RME ADI-2 DAC

RME ADI-2 DAC

RME macht ernst. Nach dem Erfolg des ADI-2 Pro ergänzt der RME ADI-2 DAC das Lineup des deutschen Audio-Spezialisten. Dabei ist der DAC noch konsequenter auf die Bedürfnisse der HiFi-Kundschaft ausgerichtet – so entfallen einige Features, die für den Pro namensgebend sind. Erfreulich ist, dass der Preis des DAC um ein Drittel günstiger als der des Pro ist. Zu haben ist der ADI-2 DAC für rund 1000€ bei Thomann und vielen anderen Händlern. Auch wenn der ADI DAC heißt, verbirgt sich in der kompakten Box natürlich ein DAC samt vollwertiger Ausgangsstufe für Kopfhörer.

Geliefert wird der ADI DAC in gewohnt nüchterner Manier, verpackt ohne viel Chi­chi und Schnickschnack. Im Gegenzug zum teureren Pro findet sich auch endlich ein USB-Kabel im Lieferumfang, sodass der Betrieb am PC sofort starten kann. Desweiteren beherbergt der Lieferumfang eine Fernbedienung mit der der Pro nicht aufwarten kann. Es finden sich noch das passende Schaltnetzteil sowie ein Handbuch in der Umverpackung.

Upgrade, Downgrade, Sidegrade?
Was ist der ADI-2 DAC nun? Das kleinere Preisschild lässt zunächst ein Downgrade zum ADI-2 Pro erwarten. Und tatsächlich fehlt beim DAC der komplette Analog-zu-Digital-Part des Pro. Zudem wandelt der ADI-2 DAC nur ein Stereo Signal statt der zwei simultanen Signale des Pro. In der Konsequenz lassen sich die Kopfhörer Ausgänge des DAC nicht mit unabhängigen Signalen belegen; ebenso entfällt die Möglichkeit die Ausgänge per Adapter für ein symmetrisches Ausgangssignal zu verbinden.
Verdächtig nach Upgrade riecht die beim DAC enthaltene Fernbedienung, wohingegen der Pro sich nicht fernbedienen lässt. Zudem beherrscht der DAC die Abschaltung der Beleuchtung von Display und Tasten. Auf Wunsch schaltet sich die komplette Beleuchtung nach wenigen Sekunden ohne Eingabe vollständig ab, während sich der Pro nicht vom Leuchten abhalten lässt. Ein weiteres Indiz für ein Upgrade: Das Kürzel „FS“ hinter dem Namen des ADI-2 DAC, das für die überarbeitete Clock steht. Den neueren Baujahren des Pro kommt diese Technik allerdings ebenfalls zu Gute. Exklusives Feature des ADI-2 DAC ist der zweite Ausgang speziell für Inears. Der IEM Out bietet Anschluss für 3,5 mm Stecker und möchte vor allem durch geringeres Rauschen bestechen – das schauen wir uns natürlich noch genauer an!

RME ADI-2 DAC vs RME ADI-2 Pro

Verarbeitung und Design
Der ADI-2 DAC begrüßt einen mit RME-typisch schlichter Designsprache. Statt silber kleidet sich der DAC vollständig in schwarz und erinnert damit auf den ersten Blick an die Anniversary Edition des ADI-2 Pro. Die blauen Akzente der normalen Pro Version finden sich jedenfalls nicht mehr, sodass die Optik des DAC insgesamt noch weniger an das Studio-Equipment von RME erinnert. Ansonsten unterscheidet sich der DAC nur wenig von Pro und Pro AE. Wie gewohnt ist das Erscheinungsbild des neuen RME eher nüchtern als spektakulär; Funktion steht hier sicherlich vor Design.
Die Verarbeitung des ADI-2 DAC steht den Pro-Modellen in Nichts nach und gibt sich äußert solide und massiv. Die Anschlüsse geben sich ebenfalls solide und erwecken das Vertrauen auch nach jahrelanger Strapazierung noch ihren Dienst verrichten zu können. Perfektionisten werden anmerken, dass die Buchse des IEM Out versilbert ist, während der nebenan befindliche Phones Out vergoldet ist – Hintergrund ist, dass die von RME unter qualitativen Aspekten ausgewählte 3,5 mm Buchse schlicht nur in Silber erhältlich ist. Somit sei der optische Mismatch zugunsten der Qualität verziehen. Qualitativ hochwertig sind auch die drei an der Front befindlichen Dreh-/Druckknöpfe, die sich zudem mit angenehmem Widerstand und feiner Rasterung bedienen lassen. Einzig die vier Druckknöpfe links des Displays wirken vergleichsweise klapprig und wollen, wie auch schon beim ADI-2 Pro, nicht ganz zur sonst massiven Verarbeitung passen.
Schaltet man den ADI-2 DAC ein, begrüßt einen zunächst die vom Pro bekannte Beleuchtung von Display und Knöpfen. Anders als beim Pro findet sich beim DAC der Menüpunkt „AutoDark Mode“, der bei Aktivierung die Beleuchtung ausschaltet, sofern 10 s lang keine Eingabe erfolgt. Das Display des RME bietet drei verschiedene Modi, in denen jeweils unterschiedliche Informationen geboten werden. Unter anderem lässt sich so das Spektrum des Ausgangs visualisieren oder dessen Status überwachen. Fühlt man sich durch das Gezappel der Anzeigen gestört, bietet der sogenannte Dark Volume Modus eine dunkle und aufgeräumte Anzeige der gewählten Lautstärke.

RME ADI-2 DAC vs RME ADI-2 Pro Anschlüsse

Bedienung
Trotz des im Vergleich zum Pro reduzierten Funktionsumfangs ist der DAC vollgestopft mit diversen Features. Um dem Gerät das volle Potential zu entlocken, lohnt sich ein Blick in das umfangreiche Handbuch. Die immer aktuelle PDF-Version findet sich hier: Handbuch.pdf
Mit dem Pro hat RME bereits bewiesen, dass sie die laufende Pflege der Software sehr ernst nehmen. So sind bereits einige Updates erschienen, die kleine Fehler ausbessern und neue Funktionen liefern. Ein Blick in die aktuelle Version des Handbuchs lohnt sich also immer wieder.
Die Kernaspekte der Bedienung bleiben allerdings unverändert. Dreh- und Angelpunkt des ADI-2 sind die drei Dreh-/Druckknöpfe. Der Größere regelt dabei selbstverständlich die Lautstärke. Die Lautstärke wird dabei stets digital geregelt, was perfekte Kanalgleichheit im ganzen Regelbereich gewährleistet. Langsames Drehen passt die Lautstärke über den gesamten Bereich in 0,5 dB Schritten an, erhöhte Drehgeschwindigkeiten bewirken größere Sprünge. Die Lautstärke lässt sich dadurch schnell und dennoch sehr präzise einstellen. Ist die Funktion Auto Ref Level aktiviert, passt sich zudem der Gain automatisch an, sodass sich die Lautstärke über den gesamten Regelbereich nahtlos und ohne Benutzereingriff einstellen lässt. RME ist hier eine geniale Lautstärkeregelung gelungen, die jede analoge Lösung mit ihrer Kanalgleichheit, Schnelligkeit und Präzision in den Schatten stellt.
Die beiden kleineren Encoder rechts des Displays dienen zur Einstellung und Navigation. Per Druck lässt sich durch die Displaymodi navigieren. Per Drehung und Druck lässt sich durch die einzelnen Menüs navigieren, die über die vier Druckknöpfe links des Displays erreicht werden können. Mit etwas Übung gelingt die Navigation flüssig. Einmal entdeckt lassen sich die entsprechenden Einstellungen schnell tätigen und wiederfinden; EQ-Setups zu programmieren erfordert allerdings etwas Geduld. Natürlich hätte man einige Funktionen auch direkt zugänglich machen können, was im Gegenzug zusätzliche Bedienelemente erfordert hätte. RME hat sich jedoch entschieden hier einen sinnvollen Kompromiss zwischen Design und Funktionalität zu beschreiten.

RME ADI-2 DAC Campfire Audio Andromeda

Klang
Klanglich führt der DAC die Philosophie des Pro fort mit dem Ziel ein möglichst pures, originalgetreues Signal bereitzustellen. Klangverbiegungen führt nur der DSP auf ausdrücklichen Wunsch aus. Der Phones Out ist bereits vom Pro bekannt und wurde für den DAC kaum verändert. So überzeugt auch der ADI-2 DAC mit bemerkenswerter Performance mit unterschiedlichsten Kopfhörern. Einziger Kritikpunkt beim ADI-2 Pro war der (leise) Rauschteppich mit empfindlichen Inears. Noch einmal zur Klarstellung: Der ADI-2 Pro bzw. der Phones Out des ADI-2 DAC zählen bereits zu den sehr rauscharmen Ausgängen. Trotzdem konnte RME die Kritik nicht auf sich sitzen lassen. Nun steht dem Phones ein extrem rauscharmer Ausgang zur Seite.

IEM Out
Als Fans guter Inears lassen wir uns es natürlich nicht nehmen den IEM Out besonders genau unter die Lupe zu nehmen. Königsdisziplin ist das rauscharme Antreiben empfindlicher Inears – Wirkungsgrade von über 130 dB SPL/V sind hier keine Seltenheit, sodass jegliches Rauschen zutage gefördert wird. Das Worst-Case-Sze­na­rio ist das Antreiben des Campfire Audio Andromeda, der sich bis heute als rauschempfindlichster Inear behauptet. Der Phones sowie die Ausgänge des Pro leisten hier einen respektablen Job, trotzdem kann der hörbare Rauschteppich den Musikgenuss trüben. Gerade in leisen Passagen gehen dann Informationen im Rauschen verloren, was besonders bei dynamischen, hochwertig produzierten Stücken nervt. Am neuen IEM Out verstummt das Rauschen des giftgrünen Andromeda, sodass nichts als die Musik zu hören ist. Das ist eine Premiere.
Der IEM Out ist natürlich auch für Bügelkopfhörer bestens geeignet, wenn diese einen entsprechend hohen Wirkungsgrad mitbringen. Das trifft sich gut mit aktuellen Trends, denn viele Kopfhörer sind heutzutage recht empfindlich ausgelegt. Bügelkopfhörer mit starkem Wirkungsgrad fühlen sich am IEM Out pudelwohl – insbesondere Leisehörern bietet der Ausgang meistens mehr als genug Leistung. In unseren Test konnten wir beispielsweise Sennheiser HD 660 S und Oppo PM-3 wunderbar am IEM Out betreiben. Wann der Betrieb am IEM Out sinnvoll ist klären wir im nächsten Kapitel. Jedenfalls sollte man sich von der Bezeichnung IEM Out nicht abschrecken lassen.

RME ADI-2 DAC PCB

Messungen
Vom ADI-2 Pro sind wir bereits klasse Messergebnisse gewohnt, sodass die Erwartungen an den DAC natürlich ebenso hoch sind. Und der DAC enttäuscht nicht, was nicht zuletzt an dem zum Pro sehr ähnlichem Aufbau liegt.
Wie von RME angegeben liegt die Ausgangsimpedanz um 0,1 Ohm – wir messen 0,16 Ohm für den Phones inkl. Adapter und 0,06 Ohm für den IEM Out. Insbesondere letzterer Wert ist Grund zur Freude, denn er verrät, dass für den IEM Out nicht etwa durch die Verwendung eines Spannungsteilers getrickst wurde. Die somit sehr niedrige Ausgangsimpedanz bietet beste Voraussetzungen für den Einsatz Impedanz-kritischer Inears und Kopfhörer.

Rauschen
RME ADI-2 DAC Residual Noise
Residual Noise, 524288 FFT Points

Das Diagramm zeigt das Grundrauschen des Phones Out (blau), IEM Out (grün) und den Ausgängen des Pro (rot). ADI-2 DAC und der Phones Out des Pro messen sich mit -108,56 bzw. -108,27 dBu, während der IEM Out des DAC beachtliche -113,83 dBu Rauschen misst, was ein Wert am Limit unserer Messhardware ist. Laut RME liegt das Rauschen des IEM Out bei ca. -118 dBu. Bisher haben wir noch keinen rauschärmeren Ausgang erleben dürfen!

Harmonische Verzerrungen (THD)
RME ADI-2 DAC THD 1kHz 0dBu 30R
THD 1 kHz 0 dBu -1 dBFS 30 Ohm, 131072 FFT Points

Obiges Diagramm zeigt das Spektrum des ADI-2 DAC Phones bei der Wiedergabe eines 1 kHz Ton bei 0 dBu und -1 dBFS, während er einen 30 Ohm Widerstand antreibt. Die THD belaufen sich dabei auf sehr niedrige -115,1 dB, was ungefähr 0,00018 % entspricht. Unter gleichen Bedingungen liefert der Pro -112,7 dB bzw. 0,00023 % THD.
Bei anderen Frequenzen mit ansonsten identischen Rahmenbedingungen zeigt sich ein ähnliches Bild:

RME ADI-2 DAC THD vs Freq 0dBu 30R
THD vs Frequency 0 dBu -1 dBFS 30 Ohm

In blau sind die THD des DAC über die Frequenz zu sehen, in rot die Werte des Pro. Je nach Frequenz kann der günstigere DAC um rund 6 dB bessere Werte als sein großer Bruder liefern, der seinerseits schon beachtliche Werte vorweisen kann. Die Begründung findet sich in der etwas anderen Ausgangsstufe des DAC, die ihrerseits besonders gut mit dem in beiden Geräten verbauten AK4490 harmoniert, sodass sogar bessere Werte als im Datenblatt des Chips erreicht werden. Vor allem für Mess-Nerds sind die erreichten Werte toll anzusehen, hörbar sind die gemessenen Verzerrungen aber bei weitem nicht.

Besitzer des ADI-2 DAC haben die Qual der Wahl zwischen Phones und IEM Out, wobei letzterer natürlich nicht auf die Verwendung von Inears beschränkt ist. Das folgende Diagramm zeigt den Phones im Modus Low Power (blau) und IEM Out (grün) im Vergleich. Gemessen werden die harmonischen Verzerrungen samt Rauschen (THD+N) bei 1 kHz an einer Last von 30 Ohm über die Ausgangsspannung.

RME ADI-2 DAC THD+N vs lvl LOW vs IEM 30R
THD+N vs Level 30 Ohm

Gerade bei niedrigen Ausgangsspannungen ist das Rauschen dominant, sodass der IEM Out mit seinem besseren Rauschverhalten trumpfen kann. Bei ca. 550 mV beginnt der IEM Out zu clippen; bis dahin erreicht er durchgängig fast 2 dB bessere THD+N Werte als der Phones. 550 mV entsprechen beim Phones übrigens ungefähr der Pegel-Einstellung „-10 dB“ bei 0 dBFS im Low Power Modus. Wer also einen niedrigeren Wert einstellt, sollte stattdessen auf den IEM Out umstöpseln. Das gilt natürlich auch für ausgewachsene Bügelkopfhörer.

RME ADI-2 DAC

Fazit
Schon der ADI-2 Pro konnte uns als Kopfhörer-Fans überzeugen. Mit dem ADI-2 DAC geht RME nun einen Schritt weiter auf die HiFi-Gemeinde zu und bietet eine preislich attraktivere, leicht abgespeckte Version des ADI-2. Neben dem Preisfall bringt die Schlankheitskur auch neu gewonnene Funktionalität mit sich: Fernbedienbarkeit und die Abschaltbarkeit der Beleuchtung sind von Musik-Konsumenten gern gesehene Neuerungen, auf die der teurere ADI-2 Pro sogar verzichten muss. Als Fans guter Inear Monitore freut uns natürlich besonders, dass der ADI-2 DAC einen dedizierten IEM Ausgang mitbringt. Dieser hält, was er verspricht und liefert ein außergewöhnlich gutes Rauschverhalten, das seinesgleichen sucht. Da kommt zwangsweise die Frage auf, ob der ADI-2 DAC nicht sogar ein Upgrade zum Pro darstellt. Und je nach Anwendungsfall lautet die Antwort sogar ja. Wer auf die analogen Eingänge bzw. die A/D-Wandlung verzichten kann, sollte einen Blick auf den DAC werfen, vor allem wenn nur ein Kopfhörer simultan angetrieben werden muss. Eine schwierige Entscheidung hat derjenige vor sich, der z.B. Fernbedienbarkeit und zwei simultane Ausgänge haben möchte. Auch A/D-Wandlung in Kombination mit dem rauscharmen IEM Out bleibt bislang Wunschdenken. Also RME: Wann dürfen wir mit dem ADI-2 SuperPro rechnen?

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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