NuForce HEM Dynamic

NuForce HEM Dynamic

NuForce – mit dem Namen verbinden wir vor allem 4 Inears namens HEM. Diese noch recht junge Inear-Familie besteht aus HEM2, HEM4, HEM6 sowie HEM8 und darf sich nun über neuen Zuwachs freuen: den NuForce HEM Dynamic. Der Neuling reiht sich als neues günstigstes Modell unterhalb des HEM2 ein. Unüblich scheint die Auswahl des Treibers; setzten die übrigen HEM doch allesamt auf Balanced Armature (BA) Treiber, werkelt im HEM Dynamic – der Name lässt es fast vermuten – ein dynamischer Treiber.

Preislich liegt der HEM Dynamic bei rund 100€ (Amazon), so ist es kein Wunder, dass NuForce beim Zubehör die Kostenschere ansetzen musste. Die übrigen HEM-Modelle konnten uns mit einer großen Auswahl an hochwertigem Zubehör begeistern – insbesondere in der preislichen Liga des HEM2 sucht das seinesgleichen. Für den HEM Dynamic wurde das durchsichtige Hard-Case gestrichen; auch auf das verdrillte Kabel ohne Fernbedienung muss man verzichten. Die Verbindung zum Inear stellt nun ausschließlich das altbekannte Kabel samt Single-Button-Fernbedienung und Mikrofon her. Zudem wurde die Anzahl der Silikon-Tips von 6 auf 3 Paar halbiert, weiterhin liegen zwei Paar Comply T-100 in M und L bei. Reinigungswerkzeug und Klinkenadapter sind ebenfalls der Rationalisierung zum Opfer gefallen. Zur Aufbewahrung muss nun das bereits bekannte semi-harte Gewebe-Case ausreichen. Hinsichtlich der Menge des Zubehörs platziert sich der HEM Dynamic dennoch im oberen Segment seiner Klasse; die Qualität der Beigaben ist zudem gewohnt hochwertig, sodass NuForce’s Kostendämpfungsmaßnahme gut zu verkraften ist.

NuForce HEM Dynamic

Verarbeitung und Passform:
Die Verarbeitung des NuForce HEM Dynamic ist auf gewohnt hohem Niveau. Anders als bei den übrigen HEMs sind die Kunststoffgehäuse mit einer glatten Oberfläche versehen. Zudem ist die außen liegende Hälfte des Gehäuses nun transparent, was den Blick ins Innere des Dynamic freigibt – sehr chic. Farblich lässt einem NuForce die Wahl zwischen Weiß und Schwarz, oder wie es auf Marketing-Deutsch heißt: Crystal white oder Charcoal black. Die Gehäuse sind, wie beim Rest der HEM-Serie, aus mehreren sichtbaren Teilen gefertigt, die mit kaum spürbaren Spalt miteinander verbunden sind. Die ergonomische Form der Gehäuse gleicht den Geschwister-Modellen, sodass auch der HEM Dynamic mit seinem sehr komfortablen und hochwertigem Gehäuse punkten kann. Dank der ergonomischen Passform und der komplett geschlossenen Gehäuse, ist die Isolation gegen Außengeräusche abermals auf hohem Niveau, was den HEM Dynamic für den Einsatz in lauten Umgebungen prädestiniert.
Das Kabel des NuForce ist wieder ein alter Bekannter. Die Kabelführung findet, wie im Inear-Monitoring üblich, über dem Ohr statt, sodass Kabelgeräusche erfolgreich gemindert werden. Angeschlossen wird über die 2-Pin Steckverbindung, was den Austausch des Kabels ermöglicht. Drehen des Inears um das Kabel ist mit dem 2-Pin Stecksystem, anders als beim MMCX-Stecker, angenehmerweise nicht möglich.

NuForce HEM Dynamic NuForce HEM4

Klang:
Der neue HEM Dynamic platziert sich ganz klar als bassstärkster Inear der HEM-Serie. In seinem Preissegment ist eine starke Bassbetonung alles andere als ungewöhnlich und vielfach gefragt, wie auch das Feld der Konkurrenz immer wieder zeigt. Der HEM Dynamic langt im Tiefton großzügig zu und genehmigt sich rund 15 dB mehr Bass, als es neutral wäre. Damit platziert er sich noch oberhalb von Inears wie dem SoundMAGIC E80C oder dem Shure SE215. Das nächstgrößere Modell von NuForce, den HEM2, lässt er damit in Sachen Bassbetonung weit hinter sich. Der Tiefton des Dynamic konzentriert sich besonders auf Mid- und Oberbass, was dem HEM einen punchigen Charakter verleiht. Dem Tiefbass fehlt es im Vergleich an Nachdruck. Kräftig ist der Tiefbass dennoch, wird aber vom stärkeren oberen Bass übertönt.
Der präsente Bassbereich geht nicht spurlos am Mittelton vorbei; insbesondere dunkle Stimmen klingen spürbar wärmer. Angesichts der starken Bassbetonung halten sich die Verfärbung des Mitteltons aber in Grenzen, was für die Qualität des HEM spricht. Im oberen Mittelton folgt der Frequenzgang des HEM Dynamic nahezu der neutralen Zielkurve. Hier spielt der NuForce also erfreulich neutral. Gegen Hochton spielt der Inear leicht zurückgesetzt durch eine Senke um 6 kHz, was ihm einen entspannten Charakter verleiht. Für etwas Frische sorgt eine Betonung im oberen Hochton; diese fällt dezent aus, sodass der NuForce hier nie anstrengend tönt.
Insgesamt spielt der HEM Dynamic bass-geprägt und warm. Der neutrale obere Mittelton sorgt für eine gute Durchhörbarkeit, auch wenn das Klangbild insgesamt eher warm und unanstrengend präsentiert wird. So lädt der HEM Dynamic zum Musikhören mit Fußwippen ein. Der punchige Bass macht Stillsitzen schwer und selbst höhere Pegel lassen sich dank des warmen Klangcharakters wenig ermüdend hören – eine Abstimmung prädestiniert, um das Fitnessstudio zu rocken. Wer hier allerdings neutralen Klang und feinstes HiFi erwartet, wird enttäuscht.

Frequenzgang / Frequency response measurement NuForce HEM Dynamic

Die Abdeckung des hörbaren Frequenzbereichs gelingt dem dynamischen Treiber des NuForce spielend. Tiefbässe sind auch unterhalb von 30 Hz hörbar und auch der Hochton spielt gut hörbar der Hörschwelle entgegen. Die klanglichen Qualitäten, die der HEM Dynamic vermittelt, sind seiner Preisklasse angemessen. An Preis-Leistungs-Champions, wie dem Brainwavz B100, beißt er sich allerdings die Zähne aus; doch ist die Ausrichtung und Abstimmung des HEM Dynamic auch eine andere als die des B100.
Bässe des Dynamic haben einen federnden Ausklang, der einen körperhaften, fast spürbaren Bass vermittelt. Trotzdem lässt sich der Tiefton noch als vergleichsweise kontrolliert bezeichnen. Die Präzision seiner HEM-Brüder, die auf BA Treiber setzen erreicht der günstigere Dynamic dabei nicht, erfreut aber im Gegenzug mit wuchtigen Basslines, die mit Nachdruck ins Trommelfell gehämmert werden.

NuForce HEM Dynamic

Matchability:
Dem Einsatz am typischen Smartphone steht beim HEM Dynamic nichts im Wege. Mit einem Wirkungsgrad von rund 116,6 dB/V spielt er bei gleicher Einstellung ca. 3 dB leiser als ein Shure SE215 und knapp 2 dB lauter als der etwas wirkungsgradschwache PSB M4U 4. Somit benötigt er etwas mehr Spannung als der Durchschnitt und ist dennoch ausreichend genügsam, um ohrenbetäubende Lautstärken am kleinen Audioplayer oder Smartphone zu erzeugen. Zudem ist der HEM vollkommen unempfindlich gegenüber höheren Ausgangsimpedanzen, sodass in dieser Hinsicht keine speziellen Anforderungen an das Quellgerät gestellt werden.

NuForce HEM Dynamic vs Shure SE215:
Inear, bassstark und ein Preis von knapp 100€ – natürlich muss da der Shure SE215 im Vergleich herhalten! Den beliebten amerikanischen Inear haben wir in der Vergangenheit bereits häufiger als Vergleichskandidat angeführt: Reviews mit Bezug zum Shure SE215. Aufgrund seiner hohen Beliebtheit eignet sich der für rund 100€ (Amazon / Thomann) erhältliche Shure des öfteren als Vergleichskandidat; im Fall des HEM Dynamic scheint es fast so, als hätte man den Kassenschlager von Shure direkt ins Visier genommen.
Die Gemeinsamkeiten beider Inears beginnen beim Preis und setzen sich beim wechselbaren Kabel und der ergonomischen Gehäuseform fort. Auch der Lieferumfang ist vergleichbar, wenn auch der Shure ein Paar Foam Tips mehr und ein Reinigungswerkzeug im Gepäck hat. Der HEM Dynamic kontert mit besserem Case und der Headset-Funktionalität seines Kabels. Wie der Zufall so will, sind SE215 und HEM Dynamic jeweils in heller und dunkler Farbvariante erhältlich.

Frequenzgang / Frequency response measurement NuForce HEM Dynamic vs Shure SE215

Auch klanglich haben der Shure SE215 und der NuForce Dynamic mehr gemeinsam als sie unterscheidet. Beide kennzeichnen sich durch eine warme Abstimmung mit angehobenem Bass. Im Tiefton genehmigt sich der NuForce noch rund 5 dB mehr Betonung als sein Konkurrent, was ihm spürbar mehr Nachdruck im Bass verleiht. Im oberen Mittelton klingt der Shure teils unrund, was insbesondere dem Peak um 5 kHz geschuldet ist; der NuForce spielt hier deutlich ausgeglichener.
Der HEM Dynamic greift das Grundrezept des Shure SE215 auf und fügt gezielt etwas eigenen Charakter hinzu. Das zeigt sich in stärkerem Bass und einem wärmeren, weniger offensiven Klangcharakter. Insbesondere der ausgeglichenere obere Mittelton ist eine willkommene Verbesserung und erhebt den NuForce im Gesamturteil über seinen Kontrahenten.

NuForce HEM Dynamic Shure SE215

Fazit:
NuForce baut die HEM-Serie weiter aus und setzt mit dem HEM Dynamic erstmals einen dynamischen Treiber innerhalb eines HEM-Inears ein. Preislich reiht sich der Neuling unterhalb der bestehenden HEMs ein und so müssen beim Lieferumfang gewisse Abstriche in Kauf genommen werden. Auch wenn unter anderem das Hard-Case beim HEM Dynamic nicht mehr enthalten ist, hinterlassen Qualität und Umfang des Zubehörs, angesichts der Preisklasse, einen guten Eindruck. Anhand der hochwertigen Gehäuse lässt sich sofort die Verwandschaft zu den teureren HEMs erkennen, denn hier setzt NuForce auf die exakt gleiche Form, was einen sehr guten Tragekomfort und eine hohe Isolation gegen Außengeräusche gewährleistet. Materialwahl und Design des HEM Dynamic weichen hingegen von seinen Geschwistern ab, was ihn aber keinesfalls minder hochwertig erscheinen lässt.
Klanglich erlaubt sich der neuste Wurf einen deutlich stärkeren Bass als die übrigen HEM. Die Handschrift von NuForce lässt sich dennoch in der inoffensiven und runden Abstimmung des HEM Dynamic erkennen. Ansonsten tischt NuForce mit dem Dynamic ein doch merklich anderes Gericht als mit den übrigen HEM auf. Die Geschmacksrichtung erinnert an das vielfach bewähre Rezept des Shure SE215: Man nehme einen vernünftig bepreisten, bassstarken Inear, spendiere ihm ein hochwertiges und ergonomisches Gehäuse, wechselbare Kabel sowie ein nützliches Gewebe-Case. Gewürzt wird mit typischen HEM-Tugenden und fertig ist der Verkaufsschlager für den Einsatz Unterwegs oder beim Sport. Haute cuisine serviert NuForce hiermit sicher nicht, vielmehr bewährte Kost nach Mama’s altem Rezept – gut sättigend und immer wieder gern gegessen.

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil – als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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