Shanling M0

Shanling M0

Der Shanling M0 ist der neueste und kleinste sogenannte Digital Audio Player (DAP) der chinesischen Firma Shanling aus Shenzhen. Seine Merkmale sind eine sehr kompakte Größe, die Wiedergabe von HD Audio, vorbildliche Konnektivität über Bluetooth in beide Richtungen, ein Touchscreen und vor allem der günstige Preis von ca. 99 € (Amazon oder hifi passion). Allerdings enthält der Preis keinen Speicherplatz. Dateien können ausschließlich auf externe Speichermedien abgelegt und ausgelesen werden. Für diesen Testbericht wurde eine SanDisk Ultra 400GB microSDXC verwendet.

Durch die Verfügbarkeit in fünf Farben, wie z.B. Violett, Blau und Rot, erinnert der kleine M0 an eine etwas dickere Version des ausgestorbenen Apple iPod Nano. Wir haben uns den Shanling im unauffälligen Schwarz besorgt und testen ihn vor allem in Hinblick auf die uns besonders wichtige HiFi-Tauglichkeit. Diesbezüglich bietet der kleine DAP Unterstützung von Audiodateien bis 32 Bit 384 kHz und auch DSD. Auch die Möglichkeit ihn als externen DAC über USB zu verwenden ist vorhanden. Doch damit nicht genug: Der M0 kann auch als Quelle für andere externe DACs dienen. Bluetooth 4.1 rundet das Gesamtpaket ab.

Design und Verarbeitung
Das Gehäuse des Shanling M0 ist aus Metall und kommt mit attraktiven abgerundeten Ecken daher. Leichte Kanten entlang der langen Seite zeugen von hoher Fertigungsqualität und verleihen dem Schmuckstück eine leicht markante Note ohne dass die Haptik darunter leidet. Der quadratische Touchscreen ist abgerundet und führt den Stil des Designs fort. Zur Orientierung der Ausrichtung dient das oberhalb an der rechten Seite platzierte Klickrad. Dieses dient zur Lautstärkeregelung mit feiner Rasterung und auch als Einschaltknopf.
Der microSD-Kartenslot befindet sich auf der linken Seite. Gepflegte Männerhände werden etwas Schwierigkeiten haben die Sprungrasterung zu lösen, da sie etwas schwer mit dem Fingernagel zu erreichen ist. Sitzt die Karte jedoch einmal fest im Gerät, gibt es auch keinen triftigen Grund die Halterung auszuhebeln. Die Dateien können über das mitgelieferte USB-Kabel vom Typ C übertragen werden; Dies allerdings nur über USB 2.0 Geschwindigkeit (maximal 40 MB/s, realistisch weniger).
Im Gehäuse ist ein 629 mAh kleiner Akku verbaut, der bis zu 15 Stunden Musik abspielen können soll. Im Test hat er die Marke von 10 Stunden Wiedergabe immerhin erreicht, allerdings hängt der Wert auch stark von der notwendigen Leistung für Kopfhörer und vor allem der Beleuchtung des Displays ab. Auch im Standby verliert der Akku an Kapazität, wenn auch wesentlich langsamer.
Das Display erreicht in der Diagonalen keine 4cm und fällt natürlich entsprechend klein aus. Mit einer Auflösung von 240 x 240 Pixel werden lediglich 240 DPI erreicht, was in etwa Smartphones von 2009 entspricht. Auch kann das Display nicht mit Farbtreue, Kontrast oder Blickwinkel überzeugen. Dennoch sind Texte gut lesbar. Leider fehlt eine automatische Helligkeitsanpassung, so dass man sich entscheiden muss, ob man tagsüber lieber im Sonnenlicht etwas erkennen können oder nachts im Dunkeln nicht erblinden möchte. Was mich auch etwas irritiert, ist, dass das Display bei der Darstellung von Albumcovern an jeder Kante etwas abschneidet. Den Grund hierfür habe ich noch nicht gefunden.

Shanling M0

Handhabung und Bedienung
Statt wie viele der erhältlichen Player setzt Shanling mit dem M0 nicht auf Android sondern hat sich für eine eigene Bedienoberfläche namens TouchOS entschieden. Diese UI gleicht in Optik und Grundgerüst jenen, die auch bei anderen Geräten wie z.B. Hidizs eingesetzt werden, deshalb ist schwer zu sagen wie groß der Einfluss und die Kontrolle seitens Shanling tatsächlich ist. Hier werden offensichtlich Ressourcen gespart und geteilt. Dennoch ist die Navigation intuitiv und auch mit ausgewählter deutscher Sprache sind alle Menüpunkte verständlich und nachvollziehbar. Multi-Touch wird nicht erkannt und etwas Übung ist aufgrund des kleinen Displays nötig. Gelegentlich wird das Display in verschiedene Zonen aufgeteilt, so dass z.B. das rechte Drittel schneller oder per Buchstabe abrollt. Das Halten des Fingers auf dem Display sorgt dafür, dass man von jeder Ansicht nach 3 Sekunden zum Hauptbildschirm zurück gelangt. So kleinere Kniffe werden nicht ausführlich erklärt, lassen sich aber gut erlernen.
Unterstützt wird der Touchscreen vom Klickrad. Das Drehen am Rad verändert ausschließlich die Lautstärke. Der Klick kümmert sich ums Power-Management (Ein- und Ausschalten, Standby, Hintergrundbeleuchtung), kann in den Einstellungen jedoch zusätzlich um einen Doppelklick erweitert werden. Ich habe mich über die Option von Play/Pause gefreut, doch auch der Sprung zum nächsten Titel kann für Freunde von randomisierter Abspielreihenfolge von Vorteil sein.
Damit die Menünavigation problemlos funktioniert, müssen zuerst alle Tags der Musikdateien unter den Einstellungen ausgelesen werden. Dies kann unter Umständen etwas dauern. Bei 200 GB (über 6.000 Titel) im Lossless-Format hat dies im Test über eine halbe Stunde gedauert. Leider legt sich der Shanling keine imaginäre Kopie im Speicher ab, so dass bei neuer Musik alle Dateien noch mal von vorne registriert werden anstatt nur jede, die sich verändert haben. Unter dem ersten Menüpunkt „Meine Musik“ können dann auf die einzelnen Titel, Genres, Alben oder Interpreten zugegriffen werden. Ein mittelschwerer Patzer ist, dass dabei nicht nach Albuminterpret sortiert wird, sondern ausschließlich nach Titelinterpret, was viele Alben auseinander pflückt – zumindest wenn ein Gastinterpret ordentlich im ID3-Tag vermerkt ist. Playlists können angelegt aber nicht importiert werden. Zum schnellen Wiederfinden eignet sich ein leichter Druck aufs Herzsymbol mit dem Lieblingstitel unter „Favoriten“ abgelegt werden. Die Dateien dürfen allerdings nachträglich nicht umbenannt oder verschoben werden, sonst müssen sie manuell aus der Liste gelöscht und neu hinzugefügt werden. Wesentlich praktischer finde ich es deshalb den ersten Menüpunkt zu ignorieren und stattdessen ausschließlich über „Ordner“ zu navigieren. Durch den eingeschränkten Platz auf dem Display sind Ordnernamen leider nur selten vollständig zu lesen. Ein Wisch von rechts nach links über den Ordnernamen lässt diesen durchscrollen und in Vollständigkeit lesen, was für jede Zeile jedoch etwas unpraktisch ist. Ich empfehle deshalb dringend eine gute Struktur mit mehreren Unterordnern anzulegen. Durch die starke Limitierung der Zeilen, habe ich mich als erstes für eine grobe Einteilung nach Genre entschieden (Blues & Jazz, Classical & Soundtrack, Electronic, Rock & Alternative, Metal, Vocal & Pop). Danach folgt ganz klassisch: Albuminterpret, Albumtitel, Titelnummer und Titelname. Damit finde ich nicht nur einen bestimmten Titel relativ schnell, sondern diese Art der Darstellung erlaubt mir auch das Stöbern je nach Laune, weshalb ich diese Struktur gerne empfehle.
Größere Geräte bieten den Vorteil einer übersichtlicheren Darstellung und vor allem auch die Ansicht mit Bildern. Darauf wird beim M0 aus Platzgründen verzichtet. Das Albumcover wird erst dargestellt, wenn der entsprechende Titel angelaufen ist. Von dort kann man Titel Pausieren und überspringen. Durch einen weiteren Wisch über das Display gelangt man zu mehr Optionen, wie z.B. die Dateiinformationen abzurufen oder einen manipulierbaren Fortschrittsbalken mit dem man an eine bestimmte Stelle des Liedes springen kann. Noch eine Darstellung weiter, kann man Liedtexte aus dem ID3-Tag auslesen.

Shanling M0 qdc Gemini

Firmware Updates
Ausgeliefert wurde der M0 mit der Firmware-Version 2.0. Kurz zuvor erschien Anfang Juli das Update auf 2.1, das ich kurz danach aufgespielt habe. Per Drag ’N Drop legt man die entsprechende Binary-Datei ins Root-Verzeichnis und wählt danach in den Einstellungen den Unterpunkt „Firmware-Update“. Seit mittlerweile fast 1,5 Monaten ist kein weiteres Update erschienen. Von FiiO ist man in dieser Hinsicht hochfrequentere Verbesserungen gewohnt, allerdings läuft das TouchOS von Shanling meiner Erfahrung nach auch stabiler und benötigt weniger Wartung. Anfangs hatte ich jedoch unabhängig von der Firmware massive Probleme mit der Navigation. Zu oft ließ sich der DAP von einem Autopiloten steuern, hat die Touchbedienung falsch gelesen oder erst extrem stark verzögert erkannt und schließlich in Kette ausgeführt, was in Kombination zum totalen Chaos geführt hat. Ich habe mich mit einem Video an Shanling gewendet, die das Problem nicht kannten und einen Austausch angeboten haben. Seit nunmehr einigen Wochen sind diese Probleme nach einem kleinen Aufprall auf den Boden jedoch nicht mehr aufgetreten. Wenn ich dem M0 zwei Sekunden nach dem Aufwachen aus dem Standby Zeit gebe, erkennt er meine Gesten so wie erwartet.

Bluetooth
Ein für Shanling wichtiges Feature mit dem M0 ist die großzügige Ausstattung mit Bluetooth-Receiver und Transmitter. D.h. der M0 kann über Bluetooth in beide Richtungen kommunizieren. Als Empfänger lässt sich der M0 z.B. mit einem Smartphone koppeln. So werden HiFi-Kopfhörer zumindest teilweise kabellos, falls man das Kabel unters Shirt legt und den M0 in die Hosentasche steckt. Ebenso wird einem auf diesem Wege geholfen, wenn das Quellgerät gar keinen Kopfhöreranschluss hat.
In die andere Richtung kann der Shanling die komplette Musikbibliothek ans Autoradio übertragen. Natürlich hat Shanling dabei natürlich in erster Linie an den Trend zu immer mehr kabellosen Kopfhörern gedacht. Deswegen hat der M0 auch LDAC, Sonys proprietären Bluetooth-Codec an Bord. Außerdem werden neben SBC auch aptX (HD) und AAC unterstützt.

Der D/A-Wandler
Im Shanling M0 ist ein Sabre es9218p DAC-Chip von ESS Technology verbaut. Dieser arbeitet nativ mit einem Vielfachen von 48 kHz und unterstützt PCM mit Abtastraten bis 384 kHz und Bittiefen bis 32 Bit, was mehr als genug für alle kommerziell erhältlichen Formate ist, die üblicherweise selten 192/24 überschreiten. Über den Codec muss man sich dabei keine Gedanken machen. Ob FLAC, ALAC, WAV, AIFF, WMA oder sogar AC3 und DTS ist dem Gerät egal. Auch kann er verlustbehaftete Formate wie MP4, MP3 oder OGG dekodieren. Zu meiner Freude liest der M0 problemlos CUE Sheets.
Auch mit dem eher unpraktischen Medium von DSD kann der Shanling umgehen. Der M0 kann allerdings keine ISO-Dateien lesen, sondern die Musik muss in Stereo als DSF oder DFF vorliegen. ESS Technology gibt Kompatibilität bis DSD256 an, wohingegen Shanling die Wiedergabe „nur“ bis DSD128 gewährleistet. (Üblicherweise geht man von DSD64 aus wenn man nur von DSD spricht.) Die ID3-Tags konnte das Gerät in meinem Test nicht auslesen.
Wird der Shanling über USB angeschlossen, hat man die Wahl auf die microSD-Karte zuzugreifen oder den M0 als externen DAC zu verwenden. Am iPhone wollte der M0 allerdings nicht als DAC dienen, da der Stromverbrauch für iOS zu hoch sei. Für einen Laptop ist der M0 jedoch eventuell eine willkommene Option.

Der Kopfhörerverstärker
Für uns ist vor allem der verbaute Kopfhörerverstärker (KHV) interessant, der ebenfalls vom es9218p Chip übernommen wird. Dessen Ausgangsspannung fällt mit 1,6 Vrms überraschend hoch aus. Übersteuerung bleibt sogar bei voller Leistung aus. Wer nicht die volle Leistung braucht, kann in den Einstellungen auf „Low Gain“ schalten und das Rauschniveau noch weiter verringern. Somit wird Grundrauschen auch mit empfindlichen Inears unhörbar. Für den Anschluss an einen analogen Verstärker dient der 3,5mm-Kopfhörerausgang auch als Line-Out ohne regelbare Lautstärke.
Wir freuen uns besonders über die geringe Ausgangsimpedanz, die ungewünschte Verbiegungen im Frequenzgang, wie sie andernfalls bei vielen Inears auftreten, verhindert. Gemessen haben wir vorbildliche 0,17 Ohm.

Shanling M0 qdc Gemini

Sound
Weder der D/A-Wandler noch der KHV machen irgendwelche Fehler. Somit ist der Klang unauffällig und weist keinen auffälligen Eigencharakter auf. Der Shanling M0 spielt linear und hat abseits der digitalen Filter weder eine helle noch eine dunkle Klangfarbe. Jede Soundbeschreibung würde unmittelbar zur Beschreibung des verwendeten Kopfhörers führen.
Gerade im Zusammenspiel mit Inears und leicht anzutreibenden Kopfhörern macht der M0 als extrem transportables Gerät eine sehr gute Figur. Am DT 1350 und HD 660 S sorgt die Kombination mit dem Chord Mojo für etwas satteren Sound, doch die Unterschiede sind äußerst gering und fallen nur im Direktvergleich auf. Im Vergleich zum Chord Hugo 2 kann der M0 wiederum mit leiserem Rauschen punkten, wohingegen echte Schwergewichte der Kategorie Audez’e LCD die maximale Power vom Hugo 2 gebrauchen können, die der kleine Shanling dann einfach nicht mehr liefern kann.

Messungen
Wie schon kurz angeschnitten erfreut der kleine Shanling mit vorbildlichen Messwerten. Die Ausgangsimpedanz haben wir auf 0,17 Ohm bestimmt – damit zählt der M0 zu den Besten. Erstaunlich ist auch die ordentliche Ausgangsspannung von 1,6 Vrms, was ein gutes Stück mehr ist, als handelsübliche Smartphones leisten.

Rauschen
Trotz des ordentlichen, maximalen Pegels liefert der Shanling M0 beachtliche Ergebnisse in der Rausch-Messung. Mit einem Grundrauschen von nur -110,41 dBu lässt der DAP sogar den ADI-2 Pro bzw. den Phones Out des ADI-2 DAC 2 dB hinter sich. Eine Dynamic Range Messung bestätigt das Ergebnis; also wird hier nicht in etwa durch ein Noise Gate getrickst.

Shanling M0 Residual Noise
Residual Noise, 524288 FFT Points

Harmonische Verzerrungen (THD)
Shanling M0 THD
THD 1 kHz 0 dBu 30 Ohm, 131072 FFT Points

Obiges Diagramm zeigt das Spektrum des Shanling M0 bei der Wiedergabe eines 1 kHz Ton bei 0 dBu, während er einen 30 Ohm Widerstand antreibt. Die THD belaufen sich dabei auf -86,4 dB, was ungefähr 0,0048 % entspricht. Rekorde bricht der DAP damit sicher nicht, dennoch bewegt er sich damit komfortabel außerhalb des hörbaren Bereichs.

Bei maximaler Ausgangsspannung im High Gain Modus zeigt sich folgendes Bild bei gleichem Messaufbau:

Shanling M0 THD
THD 1 kHz 6,5 dBu 30 Ohm, 131072 FFT Points

Selbst voll aufgedreht zeigt der M0 niedrige THD von -82,9 dB bzw. 0,0071 %. Hierbei liefert er 1,64 Vrms bzw. 6,52 dBu an 30 Ohm, was angesichts der kompakten Bauform eine absolut ordentliche Leistung ist.

Alltagsanwendung
Bei mir persönlich sieht die Verwendung des Shanling M0 im Alltag wie folgt aus. Zum einen dient der M0 als Speichermedium indem mein iMac über USB Zugang zur microSD Karte hat, die somit im Prinzip als externes Laufwerk dient. Der Zugriff läuft hauptsächlich über JRiver Media Center mit dem ich alle Audiodaten verwalten und organisieren kann. Die Ausgabe erfolgt am Schreibtisch über den RME ADI-2 DAC und seltener über den Chord Hugo 2. Dateien mit Abtastraten über 96 kHz habe ich nur aus Testzwecken und 88,2 oder 96 kHz behalte ich sonst nur nachdem ich die HD Files mittels XiVero MusicScope ausgelesen und als wirklich hochwertig bewertet habe. Somit reichen auch 400 GB für eine sehr umfangreiche Bibliothek, die komplett im Inneren des Shanling aufbewahrt bleibt. Am Mac muss ich nur einmal die Eject-Taste auf dem Keyboard drücken und kann den M0 damit sicher entfernen. Ab dann dient der Kleine als DAP und versorgt mich unterwegs mit Musik – mit exakt der gleichen Bibliothek wie am Desktop. Als Freund von Inears ist die Power dreifaches Overkill und gerade am kritischen unteren Ende habe ich keinerlei Beschwerden bezüglich Ausgangsimpedanz und Grundrauschen. Auch die Lautstärke ist in den untersten 10% präzise genug.
Sollte ich doch mal einen größeren Kopfhörer im Gepäck haben oder möchte auf einer Messe auch hungrige Magnetostaten testen, schließe ich über ein kurzes Kabel einen Chord Mojo oder Hugo 2 an. Somit wird quasi jeder externe DAC/KHV zu einem DAP. Der Anwendungsbereich des M0 ist also extrem vielseitig und ich habe meine gesamte Audiokette um das kleine Gerät herum gebaut.
Zur alltäglichen Verwendung gehören natürlich auch ein paar negative Erfahrungen. So habe ich – wie bereits erwähnt – wochenlang massive Probleme mit der Steuerung gehabt. Die UI wollte meine Berührung auf dem Touchscreen nicht genau lesen und hat getan worauf es selber Lust hatte. Nach einem kleinen Sturz auf dem Boden hat sich die Situation extrem verbessert und der Auto-Pilot schaltet sich nur noch extrem selten ein und das obwohl ich das kleine Gerät weiterhin extrem viel verwende. Dennoch – oder gerade deswegen – bleiben eine Hand voll Wünsche offen.

Verbesserungsvorschläge
Verbessern könnte man meiner Meinung nach das Scrollen. Man kann bei der Listenansicht der UI zwar einen Anstoß geben, so dass sie durch die Beschleunigung der Geste mehrere Seiten weiter blättert, doch um präzise von Ordnern mit A beginnend zu P zu springen, benötigt einfach etwas Zeit. Wie bereits erwähnt, unter dem Menüpunkt „Meine Musik“ ist es möglich zu Buchstaben zu springen, in der Ordneransicht jedoch nicht. Generell könnte die Benutzeroberfläche etwas flüssiger sein. Funktional ist sie trotzdem.
Auch würde ich mich über das Laden benutzererstellter EQ-Presets freuen. Es gibt eine Vorauswahl, die für einen echten Hifi-Freund jedoch ziemlich nutzlos ist, wenn er eine bestimmte Schwäche des Hörers auskorrigieren möchte. Dieses Feature ist übrigens angekündigt und soll in eine der späteren FW-Updates enthalten sein. Zukunftsweisend wäre die Unterstützung von Impulsdateien, die mittels Faltung exakte Korrekturen vornehmen würden. Mit diesem Wunsch bin ich jedoch wahrscheinlich ein paar Jahre zu früh.
Klasse wäre es, wenn man über eine App via Bluetooth auf den Inhalt der microSD Karte zugreifen könnte. Wären Smartphone und Shanling erst einmal gekoppelt, könnte man so den M0 bequem über eine moderne UI steuern. Leider ist in dieser Richtung nichts angekündigt.
Leider fehlen Anwendungen und auch ein WLAN-Modul für Streaming-Dienste wie Spotify, Tidal, Qobuz und Apple Music. Diese je auf dem neuesten Stand zu halten und überhaupt wirklich anbieten zu können, ist nicht nur unwirtschaftlich, sondern teilweise unmöglich. Dafür hat der M0 ja Bluetooth an Bord und lässt sich mit einem Smartphone – das sowieso jeder hat – paaren. Aber auf die Wunschliste darf ich die offizielle Unterstützung für Streamingdienste trotzdem setzen.
Auch wenn der Touchscreen und die Schrift klein sind, kann ich mich daran jedoch gewöhnen. Natürlich wären ein hochauflösenderes Display mit kleinerer Schrift hilfreich. Dies ist natürlich eine Preisfrage. Unser Einer ist vermutlich gewillt etwas mehr für diesen Luxus zu zahlen und gerade bei der intensiven Verwendung wie bei mir wären das locker noch 50 – 100 € wert gewesen. Wirkliche Kritik ist das unter diesem Gesichtspunkt jedoch nicht.

Shanling M0 RME ADI-2 DAC

Fazit
Kaufen. Gerne würde ich das Fazit so kurz belassen. Klar, der Shanling M0 ist nicht perfekt und nicht das datentechnisch audiophile High-End-Nirwana, aber realistisch betrachtet braucht man nicht viel mehr, es sei denn man investiert gerne in besonders hungrige Kopfhörer. Unterwegs kann ich aktuell aber kein preiswerteres Gerät empfehlen.
Die Verarbeitung ist tadellos, die Bedienung funktional, das Touchdisplay ausreichend und der Formfaktor absolut genial! Durch die Bluetooth-Konnektivität schmerzt es nicht mehr, dass man sich mit Smartphones von der Klinke verabschiedet hat und auch an zukünftige hifi-taugliche Bluetooth-Kopfhörer wurde gedacht. Der „echte“ Audiophile wird ebenso bedient: DSD und HD Dateien werden ohne Zicken abgespielt und die absoluten Goldohren wählen sich dazu noch den passenden Filter aus um das Maximum herauszuholen. Wichtig sind jedoch hauptsächlich die niedrigen Verzerrungen und der insgesamt hohe Rauschabstand.
Wir reden hier von 99 € und die Einsatzmöglichkeiten sind extrem vielfältig. Es gibt absolut keinen Grund keine Kaufempfehlung auszusprechen. Wer einen günstigen DAP sucht, der kann hier ohne Weiteres zugreifen. Bevor ich das Haus verlasse ist nun ein vierter Kontrollgriff an die Jacken- und Hosentaschen hinzugekommen: Handy, Schlüssel, Portemonnaie und M0.

Klaus

Über

Als anerkanntes Mitglied des HiFi-Forums blickt Klaus auf jahrelange Kopfhörer-Erfahrung zurück. Durch enge Kontakte zur Szene, war er bereits vielfach als Mediengestalter für die Branche tätig. Auch als Autor und Fotograf ist er kein unbeschriebenes Blatt - so mussten sich bereits unzählige Kopfhörer, Inears und Verstärker seinem kritischen Urteil unterziehen.

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