondern die Form ist durch die Bedienelemente auf der linken Seite mit schrägen Linien erweitert. Ich zumindest habe mich durch die Geometrie sehr an Astell&Kern erinnert gefühlt. Das soll allerdings keine Kritik sein. Die gilt jedoch dem vorne angebrachten goldenen „Hi-Res Audio“ Aufkleber. Erstens hat der hier nichts zu suchen, hat er doch eigentlich überhaupt keinen Inhalt, und zweitens ist er schief aufgeklebt. Wäre der X5 III mein eigener, würde ich den Sticker sofort entfernen.

iBasso DX200
iBasso hat einen ordentlichen Klopper abgeliefert. Da hilft es auch nicht wenn man Hosen von Karl Lagerfeld meidet, dieser Brocken braucht fast eine eigene Umhängetasche. Gut, ich übertreibe etwas. Dennoch, mit 13x7x2 cm und 240g lässt er die anderen beiden Testobjekte ziemlich klein erscheinen. Mit der Lederhülle wird das Gesamtpaket nochmals größer. Das Gerät liegt trotzdem gut in der Hand, auch wenn ich zur Bedienung beide Hände frei haben wollte. Das Design ist etwas spannender, bietet es doch gleich mehrere Elemente. Zum einen ist die modulare Verstärkereinheit auswechselbar. Dies ist an den offenen Schrauben und der Kante auf der Rückseite erkennbar. Das obere Zehntel ist zudem geriffelt. Das hat eigentlich keinen praktischen Zweck, gibt dem Gerät jedoch eine eigene Note. Auffälliger ist noch der im Winkel angebrachte Teilrahmen, der die Bedienelemente und Lautstärkeregler aus der rechtwinkligen Form heraushebt. Das Konstrukt wirkt extrem hochwertig und auch der Regler bietet die beste Rasterung im Vergleich.

Astell&Kern AK70 DAP Jomo 6v2

Display, Akku & Funktionen
Alle drei Player haben Überschneidungen was die Funktionen betrifft. Dass man statt MP3 heutzutage vermehrt „HD“ runterlädt, ist nichts neues. Bis 24Bit 192kHz spielen alle ab. Auch werben alle drei mit Unterstützung von Direct Stream Digital (DSD), dem 1Bit 2,8224 Mhz HD-Format. Diese kann aber gar nicht als solche abgespielt werden, weil alle auf digitale Lautstärke zurückgreifen und somit das Signal manipuliert werden muss. Dafür wandeln alle 3 DAPs das DSD-Format (.dsf oder .dff) zu 24Bit PCM um. Es lohnt sich also nicht vorhandene HD-Alben nochmal neu als DSD zu kaufen. Unterstützt wird was sonst auch so üblich ist: MP3, OGG, MPEG-4 (AAC), FLAC, APE, AIFF, ALAC, WavePack, …
Der AK70 und der DX200 sind als externe Soundkarte über USB-Verbindung nutzbar. Sie laden sich also bei einer Verbindung nicht nur auf und lassen sich mit Musik bespielen, sondern in den Optionen lassen sie sich als externen DAC am PC/ Mac verbinden. Aus unbekannten Gründen ist dies beim X5 III nicht möglich. Auch wollte die AndroidFileTransfer.app auf meinem Mac das Gerät absolut nicht erkennen, so dass ich keinen Zugriff auf den internen Speicher hatte.
Alle drei Geräte bieten einen vierpoligen 2,5mm Klinkenanschluss für symmetrische Kabel. Ebenfalls sind alle mit einem Wifi-Chip ausgestattet und verstehen sich mit DLNA und sämtlichen Streaming-Diensten.
Alle drei Player verwenden Android, aber der X5 III und der DX200 bieten auch Unterstützung für zusätzliche Apps. Inwiefern man damit ein echtes Smartphone ersetzen kann, wurde im Vergleichstest nicht genauer untersucht weil es auf den Klang keinen Einfluss hat. Interessenten können aber gerne etwas Recherche betreiben ob man das jeweilige Gerät vielleicht sogar für Spiele verwenden kann – ohne GPU natürlich nur stark eingeschränkt.
Eine praktische Funktion wie Crossfeed vermisst man bei allen Abspielgeräten. Auch hätte ich mir gerne standardmäßig einen parametrischen Equalizer gewünscht.

Astell&Kern AK70
Display: 3,3 Zoll mit 480×800 (283 ppi)
Akku: 2200 mAh
Speicher: 64 GB intern, extern über eine microSD erweiterbar

Durch die kompakteste Form im Test hat der AK70 wenig überraschend das kleinste Display. Die Auflösung ist relativ hoch, was aber auch dazu führt, dass Schriften teilweise furchtbar klein ausfallen. Eine Lesebrille brauche ich eigentlich noch nicht, mir ist aber aufgefallen, dass ich um manche Informationen gut lesen zu können die Augen etwas zusammenkneifen muss. Albumgrafiken sehen jedoch hervorragend aus.
Obwohl die Akkugröße im Vergleich klein ausfällt, hat der AK70 ein hervorragendes Durchhaltevermögen. Besonders beeindruckt hat mich der geringe Verbrauch im Standby. Eine genaue Angabe kann ich nicht geben, aber mit über 10 Stunden Wiedergabe würde ich fest rechnen.
Der AK70 kann Formate bis 32Bit 384kHz lesen, rechnet diese aber auf 24-192 runter damit sie der interne CD4398 Chip verarbeiten kann. Ein 20-Band-Equalizer steht zur Verfügung. Viel mehr gibt es zum AK70 sonst nicht mehr zu erzählen. Er spielt Musik ab und hat auch keine Probleme eine Liste ohne Ladepause wiederzugeben. Stichwort: Gapless.

Fiio X5 III
Display: 3,97 Zoll mit 480×800 (157 ppi)
Akku: 3400 mAh
Speicher: 32 GB intern, extern über 2x microSD erweiterbar.

Fiio gibt beim Display einen PPI-Wert von 233 an, der auch gerne so abgetippt wird. Wenn man mal nachrechnet, findet man aber heraus, dass das knapp 4 Zoll große Touch-Display nur 157 Pixel/Zoll bietet. Das sieht man auch. Die Darstellung ist weder besonders scharf und auch die Blickwinkel sind relativ stark eingeschränkt. Die Konkurrenz ist wesentlich attraktiver. Der Musik ist das jedoch ziemlich egal.
Auch die angegebenen „über 10 Stunden Laufzeit“ kann ich nicht bestätigen. Der 3400 mAh Akku enttäuscht zwar nicht, aber 6-8 Stunden sind bei normaler Anwendung mit WLAN und häufiger Entsperrung des Displays realistischer. Das reicht trotzdem noch locker für einen ganzen Arbeitstag mit musikalischer Beschallung.
Sehr löblich finde ich das OTA-Update. „Over the Air“ wird man kabellos zum Software-Update aufgefordert. So bleibt das Gerät immer aktuell. Allerdings hat dies nicht geholfen eine erfolgreiche Verbindung zum Mac aufzubauen oder den X5 III als externen DAC verwenden zu können.

Fiio X5 III DAP OTA

Noch einen Pluspunkt gewinnt Fiio durch die Unterstützung von CUE-Sheets. Wer seine CDs beim konvertieren zu FLAC in eine einzelne Datei speichert, kann mit einer (eingebetteten oder separaten) CUE-Datei kapitelartig die Informationen der einzelnen Titel abspeichern. Beim AK70 und DX200 wird nur je ein Lied (Albumtitel) erkannt, was beim Vorspulen nur wenig Vorteil gegenüber einer Kassette oder einer Schallplatte bietet.
Sehr enttäuscht bin ich über die (beworbene, aber immer noch) fehlende Gapless-Unterstützung. Schon den allerersten Fiio DAP, damals X3 genannt, hat angegeben Musik gapless abzuspielen. Seitdem hat sich nichts geändert und die Firma bekommt es leider immer noch nicht hin. Das ist heutzutage nur noch lächerlich und es gibt keinen Grund warum man bei einem Live-Album durch eine kurze Ladepause aus dem Erlebnis geworfen werden muss. Noch erstaunlicher finde ich jedoch, dass Fiio weiterhin bei jedem Gerät diese Funktion angibt und erst auf enttäuschende Kundenreaktionen angibt dies mit einem Update nachzuliefern. Das ist damals beim X3 der ersten Generation nicht passiert und das wird wahrscheinlich auch beim X5 in der dritten Generation nicht passieren.
Praktischerweise hat Fiio schon einen Haufen an Android Musik-Apps vorinstalliert. Hier kann die Firma ihren chinesischen Hintergrund nicht mehr verstecken – im Gegenteil, er wird geradezu zelebriert! Teilweise sind die Apps jedoch nur auf Chinesisch und erlauben sogar das Abspeichern von Streams, die über chinesische Server laufen. Sprich, man braucht seine CDs gar nicht mehr selber rippen sondern lädt einfach runter was man in der Suche eingibt. Da stellt sich ganz klar die Frage ob das überhaupt legal ist. Ebenfalls war ich über die Neutron-App überrascht. Der Neutron Music Player kostet im Google Play Store für gewöhnlich 5 €. Auf dem X5 III war sie bereits in vollem Umfang nutzbar.
Die Fiio-App spielt auch Musik ab. Diese ist mir jedoch ohne ersichtlichen Grund zweimal mittendrin abgestürzt. Auch verstecken sich gelegentlich noch chinesische Schriftzeichen in der Software, wie z.B. wenn man Liedtexte angezeigt bekommen möchte. Ein 10-Band-EQ steht zur Verfügung.
Intern werkeln zwei AK4490EN Chips, eine leichte Abwandlung der AK4490 die vom RME ADI-2 Pro bekannt sein sollten, dort aber zweimal als Doppelpack implementiert sind. Somit sind bereits die verschiedenen DA-Filter bekannt, die relativ schwer herauszuhörende Auswirkungen auf Frequenzgang und Impulsantwort haben. Bis 32Bit 384kHz verspricht Fiio volle Unterstützung.

iBasso DX200
Display: 4,2 Zoll mit 768×1280 (355 ppi)
Akku: 4400 mAh
Speicher: 64 GB intern, extern über eine microSD erweiterbar

Das Display vom iBasso ist groß, farbintensiv und hochauflösend. Leider enttäuschen die Blickwinkel und das IPS-Panel bekommt schnell einen starken Blaustich wenn man nicht frontal auf die Darstellungsfläche schaut. Vielleicht profitiert der DX200 gar nicht von dem großen Display. Man hat teilweise Probleme alle Ecken mit einer Hand zu erreichen. Auch das Hauptmenü nutzt die Fläche komplett aus, was dies umso schwieriger macht. Texte sind jedoch sehr scharf und gut leserlich.
Ich bin beim Akku-Test auf 8 Stunden gekommen. Dies beinhaltet verlustfreie Audiodateien im ALAC-Container in 16Bit 44,1kHz und mehreren Abspielpausen über den Tag verteilt. Am Stück lässt sich das Durchhaltevermögen vermutlich noch um 1-2 Stunden erhöhen.
Wie der X5 III auch, bietet der DX200 die Möglichkeit beispielsweise Neutron als Musik-App zu verwenden – allerdings muss man sie sich dieses Mal vorher kaufen. Die Standardapp erlaubt die Verwendung eines 10-Band-Equalizers.
iBasso verwendet zwei Sabre ES9028PRO Chips, die grob mit den AK4490 des Fiio vergleichbar sind und die gleiche Bitrate unterstützen. Auch werden verschiedene DA-Filter angeboten.

Fiio X5 III DAP NF Audio NF6i

Bedienung & tägliche Nutzung
Astell&Kern AK70
Der AK70 profitiert von einem sehr übersichtlichen Funktionsumfang, der ein intuitives Navigieren in den Menüs erlaubt. Manche Aktionen, wie z.B. zurück in die Ordneransicht zu wechseln, bringt etwas Verzögerung mit sich. Ungeduldige werden mehrmals über den Bildschirm wischen. Dafür ist die Navigation im Musikordner sehr flüssig, auch mit Darstellung der Cover Artworks bis dass man das Gerät neu startet. Der Player könnte allerdings bequemer in der Hand liegen, obwohl alle Knöpfe gut erreichbar sind. Auch ist der AK70 relativ schnell einsatzbereit, wenn man ihn hochfährt.

Fiio X5 III
Mit Android 6.0 kann ich auf so einem pixeligen Bildschirm nichts anfangen. Das Erlebnis ist nicht mit einem Smartphone der gleichen Preisklasse vergleichbar. Auch dauert es bis so ein ganzes Betriebssystem nach Start verfügbar ist. Deshalb empfehle ich direkt den „Pure Music Mode“, der den Homescreen deaktiviert und nur Zugang zur Musik-App erlaubt. Diese ist funktional, hat aber noch Verbesserungsmöglichkeiten. Album Cover werden immer nur für die aktuelle Darstellung geladen. Wer also im Menü navigiert sieht erstmal gar keine Bilder, bis er das Scrollen einstellt. Dann springen nach und nach die Bilder rein. Geht man jedoch wieder ein paar Zeilen zurück, werden diese wieder neu geladen. Das ruckelt auffällig und beeinflusst natürlich das sonst gewohnte Verhalten vom Durchstöbern der Musikbibliothek. Auch ungünstig gelungen finde ich den Zugang zur externen microSD. Beide Schächte sind einfach nur unverschämt unzugänglich. Warum man sich dort für ein SIM-Tray à la iPhone entschieden hat, weiß ich nicht. Die SIM wechselt man ja auch nur sehr selten, die SD aber durchaus häufiger. Dafür bietet Fiio mehr Audio-Optionen an. In der App integriert hat man Zugang zu Viper, eine Möglichkeit den Sound auf allen möglichen Arten zu manipulieren und subjektiv hoffentlich zu verbessern. Für einige Viper-Funktionen wird man als X5-Käufer allerdings nachträglich zur Kasse gebeten. Außerdem muss zur Verwendung der App eine WLAN-Verbindung aktiv sein. Abschließend möchte ich noch den Lichtring um den Ein/Aus-Schalter kritisieren. Diese Status-LED leuchtet auch im Standby mit einem penetrant blauen Licht. Nur das komplette Herunterfahren sorgt abends für Dunkelheit.

iBasso DX200
Der DX200 flutscht im Vergleich zum X5 III wesentlich schneller. Hochfahren dauert zwar auch seine Zeit, allerdings kommt es viel seltener zu Lag. Musik muss einmal gescannt und die Bilder geladen werden, aber dann kann man gemütlich und weich durch die Menüs navigieren. Man denkt das sollte selbstverständlich sein, aber nach einer Weile mit Fiio muss man schon Angst haben, dass das nicht so ist. Eine Merkwürdigkeit, die mich im täglichen Gebrauch gestört hat, ist dass der Entsperrungsbildschirm bei laufender Musik anders ist als ohne. Normalerweise wischt man von unten nach oben um Zugang zum OS zu bekommen. Läuft allerdings Musik, muss man zur Seite wischen. Etwas verwirrend. Auch ist mir negativ aufgefallen, dass der DX200 im Betrieb sehr warm werden kann. Hier ist die CPU wohl nicht für Volllast optimiert. Mit der Lederhülle bekommt man das aber nicht mit.

Astell&Kern AK70 DAP Jomo 6v2

Klang
Kommen wir nun endlich zum vielleicht wichtigsten Abschnitt. Machen wir uns nichts vor, als selbsternannter Audiophiler möchte man auf höchstmöglicher Qualität Töne hören. Wer nur Musik genießen möchte, kommt auch mit einem Smartphone und verlustbehafteter Komprimierung aus. Uns interessiert jedoch zum Einen die Unterstützung vom rational fragwürdigen HD-Format, als auch die Kompatibilität mit schwer anzutreibenden Kopfhörern, die der Normalverbraucher vielleicht nicht in der Reisetasche mit sich trägt.
Getestet haben wir hauptsächlich mit der InEar Referenz ProPhile 8, symmetrisch und asymmetrisch, aber auch mit verschiedenen CIEMs und Kopfhörern. Als zwei Extrema dienen der extrem hoch empfindliche Campfire Andromeda und der relativ schwer anzutreibende Fostex T50RP Mk3.

Lautstärke
Gleich zwei Mal wurde ich überrascht: Zum einen über den gelieferten Pegel vom kleinen AK70 und zum anderen über die geringen Reserven des großen DX200. Hier von David gegen Goliath zu sprechen wäre doch zu viel, allerdings wurde der AK70 fast so laut wie der X5 III während der iBasso mit Klassikaufnahmen tatsächlich schneller das obere Limit erreicht. Es fehlen subjektiv ca. 20% Lautstärke im Vergleich. Hier sei nochmal erinnert, dass wir den DX200 mit AMP1-Modul testen. Zusätzlich lassen sich separat auch AMP2 und AMP3 bestellen. Der 3er soll für ausreichend Lautstärke sorgen. Diese Angabe ist allerdings ohne Gewähr! AMP4 ist ebenfalls bereits angekündigt.
Beim AK70 ist die Freude über die hohe Lautstärke allerdings nicht ungebunden. Messungen zeigen relativ hohe Verzerrungen unter Last. Ist also erst einmal ein Kopfhörer angeschlossen, ist das Signal also nicht mehr so sauber wie man es sich wünschen würde. Die harmonischen Verzerrungen erreichen dann durchaus einen hörbaren Bereich. Somit macht der X5 III mit etwas schwereren Kopfhörern den besten Eindruck.
In konkreten Zahlen haben wir für den AK70 die vom Hersteller angebenden 2,3 VRMS bestätigen können. Somit ergeben sich beachtliche 9,4 dBu ohne angeschlossene Last, was den Astell&Kern zunächst als stärksten DAP im Trio kennzeichnet. Die Freude ist aber nur von kurzer Dauer, denn an einer Last von 30 Ω knickt die Lautstärke um 3,5 dB ein, sodass noch 5,9 dBu übrig bleiben. Dem Audioplayer geht an niederohmigen Lasten schlicht die Puste aus. Der etwas schwachbrüstige DX200 liefert ohne Last lediglich 6,5 dBu, verringert den Abstand zum AK70 aber zunehmend mit niederohmigerer Last. An 30 Ω bleiben dem iBasso noch ganze 6,4 dBu, womit er den AK70 tatsächlich noch knapp überholen kann. Spitzenreiter ist dennoch der Fiio, der ohne Last 8,5 dBu liefert und an 30 Ω ganze 8,2 dBu halten kann.

Rauschen
Bei der Anwendung mit dem Andromeda kippt das Bild allerdings. Auch wenn das Grundrauschen relativ gering bleibt, entwickelt der Fiio X5 III zusätzlich ein unangenehmes Fiepen. Dies ist hochgradig nervig und ich erlaube mir von Inkompatibilität zu sprechen. Auch der AK70 zeigt sich nicht unter optimalen Bedingungen. Rauschen ist wahrnehmbar und nebenbei verbiegt die Ausgangsimpedanz von über 3 Ω den Frequenzgang des äußerst empfindlichen Campfire Audio. Der DX200 lässt sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Kein Rauschen, keine störende Eigengeräusche und auch keine durch Ausgangsimpedanz verursachte Verbiegung. Erstklassig!

Balanced Out
Wir statten den ProPhile 8 mit dem Estron Linum BaX aus um den 2,5mm TRRS-Ausgang der Player zu testen. Bei normalen Aufbau sollte sich der Ausgangswiderstand des symmetrischen Ausgangs verdoppeln. Beim AK70 soll dies nicht der Fall sein, sodass sich der Wert laut Astell&Kern halbiert. Mit dem ProPhile 8, der nicht annähernd so empfindlich wie der Andromeda ist, lässt sich keine Schwäche erkennen. Wenn ein solches Kabel vorhanden ist, empfiehlt sich beim AK70 der Balanced-Out.
Für den X5 3rd gen gibt Fiio eine auf 3 Ω gestiegene Ausgangsimpedanz für den Balanced-Betrieb an. Grundrauschen ist bei Konzentration noch wahrnehmbar, bei laufender Musik aber nicht störend. Das Fiepen ist nicht mehr vorhanden. Ob sich der 2,5mm TRRS über den asymmetrischen Ausgang aber tatsächlich empfiehlt, muss im Einzelfall entschieden werden.
Auch der iBasso DX200 wirbt mit dem symmetrischen Ausgang. Wie normalerweise üblich soll sich laut iBasso die Ausgangsimpedanz im Dual-Mono Betrieb von 0,15 Ω auf 0,3 Ω verdoppelt. Wir haben unsymmetrisch allerdings schon 0,38 Ω gemessen, was dennoch ein sehr geringer Wert ist. Symmetrisch ist also von immer noch vorbildlichen 0,8 Ω auszugehen. Allerdings ist der normale Output schon so sensationell gut, dass es extrem schwierig wird einen Vorteil vom 2,5mm-Ausgang zu erkennen. Auf meine Hörerfahrung basierend, würde ich mir wegen dem DX200 nicht extra ein symmetrisches Kabel besorgen.

Klangbeschreibung
Ein Review ist natürlich nur schwer ohne Beschreibung des Gehörten möglich. Gerne würden wir nur auf Messungen verweisen, aber das zeigt nicht immer die ganze Wahrheit. Handfeste Eindrücke sind ebenso wichtiger Bestandteil. Über die Kontroverse subjektiver Empfindung bin ich mir bewusst, dennoch folgen an dieser Stelle ein paar Worte zur Beschreibung meiner Wahrnehmung.
Auch wenn es nur kleine Auswirkungen hat, ist die erhöhte Ausgangsimpedanz des Astell&Kern AK70 bemerkbar. Je nach Kopfhörer bzw. Inear fallen die Auswirkungen auf den Frequenzgang mal stärker und mal schwächer aus. Obwohl ich ihn eben noch im Zusammenspiel mit dem Andromeda kritisiert habe, finde ich dass diese Kombination prinzipiell in Ordnung geht. Für meinen Geschmack verbessert sich die Tonalität des Campfire Audio Andromeda bei 3 Ω gegenüber beispielsweise 1 Ω. Der Player selber zeigt sich sonst sehr angenehm natürlich und neutral mit unempfindlichen Kopfhörern. Hier wird nicht versucht heimlich etwas Musikalität unterzumogeln. Rauschen ist vernachlässigbar, macht sich aber im Extremfall mit einem etwas faderen Bassbereich bemerkbar. Mitten und Hochton kann ebenfalls bei ganz genauem Hinhören als etwas grobkörnig empfunden werden. Er lässt aber keinesfalls an Räumlichkeit oder Luft vermissen.
Im Vergleich gefällt mir der Fiio X5 III aber noch etwas besser. Wenn man mal von dem Fiepen absieht, bietet der X5 III einen etwas besseren Kontrast ohne dabei schwer zu klingen.
Die verschiedenen DA-Filter sind wie auch beim DX200 schwer zu erkennen und machen sich weniger in der Impulsantwort als im Abrollen des Hochtons bemerkbar. Je stärker das Filter eingreift, desto minimal klarer oder auch kratziger wird das Klangbild. Tatsächlich ist es für mich aber unmöglich herauszuhören welcher Filter gerade aktiv ist. (Dies gilt ebenfalls für beide Player.)
Den Olymp habe ich erst mit Hilfe vom iBasso DX200 erreicht. Der Klang ist so transparent, dass mir wirklich die Worte zum Beschreiben fehlen. Gerade im Zusammenspiel mit dem ProPhile öffnen sich ganze Sphären der Unendlichkeit. Nichts lenkt ab und hindert am völligen Abtauchen in die Musik. Der Hochton ist weder weich noch hart, sondern wechselt mit jeder Aufnahme und jedem Kopfhörer. Der Bass ist fest und tief. Der Hintergrund ist schwarz, engt aber nicht ein. Die Musik spielt sogar etwas entfernter als beim X5 III. So begeistert war ich von einem Abspielgerät schon lange nicht mehr. Grandios!

iBasso DX200 InEar ProPhile 8

Messungen
Einige Werte haben wir bereits im obigen Fließtext einstreuen lassen. In der folgenden Tabelle haben wir noch einmal unsere Messwerte übersichtlich dargestellt.

Test Astell&Kern AK70 Fiio X5 III iBasso DX200
Ausgangsimpedanz, Ω 3.25 0.97 0.38
Ausgangspegel, dBu 9.4 8.5 6.5
Ausgangspegel 30 Ω Last, dBu 5.9 8.2 6.4
Ausgangsleistung 30 Ω Last, mW 77.5 132.1 86.6

Im direkten Vergleich müssen sich die drei DAPs am RME ADI-2 Pro messen. Die Tests beziehen sich auf den unsymmetrischen Ausgang der Audioplayer und wurden der Vergleichbarkeit halber mit dem gleichen Ausgangspegel von 0 dBu und der gleichen Last von 30 Ω durchgeführt. Die dazu nötigen Volume-Einstellungen sind im Kopf der Tabelle ersichtlich.
Während der DX200 für den Ausgangspegel von 0 dBu bereits die High Gain Einstellung benötigt, konnte der X5 III im Low Gain Modus zum Test antreten. Der AK70 besitzt hingegen nur eine Gain Stufe. Alle drei DAPs liefern durchaus gute Ergebnisse. Auffällig ist jedoch das schlechte THD-Ergebnis des AK70, das um ein vielfaches höher als die Ergebnisse der Kontrahenten ist. Ohne Last liefert der Astell&Kern noch vorbildliche Werte (hier nicht gezeigt); die Test-Last von 30 Ω bereitet ihm hingegen Schwierigkeiten.

Test (24 Bit / 44.1 kHz) AK70 – 0dBu 30Ohm Vol133 X5 III – 0dBu 30Ohm Vol115 DX200 – 0dBu 30Ohm Vol137 HG
Frequency response (from 40 Hz to 15 kHz), dB: +0.03, -0.07 +0.04, -0.19 +0.14, +0.07
Noise level, dB (A): -111.4 -111.0 -112.6
Dynamic range, dB (A): 111.4 111.0 112.6
THD, %: 0.411 0.0005 0.0003
IMD + Noise, %: 0.079 0.0038 0.0016
Stereo crosstalk, dB: -79.3 -79.3 -68.6

Frequency response
Astell&Kern AK70, FiiO X5 3rd gen, iBasso DX200 - Frequency Response

Noise level
Astell&Kern AK70, FiiO X5 3rd gen, iBasso DX200 - Noise

Dynamic range
Astell&Kern AK70, FiiO X5 3rd gen, iBasso DX200 - Dynamic range

THD + Noise (at -3 dB FS)
Astell&Kern AK70, FiiO X5 3rd gen, iBasso DX200 - THD

Intermodulation distortion
Astell&Kern AK70, FiiO X5 3rd gen, iBasso DX200 - IMD

Stereo crosstalk
Astell&Kern AK70, FiiO X5 3rd gen, iBasso DX200 - Crosstalk
RightMark Audio Analyzer 6.0

Der Showdown
Den Ersteindruck gewinnt der große iBasso DX200 klar für sich. Das setzt allerdings voraus, dass der Nutzer sich mit einem so großen und schweren Gerät anfreunden kann. Als kleiner Begleiter, den man immer in der Tasche hat, ist er etwas zu unhandlich. Dennoch begeistert der DX200 schon bei der Verpackung, die bei Astell&Kern und Fiio eher funktional ausfällt. Auch freut man sich über die hochwertige Lederhülle, die beim X5 III billiger wirkt und beim AK70 komplett fehlt. Das tolle USB-C Kabel rundet den Lieferumfang ab.
Haptisch fällt der Fiio X5 III etwas hinter die Konkurrenz. Die Präzision vom Lautstärkeregler ist nicht auf gleichem Niveau, was aber fast schon gezwungene Kritik ist. Insgesamt ist die Verarbeitung von allen hier vorgestellten Geräten sehr hochwertig. Keines der drei Displays kann mit dem eines besseren Smartphones mithalten, was aber auch völlig OK ist. Der Akku ist ebenfalls für alle Geräte ausreichend groß.
Sinnvolle Funktionen wie Crossfeed oder parametrischer EQ fehlen standardmäßig bei allen Geräten. Bei Fiio und iBasso lässt sich durch nachträgliche Installation weiterer Apps nachhelfen. Das Android 5.1 OS vom X5 III wirkt jedoch weniger ausgereift und die original Fiio Musik-App ist für echte Musikliebhaber überraschend wenig optimiert. Auch der schwere Zugang zur externen Speichererweiterung und die nervige Status-LED nerven im täglichen Gebrauch.
Der iBasso DX200 zeigt sich als absoluter Feingeist der die Musik herrlich unverfälscht reproduziert und an die Kopfhörer übergibt. Die ebenfalls hervorragende Technik wurde beim X5 III nicht fehlerfrei umgesetzt und weist im äußersten Extremfall Schwächen auf, die durch hohe Lautstärke allerdings anders orientiert zu vernachlässigen sind. Der X5 III ist ambitioniert, erreicht aber nicht das Referenzniveau. Der AK70 enttäuscht leider etwas in technischer Hinsicht in Anbetracht des verlangten Preises. Schwächen werden allerdings gut kaschiert und auch die schöne UI und das Design lenken vielleicht vom eher durchschnittlichen Sound ab.

iBasso DX200 DAP Campfire Audio Andromeda

Fazit
Gerade schon grob miteinander verglichen, muss man an dieser Stelle nochmal die vor allem preislichen Unterschiede der drei Testgeräte hervorheben. Dass der DX200 z.B. als bestes Gerät hervortritt, ist in Anbetracht des Preises vielleicht nicht eine Voraussetzung, so aber doch auch etwas beruhigend zu sehen. Im folgenden versuche ich nun die Idealanwender herauszuarbeiten.

Astell&Kern AK70
Wenig überraschend orientiert sich der AK70 weniger an Technik-Nerds, sondern versucht ein attraktives Gesamtpaket abzuliefern. Buzzwords sind alle da: HD hier, Hi-Res da, DSD mit bis 128-facher CD Auflösung, usw. Tatsächlich ist der eigentliche Klanggewinn gegenüber eines der besseren iDevices verschwindend gering – vorausgesetzt man kann auf HD verzichten. Der Sound ist aber dafür etwas heller und analytisch neutraler. Außerdem ist es ein schönes handliches Gerät, das auch als USB-DAC einen sinnvollen Nutzen hat. Laut kann er auch, womit natürlich die Käufer der eigenen AK-Kopfhörer (T1p, T5p) gelockt werden sollen.
Ich würde mir wünschen das Gerät wäre ein klein wenig schneller in der Menüführung und die Ausgangsimpedanz wäre noch etwas niedriger. Dann würde mir es auf jeden Fall einfacher fallen eine Kaufempfehlung auszusprechen. So beschränkt sie sich auf: „Mir ist das Smartphone nicht laut genug und neben gutem Klang ist mir das Design sehr wichtig.“ Wenn man 600 € übrig hat, dann aber gerne!

Fiio X5 III
In diesem Testbericht hat der arme Fiio mehrmals links und rechts eine von mir gewischt bekommen. Ich bin nun einmal jemand, der sich durch klare Zielführung Minimalismus wünscht und dafür bei weniger Funktionen mehr Perfektionismus erwartet. Der X5 III schlägt eher in die andere Richtung aus und bietet in der Software Quantität statt Qualität. Wer sich die Zeit nimmt, bekommt das Android-Gerät sicherlich zu seinem Vorteil optimiert und hat eine hervorragende technische Grundlage. Wenn man auf hochsensible Inears verzichten kann, bekommt man für 450 € sehr viel Leistung. Nur bekommt man sie leider nicht auf einem Silbertablett serviert und die Fiio Musik-App empfehle ich nicht. Mit zwei microSD-Schächten bietet der X5 übrigens insgesamt den meisten Speicherplatz.

iBasso DX200
Wieviel darf ein DAP kosten? Bis zu 900 € anscheinend. Kritik wie z.B. am Display habe ich aufgeführt. Für den Musikkonsum müssen allerdings keine Abstriche gemacht werden. Der DX200 ist alles: Transparent, unverfälscht, räumlich, hochauflösend, usw.
Der „Idealkunde“ ist kompromisslos, stellt aber auch hohe Anforderungen basierend auf dem Preis. Er möchte auch das Gefühl haben ein Premium-Gerät zu kaufen. All das bietet der DX200. Die Verpackung ist zu schade, um in den Schrank geräumt zu werden; das Verbindungskabel trägt man gerne bei sich und täglich überlegt man ob man ihm die Lederhülle anziehen möchte oder nicht – attraktiv ist er mit und ohne.
Wenn man weiß, dass man lieber sehr laut Musik hört, dann kann man die Verstärkereinheit selber austauschen und bestellt sich das AMP3-Modul. Die Modularität ist auf lange Sicht auf jeden Fall ein großer Vorteil, soll es doch bald schon die 4. Option geben. Mit dem AMP1 war ich als hauptsächlicher Inear-Anwender bereits vollends zufrieden.

Klaus

Über

Als anerkanntes Mitglied des HiFi-Forums blickt Klaus auf jahrelange Kopfhörer-Erfahrung zurück. Durch enge Kontakte zur Szene, war er bereits vielfach als Mediengestalter für die Branche tätig. Auch als Autor und Fotograf ist er kein unbeschriebenes Blatt - so mussten sich bereits unzählige Kopfhörer, Inears und Verstärker seinem kritischen Urteil unterziehen.

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