Sennheiser HD 660 S

Sennheiser HD 660 S

Mit dem Slogan „the Legend continues“ begrüßt Sennheiser neue Erwerber des HD 660 S. Als „legendär“ zählen hierbei insbesondere die beiden Kopfhörer HD 600 und HD 650 vom selbigem Hersteller. Beide Vorgängermodelle gelten schon seit vielen Jahren als Standardempfehlung für offene Kopfhörer im Bereich HiFi und daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Besonders der HD 650 erfreut sich sogar in den tiefsten Kreisen der HiFi-Nerds immer noch an vielleicht bisher unerreichter Popularität. Keine Überraschung, dass man an diesem Erfolg anknüpfen möchte. Aus diesem Anlass möchten wir jetzt die Scheinwerfer auf den HD 660 S richten.

Kleine Geschichtsstunde
„Die Legende wird fortgesetzt“ wäre eine naheliegende Übersetzung des beschreibenden Slogans für den HD 660 S. Blicken wir doch mal kurz auf „die Legenden“ zurück. Die sagenumwobene Sechshunderter-Reihe von Sennheiser hat ihre Ursprünge im Jahr 1993. Damals präsentierte Sennheiser den HD 580 – ein Kopfhörer, der sich extremer Beliebtheit erfreute und der sich auch heute immer noch nicht verstecken muss. Zum fünfzigsten Firmenjubiläum bekam der 580 eine Jubilee Edition, die sich hauptsächlich nur in verbesserter Verarbeitung und dem erweiterten Lieferumfang unterschied. Auf Grundlage des Jubilee wurde nur wenig später der HD 600 gebaut, der seit 1996 unverändert erhältlich ist. Erst 2003 folgte der HD 650, der als neue Referenz (den seltenen und extrem teuren Orpheus nicht berücksichtigt) dienen sollte. Ich habe selber HD 600 und HD 650 länger und nebeneinander besessen. Mir persönlich gefällt der 600er besser, da er neutraler abgestimmt ist. Dies erlaubt eine realistischere Abbildung des Mitteltons. Ein Freund hatte den HD 580 Jubilee ersteigert und die Unterschiede beschränkten sich unserer Beobachtung nach hauptsächlich auf die Materialwahl. Der HD 650 fällt mit seiner anderen Abstimmung schon mehr auf, da er versucht dem prinzipbedingt fehlenden Tiefbass mit etwas stärker angehobenen Ober- und Mittelbass auszugleichen. Auch zeigt er sich in den oberen Mitten und im Hochton insgesamt zurückhaltender, weshalb er oft „mit einem Schleier über den Stimmen“ beschrieben wird. Diese Verhangenheit brachte ihm nicht nur Fans, die auf warme Abstimmungen stehen, sondern löste einen bis heute noch andauernden Hype nach der Suche adäquater Zuspielketten aus. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass sich der berüchtigte Schleier je nach Verstärkertyp unterschiedlich stark zeigt.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den Legenden
Mit dieser für Endverbraucher zugegebenermaßen etwas umständlichen Eigenschaft, dass der HD 650 unterschiedlich auf Verstärker reagiert und sich sein volles Potential nur schwer entlocken lässt, ist jetzt Schluss. In dieser Hinsicht wurde der HD 660 S komplett überarbeitet und leiht sich den Treiber von seinem größeren Bruder, dem HD 700. Insgesamt ist der Eigenklang des HD 660 S damit nicht nur unempfindlicher, sondern spielt der neue Kopfhörer auch lauter und weist eine etwas verbesserte Impulsantwort auf.
So kommt es, dass die technische Weiterentwicklung des HD 650 tonal eher an dessen Vorgänger, dem HD 600 erinnert. Von bedeckten Stimmen ist kein Hauch zu spüren und auch gibt es keine auffällige Wärme mehr. Der HD 660 S orientiert sich wieder an Studio-Referenzen und sollte somit insbesondere Freunden von Neutralität gefallen. Verständlich, dass sich viele Anhänger des HD 650 anfänglich enttäuscht zeigen.
Erstmals zeigt sich der neue Sennheiser in einer matten schwarzen Oberfläche, die bisher in dieser Familie so noch nie zu sehen war. Der auffällige Sennheiser-Schriftzug auf der Oberseite des Kopfbandes ist verkleinert auf die linke Seite des Bügels gewandert. Die Schutzgitter der Ohrmuscheln wurden überarbeitet und haben ein kleines reflektierendes S-Logo spendiert bekommen. Gerade im Vergleich zum aus der Mode geratenen HD 600 macht der HD 660 S eine extrem gute Figur. Meiner Meinung nach ist dies mit Abstand der attraktivste Kopfhörer dieser Produktserie.

Sennheiser HD 660 S

Die Preisfrage
Der HD 660 S ist mit einer UVP von 499€ ausgeschrieben – Amazon verlangt aktuell 425€. Das mag im ersten Moment erstmal erschrecken, ist der HD 650 doch für rund 100€ weniger auf Amazon erhältlich. Der HD 600 kostet aktuell nochmal ein paar Euro weniger. Allerdings ist der Vergleich unfair, da es sich beim HD 660 S um ein brandneues Produkt handelt. Die ehemalige UVP vom HD 650 liegt nämlich bei kaum günstigeren 459€, die dank zweiten Kabel im Lieferumfang des HD 660 S fast teurer wirkt. Aktuell bieten sogar große Elektromärkte den neuesten Hörer beständig für 425€ an und man kann davon ausgehen, dass der Straßenpreis mit der Zeit noch weiter fallen wird. Gemessen an dem modernisierten Design, dem erweiterten Funktionsumfang und des vorbehaltlich verbesserten Treibers, geht der Preis absolut in Ordnung und muss sich vor der Konkurrenz auch nicht verstecken.
Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass sich dieser Tage die Website Massdrop.com extrem populär mit der Zusammenarbeit mit Sennheiser zeigt. So bietet das amerikanische Unternehmen u.a. Abwandlungen bestehender Kopfhörer an, um in einer verpflichtenden kommerziellen Abnahme vom Endbenutzer höhere Stückzahlen rabattiert anzubieten. Immer wieder kehrt der HD 650 zeitlich limitiert unter neuem Lack und kleineren kostensparenden Produktionsschritten als HD 6XX auf. Auch Freunde des etwas neutraleren HD 600 werden bedient. Der HD 58X Jubilee orientiert sich an dem Vorgänger des HD 600 und wurde zur Einführung für nur 149 USD angeboten. Auch wenn diese zeitlich limitierten „Drops“ immer wieder kehren, ändert sich der Preis ab und zu. Wenn man die Einfuhrumsatzsteuer und die längeren Warte- und Lieferzeiten berücksichtigt, relativiert sich der Preis wieder etwas. Besonders Sammlern oder jene Sennheiser-Freunde, die nicht explizit einen bestimmten Kopfhörer der Sechshunderter-Serie brauchen, sei an dieser Stelle die alternative Quelle empfohlen.

Komfort und Verarbeitung
Glücklicherweise beschränken sich die optischen Verbesserungen auf Details, denn an dem Grundgerüst der legendären Serie ist auch heute immer noch kaum Kritik auszuüben. Wie seine Vorgänger auch, zählt der HD 660 S mit zu den bequemsten Kopfhörern die ich bisher aufgesetzt habe. Zugegeben, je nach Hutumfang kann der Anpressdruck anfangs hoch sein, die Ohrpolster sind jedoch ausreichend weich und vor allem profitiert die Bügelkonstruktion von dem separierten Kopfpolster an der Unterseite des Bügels. Somit wird verhindert, dass auf der Kopfmitte Druck ausgeübt wird, worüber sich sonst erfahrungsgemäß immer wieder Leute nach einem Langzeittest beschweren.
Die Verarbeitung ist dabei tadellos. Das funktionale Design bewährt sich auch in der Haptik und Sennheiser meidet scharfe Kanten und unnötige Gelenke. So lässt sich der Kopfhörer zwar nicht platzsparend zusammenfalten, zeigt sich allerdings auch sehr unempfindlich bei der Ablage auf harten Flächen. An Material überwiegt ein hartes Plastik mit glatter Oberfläche und matter Farbe. Um abplatzenden Lack muss man sich dieses Mal nicht sorgen.

Dem HD 660 S liegen erstmals zwei Kabel bei. Etwas überraschend serviert uns Sennheiser einen bisher wenig verbreiteten Standard für symmetrische Signalübertragung: Die 4,4mm Pentaconn-Klinke nach Sony Standard. Astell&Kern haben bei ihren Geräten bisher auf 2,5mm TRRS gesetzt und im Profi-Bereich hat sich 4-Pin XLR behaupten können. Die Entscheidung für eine 4,4mm-Klinke sorgt deshalb zurecht für Verwirrung und wir haben aktuell auch noch keine Quelle, an der sich das Kabel testen lassen sollte.
Die theoretischen Vorteile einer symmetrischen Übertragung mal außer Acht gelassen, sollten die hörbaren Verbesserungen gegenüber dem ab Werk installierten Standardkabel gegen Null laufen. Dieses ist recht gut verarbeitet und die je zweiadrigen Leitungen für links und rechts verlaufen bis zur Klinke getrennt und voneinander abgeschirmt. Dass hier ungewollte Signale mit einspielen, ist sehr unwahrscheinlich und sollte somit von einem sauberen Quellgerät auch hohen Ansprüchen genügen.
Beide Kabel sind drei Meter lang, sehr flexibel und fallen gerade. Das asymmetrische Kabel terminiert in einer für HiFi üblichen 6,35mm-Klinke. Für einen Anschluss mit üblichen 3,5mm, wie z.B. die meisten Laptops oder Smartphones, liegt ein entsprechender Adapter bei.
Natürlich hätte man an dieser Stelle den Lieferumfang optimieren können. Ein standardmäßiger Anschluss für 3,5mm-Klinken wäre in Kombination mit einem aufschraubbaren Adapter auf 6,35mm universal gebräuchlicher gewesen. Auch hätte ein symmetrisches XLR-Kabel mit nur 1,5mm in meinem Anwendungsbereich mehr Sinn gemacht. Wir erachten das symmetrische Kabel allerdings für überflüssig und würden es – wenn überhaupt – lieber separat erwerben, wenn die UVP dafür niedriger angesetzt worden wäre.

Sennheiser HD 660 S

Klang
So viel zur Geschichte und allem Drumherum, aber das beantwortet noch nicht, wie sich der Sennheiser HD 660 S klanglich schlägt. Wie schon angedeutet, ist der 660 eher neutral abgestimmt und kein Frequenzbereich, grob unterteilt in Bässe, Mitten und Höhen, sticht hervor. Die eigene Klangfarbe wird auf ein Minimum reduziert, weshalb man sehr gut Unterschiede in verschiedenen Aufnahmen wahrnehmen kann. Ein paar wenige charakterliche Eigenheiten hat der HD 660 S dennoch.

Bass
Die Sechshunderter-Serie von Sennheiser ist nicht für tiefreichenden Bass bekannt. Daran ändert auch der HD 660 S nichts. Durch die komplett offene Rückseite der Ohrmuscheln ist es schwer die tieferen Frequenzen quantitativ ausreichend festzuhalten. Zwar liefert der 660 bis 80 Hz noch ausreichend Pegel, fällt unterhalb jedoch schnell ab. Bei normaler Lautstärke ist bei 35 Hz bereits Schicht im Schacht. Den höchsten Pegel erreicht der Sennheiser mit einer ganz leichten Betonung bei 120 Hz, das ihm gerade noch etwas dynamischen Punch verleiht. Die leichte Gewichtung auf Mittel/Oberbass kann den etwas fehlenden Tiefbass in der Gesamtdarstellung kompensieren.
Der Bass spielt sehr schnell, was ihm vor allem eine gute Textur gibt. Der schnellere Abklang macht sich bemerkbar und auch Verzerrungen fallen nicht auf. Es gelingt ihm zwar leider nicht die Dramatik mancher Orgeln oder Bombast-Soundtracks in vollem Umfang einzufangen, doch dafür sind einzelne Zupfer und Streicher an Bässen sehr gut auszumachen.

Mitten
Gerade im mittleren Frequenzbereich ist die Tonalität sehr entscheidend. Bei Stimmen fallen Verfärbungen sehr schnell auf und hier schlägt sich der HD 660 S glücklicherweise sehr gut. Der Sinus-Sweep deckt allerdings auf, dass bei 2 kHz etwas Pegel fehlt, der dafür bei 3-3,5 kHz etwas übermütig ist. Die Verfärbung ist noch absolut im Rahmen – wenn man aufmerksam hinhört, ist sie aber zu erkennen. Das macht sich beispielsweise darin bemerkbar, dass Stimmen weniger voll und „saftig“ klingen und deshalb trotz voller Präsenz etwas trocken erscheinen. Die Auflösung profitiert davon, doch z.B. E-Gitarren können nicht ihre ganze Kraft präsentieren und Frauengesang wird etwas Emotion geraubt. Insgesamt sind die Stimmen aber da wo sie hingehören, mittig und zentral. Weder kommt der HD 660 S als mittenbetont daher, noch versuchen Bass oder Höhen die Show zu stehlen. So kritisch ich mich auch äußere, schlussendlich bin ich dennoch sehr zufrieden mit der Leistung.

Höhen
Wie auch schon in den Frequenzbereichen zuvor, erlaubt sich der HD 660 S auch in den höheren Frequenzen keine Patzer. Der Pegel ist genau richtig um Aufnahmen realistisch wiederzugeben. Mit Resonanzen oder anderer schmalbandigen Überbetonungen hat der Sennheiser gar keine Probleme. Streng genommen hat er sogar eine leichte Absenkung im Bereich von ca. 7,5 – 8,5 kHz, die bei laufender Musik nicht negativ auffällt. Der Superhochton ist meinem Empfinden nach genau richtig dosiert.
Der Hochton spielt sehr fest, ohne die für Details wichtigen Obertöne hervorzuheben und so einen Auflösungsvorteil vorzutäuschen. Der Sennheiser bleibt hier ehrlich, was ihn damit zu einem sehr guten Begleiter für Musikfans vieler verschiedener Genres macht. Gerade in Relation zu Mitbewerbern der preislichen Mittelklasse schlägt sich der HD 660 S hier vorbildlich.

Bühne
Offenen Kopfhörern wird gerne eine große Bühne nachgesagt. Im Falle des HD 660 S fällt dies aber nicht besonders auf. Zwar sind Instrumente gut gestaffelt und sauber voneinander getrennt, der aufgespannte Raum wirkt jedoch zumindest nicht überdimensioniert breit. Vermutlich wegen etwas fehlender Bassautorität entsteht nicht der Eindruck eines tiefen Raumes. Auch sind Stimmen eher zentral und relativ nah am Kopf platziert. Dennoch ist die Bühne für sich betrachtet sehr homogen. Bei Videospielen vermisst man ohne Nachhilfe von DSP jedoch etwas Surround-Feeling. Als Gaming-Kopfhörer – eine stetig wachsende Nachfrage – eignet sich der HD 660 S deshalb nur bedingt.

Sennheiser HD 660 S iPhone

Matchability
Als große Verbesserung bewirbt Sennheiser den erhöhten Wirkungsgrad des HD 660 S. Tatsächlich erreicht der Kopfhörer bereits mit meinem iPhone 6S Plus bei populärer Musik mehr als ausreichende Lautstärke. (Bei mir steht der Regler auf etwa 60%.) Etwas umständlich ist, dass man dafür den beigelegten Adapter auf 3,5mm-Klinke verwenden muss. Fans von hoch dynamischen Klassikaufnahmen werden aber ohne separaten Kopfhörerverstärker langfristig nicht glücklich werden. Auch (wieder über Adapter) klingt der Sennheiser direkt am aktuellsten iMac – wie auch für Laptops stellvertretend am Macbook Pro – besser als nur befriedigend. Tendenziell etwas verwaschen im Hochton, aber auch für hohen Musikgenuss noch ausreichend gut – ganz zu schweigen als Begleiter von YouTube-Clips o.ä.
Etwas übertrieben erscheint das Zusammenspiel mit dem Chord Hugo 2. Hier bekommt der Kopfhörer zu viele Leistungsreserven, die er selbst bei sehr hohen Lautstärken nur bis zu 25% verwenden kann. Das Klangbild wirkt zugegebenermaßen etwas fester und kraftvoller, allerdings ist der Zugewinn relativ gering. Negativ ausgedrückt tun sich keine neue Sphären auf; positiv formuliert hat Sennheiser absolut Recht behalten und der HD 660 S stellt keine allzu hohen Forderungen an den Kopfhörerverstärker. In vielen Fällen wird ein Tablet o.ä. ausreichen. Dabei gilt es zu beachten, dass der Basspegel steigt je höher die Ausgangsimpedanz vom Quellgerät ist. So lassen sich beispielsweise an 100 Ohm Ausgangsimpedanz 2,2 dB bei 100 Hz gewinnen. Auch wenn mir der Sound bei nahezu 0 Ohm am besten gefällt, kann dies vom Benutzer gezielt nach persönlichem Geschmack eingesetzt werden. Wer keine hörbaren Klangveränderungen riskieren möchte, sollte den Sennheiser an maximal 38 Ohm betreiben.

RME und Equalizer
Am RME ADI-2 Pro / DAC profitiert der HD 660 S vor allem vom integrierten parametrischen Equalizer, mit dem sich der Kopfhörer mit nur 4 Korrekturpunkten nahezu vorbildlich linearisieren lässt. Vor allem der Bass erfreut sich an einem kleineren Eingriff. Wenn man allerdings versucht die Bass-Quantität bis in die tiefsten Register auszukorrigieren, zeigen sich die technischen Grenzen. Wer 10 dB bei 20 Hz anhebt, kann ab einer erhöhten Lautstärke den Treiber sehr deutlich knacksen hören. Ich empfehle daher die Korrektur erst ab 40 Hz vorzunehmen. Die leichteren kosmetischen Veränderungen in den Mitten und im Hochton, wie in der Sound-Beschreibung angedeutet, fallen verhältnismäßig sehr gering ins Gewicht. Das zeigt wie tonal richtig der HD 660 S schon im Urzustand spielt. Ganz leicht lebendigere Stimmen und voluminösere Beckenschläge lassen sich jedoch noch herausholen. Wie beim Chord auch, weitet das Crossfeed optional die Bühne auf. Nebenbei sei erwähnt, wie gut die Geräte von RME optisch zu dem Sennheiser passen – zumindest wenn die Anniversary Edition des Pro oder der ADI-2 DAC den Schreibtisch zieren. Die schwarzen RME und der Sennheiser könnten fast von der gleichen Produktionskette kommen.

Vergleiche
Preislich oberhalb angesetzt, trifft der Sennheiser u.a. auf dem Beyerdynamic DT 1990 Pro. Ein Studio-Kopfhörer, der auch angibt neutral zu sein. Beide Kopfhörer sind makellos verarbeitet und sitzen ähnlich bequem auf dem Kopf. Einen leichten Vorteil gewinnt der HD 660 S durch geringeres Gewicht und dadurch, dass das Kopfpolster nicht die Kopfmitte berührt. Sound-technisch liefert der Beyerdynamic ein mittelstarkes Wow-Erlebnis ab, für das vor allem der tiefreichende Bass sorgt, der mit den A-Pads auch nicht übertrieben dargestellt wird. Stimmen klingen dafür etwas blutleer und besonders weibliche Stimmen klingen etwas zu schrill. In oberen Mitten und unterem Hochton neigt er leider zum Übertreiben (mit beiden Pads, aber noch stärker mit den B-Polstern), was auf Dauer extrem anstrengend wird. Hier lehrt der HD 660 S, dass Linearität nicht unbedingt analytisch oder steril klingen muss. Für den DT 1990 Pro ist das Schade, denn der sehr schnelle und feste Treiber birgt eigentlich hohes Potential. Im Langzeittest muss er sich aber klar geschlagen geben, denn auch der HD 660 S kann Mikrodetails aufdecken, schlägt sie dem Benutzer jedoch nicht ins Gesicht.

Schwächen vom HD 660 S offenbaren sich, wenn man bereit ist etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Im Vergleich zu anderen Kopfhörern enttäuscht immer wieder der anämische (Tief-)Bass. HiFiMAN liefern mit dem HE-560 einen Magnetostaten der Sonderklasse. Die Preise variieren ständig, doch die UVP die einerseits mit dem HD 800 konkurrierte, wird mittlerweile nicht mehr aufgerufen. Zeitweise war der Chinese sogar für den gleichen Preis wie der HD 660 S verfügbar. Das schwerere Gewicht ist ein leichter Wermutstropfen für eine technische Meisterleistung. Der Bass spielt sauber und fest bis in die untersten Register. Stimmen klingen etwas heller als beim Sennheiser aber fügen sich homogen in den ausgewogenen Hochton ein. Die aufgespannte Bühne ist ein Vielfaches größer als beim Sennheiser. Der HE-560 versteht sich hier stellvertretend für eine größere Auswahl an Magnetostaten, wobei wir aber der Meinung sind, dass sich der HE-560 als besonders empfehlenswert erweist, insbesondere Dank der neuen Preispolitik.

Und wie platziert sich der HD 660 S innerhalb der eigenen Familie? Tieferer Bass und nicht so mitten-zentriert wie der HD 600; kein Mittenschleier wie beim HD 650. Dazu ist er noch einfacher anzutreiben, bietet schnellere Attacke und ist optisch der attraktivste seiner näheren Verwandten. Gegenüber den größeren Onkeln HD 700 und HD 800 kann er tatsächlich noch mit realistischerer Abstimmung punkten. Beide teurere Kopfhörer meinen es etwas zu gut im Hochton und verlieren dadurch an überzeugenden Timbre. Zudem ist besonders der HD 700 mit Schärfe kaum über längere Zeit zu ertragen. Deutliche Verbesserung zeigt sich erst mit dem HD 800 S, der mit extrem hoher Auflösung, riesiger Bühne und erhabener Leichtigkeit den HD 660 S in fast allen Belangen in die Schranken weist. Hier sei allerdings auf die Preisdifferenz von 1.100€ zum Vorteil vom HD 660 S hingewiesen.

Sennheiser HD 660 S

Fazit
Wie der HD 600 und der HD 650 auch, ist der neue HD 660 S ein sehr gelungener HiFi-Kopfhörer für den Heimbereich. Die Überarbeitung und kleineren Verbesserungen sind legitim und stehen der Serie gut – auch wenn der Aufpreis derzeit etwas happig wirkt. Die Entscheidung für ein beiliegendes symmetrisches Pentaconn-Kabel können wir nicht nachvollziehen, doch ansonsten gibt es wenig Anlass zur Kritik.
Sennheiser haben wieder mal einen sehr ausgewogenen und ambitionierten Kopfhörer abgeliefert, den man eigentlich blind und für fast alle Einsatzzwecke empfehlen kann. Wer allerdings bereits einen der Kopfhörer aus der Sechshunderter-Serie besitzt, kann je nach Ansprüchen auf einen Umstieg verzichten. Die Verwandtschaft ist trotz neuer Technik nicht von der Hand zu weisen.

Klaus

Über

Als anerkanntes Mitglied des HiFi-Forums blickt Klaus auf jahrelange Kopfhörer-Erfahrung zurück. Durch enge Kontakte zur Szene, war er bereits vielfach als Mediengestalter für die Branche tätig. Auch als Autor und Fotograf ist er kein unbeschriebenes Blatt - so mussten sich bereits unzählige Kopfhörer, Inears und Verstärker seinem kritischen Urteil unterziehen.

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