InEar ProPhile 8

InEar ProPhile 8 PP 8

Vor ein paar Wochen hatten wir die Chance den Prototyp des ProPhile 8 exklusiv vorab zu testen. Wir freuen uns euch bereits am Termin des offiziellen Launch exklusiv berichten zu können!

In der üblichen Nomenklatur müsste der ProPhile 8 mit seinen 8 Balanced Armature Treibern eigentlich StageDiver 8 heißen. Ganz bewusst wich man aber von der Benennung ab, denn der ProPhile 8 unterscheidet sich maßgeblich von seinen Geschwistern. Bei der Form der Gehäuse hat man sich zwar an dem ergonomischen StageDiver-Design orientiert, die im Gehäuse eingelassenen Schalter lassen aber bereits vermuten, dass es sich hier nicht um einen „normalen“ InEar handelt. Die Besonderheit des ProPhile ist eine schaltbare Frequenzweiche, die 4 wählbare Abstimmungen des Hörers erlaubt und über die außenliegenden Schalter bedient werden kann.
Neben seiner Sonderstellung positioniert sich der PP 8 seinen 8 BA Treibern deutlich als Topmodell von InEar-Monitoring. Verbaut sind 4 Doppeltreiber-Pakete der Marken Knowles und Sonion, die durch die schaltbare Frequenzweiche in 4 Wege geteilt werden.
Die Idee dem Nutzer zu ermöglichen zwischen mehreren Klangsignaturen eines Hörers zu wählen ist nicht neu. Von beispielsweise dem Shure SE846 oder dem RHA T20 kennt man das System wechselbarer Filter. Auf die Spitze treibt das System der FLC8s von FLC Technology mit seinen 36 verschieden Setups. Die Technik des ProPhile 8 unterschiedet sich jedoch von eben genannten Modellen und ist bisher seltener anzutreffen: Bei ihm handelt es sich vielmehr um 4 vollständige Inears in einem Gerät, zwischen denen per Schalter gewechselt werden kann. Anstatt einer normalen Frequenzweiche wurden für den PP 8 quasi 4 Frequenzweichen in einer konstruiert.
Zu einem Preis von 1298€ erhält man, neben dem InEar an sich, diverse Tips aus Silikon und Schaumstoff, einen Adapter und Reinigungstücher. Ebenfalls mit dabei sind ein Cerumen-Filter-Set und ein stabiles Peli Hardcase (IE13).

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Verarbeitung und Passform:
Noch einmal der Hinweiß: Wir haben ein Vorab-Produkt getestet; das endgültige Produkt weicht also möglicherweise von diesem ab. Zumindest wir hätten uns von der optischen Erscheinung des Prototyps „mehr Flaggschiff“ gewünscht. Anders als die regulären StageDiver trägt der ProPhile keinen schwarzen Hochglanzlack und kleidet sich stattdessen in schlichtem Matt-Schwarz. Die matt-raue Oberfläche entsteht dabei durch Sandstrahlen nach dem additiven Fertigungsprozess. Bei StageDiver-Modellen erfolgt anschließend eine Tauchlackierung, auf die für die neue Optik bewusst verzichtet wurde. Die Anmutung der neuen Optik ist sicher Geschmacksache, die Umsetzung – InEar-Monitoring üblich – qualitativ sehr hochwertig. Haptisch gibt sich die leicht raue Oberfläche angenehm und neigt im Gegensatz zum schwarzen Hochglanz nicht dazu Fingerabdrücke anzunehmen.
Die bekannte ergonomische StageDiver-Gehäuseform wurde auch bei dem PP 8 umgesetzt. Aufgrund der acht Treiber und der zusätzlichen Technik für die Schalter ist das Gehäuse in der Tiefe etwas gewachsen und ragt weiter aus dem Ohr heraus. Auch der Bereich, der das Schallröhrchen trägt, hat etwas zugelegt. Grundsätzlich sollte der ProPhile in die meisten Ohren passen in die auch ein StageDiver passt. Speziellere Ohren müssen wohl auf die zukünftige Custom-Variante warten, die in absehbarer Zeit folgen wird. Die Isolation ist, wie bei den StageDiver-Modellen, auf sehr hohem Niveau und blendet die Umgebung gekonnt aus.
Die Vertiefung an der Innenseite des InEars, in der die beiden Schalter liegen, hat keinen Einfluss auf den Tragekomfort. Allerdings sammelt sich hier leicht Schmutz.
Der von uns getestete Prototyp setzt auf das gleiche Kabel wie seine StageDiver-Geschwister. Dieses ist verdrillt, solide und wird über den nicht drehbaren 2-Pin Stecker angeschlossen. Dank der Kabelführung über dem Ohr lässt es sich bequem und mit geringen Kabelgeräuschen tragen. Bei den austauschbaren Kabeln hätte man sich aus unserer Sicht von den anderen Modellen optisch etwas absetzen können.

InEar ProPhile 8 PP 8

Klang:
Der InEar ProPhile 8 ist ein Gestaltwandler. Durch die schaltbare Frequenzweiche bietet er 4 unterschiedliche Abstimmungen in einem Inear. Diese lassen sich durch die 2 an der Innenseite der Hörer befindlichen Schalter auswählen. Einer der beiden Schalter erhöht wahlweise den Tiefton, während der andere den Hochton anhebt. Werden beide Schalter gleichzeitig umgelegt, ergibt das respektive eine Bass- und Hochton-Anhebung.
Unabhängig von der Position der Schalter deckt der ProPhile 8 das gesamte menschliche Hörspektrum ab. Bässe beginnen bereits unterhalb von 30 Hz, der Hochton erstreckt sich bis zur oberen Hörschwelle. Hier spielt der PP 8 seine Flaggschiff-Qualitäten voll aus und zeigt warum in ihm ganze 8 Balanced Armature Treiber pro Ohr arbeiten.

Grundstellung: Befinden sich beide Schalter in der Ausgangsposition, spielt der InEar nahezu neutral. Der Bass ist im tiefem bis mittlerem Bereich leicht betont – der Hersteller spricht von einem neutralen Tiefton, wobei unsere Ohren eher 2-3 dB mehr schätzen. Angesichts der Kompensation von Körperschall geht die dezente Erhöhung aber als noch neutral durch, nicht aber als Etymotic ER4S neutral.
Der Oberbass bleibt hingegen vollkommen neutral und strahlt nicht in die mittleren Frequenzen. So klingen auch Stimmen neutral und verfärbungsfrei.

Frequenzgang / Frequency response measurement InEar ProPhile 8 default setting
Messung zeigt die Verkaufsversion/Production unit

Die oberen Mitten des ProPhile 8 sind unaufdringlich. Im Hochton wies der Prototyp eine Erhöhung zwischen 5-6 kHz auf, ohne dabei sibilant zu klingen. Schlecht produzierten Stücke stand die Erhöhung trotzdem nicht gut zu Gesicht, weshalb man sich entschied diese für das finale Produkt zu beseitigen. Im Gegenzug erhielt der Superhochton, der bei dem Prototyp ein Hauch zu dezent ausfiel, ein paar Dezibel mehr. Um 8 kHz befindet sich eine weitere, aber sehr seichte Erhöhung, die für Frische im Hochton sorgt und von dem kosmetischen Eingriff unangetastet blieb.
Insgesamt wirkte bereits das Klangbild des Prototypen ausgesprochen homogen. Die Abstimmung der 8 Treiber ist nahtlos und ohne aufdringliche Peaks im Frequenzverlauf gelungen. In der Grundstellung erhält man einen ausgeglichen klingenden InEar mit neutralen Ambitionen.

Bassverstärkung aktiv: Betätigt man den Schalter für die Bassverstärkung, erhöht sich der Tiefton um 3 dB. Die Anhebung erstreckt sich über Tief- und Midbass, wohingegen der Oberbass nur minimal verstärkt wird und unaufdringlich bleibt. Wie in der Grundstellung behält der Mittelton seine Neutralität und wird nicht durch den Bass verfärbt.

Frequenzgang / Frequency response measurement InEar ProPhile 8 bass setting
Messung zeigt die Verkaufsversion/Production unit

Der zusätzliche Druck den der ProPhile 8 durch Betätigen des Schalters erhält, macht ihn nicht zum Bassmonster, hebt den Tiefton aber deutlich spürbar an. Quantitativ bleibt die Bassbetonung hinter dem StagDiver 4 zurück, der gerade im Oberbass energischer zu Werke geht.

Höhenverstärkung aktiv: Die Höhenverstärkung hebt den Bereich ab 7-8 kHz um 2 dB an. Bei dem im Superhochton etwas zurückhaltenden Prototypen war die Erhöhung eine sehr willkommene Option, die den Hochton nur dezent über die Nulllinie hob. Die zusätzliche Brillanz erzeugte das Gefühl an Auflösung zu gewinnen, ohne dabei sibilant oder störend zu klingen.

Frequenzgang / Frequency response measurement InEar ProPhile 8 treble setting
Messung zeigt die Verkaufsversion/Production unit

Beide Schalter aktiv: Sind beide Schalter aktiviert, kombinieren sich die Erhöhungen von Tief- und Hochton zu einer klassischen V-förmigen Abstimmung, mit Anstiegen zu den niedrigen und hohen Frequenzen. Bedingt durch die Frequenzweiche wird zusätzlich der Mittelton leicht abgesenkt. Wie auch schon in den anderen Modi, lässt sich der ProPhile durch die Anhebungen nicht aus der Ruhe bringen.

Frequenzgang / Frequency response measurement InEar ProPhile 8 both switches
Messung zeigt die Verkaufsversion/Production unit

Im Vergleich zum StageDiver 4 ist der ProPhile 8 dezenter abgestimmt. Während der SD 4 eher den unteren Hochton sowie den oberen Bass stärker betont, trägt der PP 8 seine seichteren Betonungen in den höheren bzw. tieferen Frequenzen. Das lässt den SD 4 mitreißender wirken, während der PP 8 auch im V-Shape-Modus seinen Hifi-Anspruch wahrt.

InEar ProPhile 8 PP 8

In puncto Klangqualität verspricht der ProPhile, mit seinen 8 Treibern und entsprechendem Preis, Flaggschiff-Qualitäten – und er liefert. Der Tiefton ist auffällig trocken und präzise. Die Auflösung ist, wie erwartet, auf durchweg sehr hohem Niveau. Mittel- und Hochton vermissen kein Detail; besonders mit aktivierter Hochtonverstärkung spielt der PP 8 seine Karten voll aus.
Mit aktivierter Bassverstärkung mutet der Tiefton eine Messerspitze weicher an, was wohl der höheren Bassmenge geschuldet ist. Nichtsdestotrotz bleibt der Tieftonbereich sehr präzise. Grundsätzlich sind die 4 verschiedenen Modi qualitativ gleichwertig – Einbußen in der Klangqualität muss man durch aktivieren eines oder beider Schalter nicht befürchten.
Der ProPhile spielt sehr weiträumig. Seine kleinen StageDiver-Brüder SD 2 und SD 4 sind ihrerseits ebenfalls für ihre sehr weite Bühnendarstellung bekannt. Der PP 8 liefert hier nicht spürbar mehr Breite, Tiefe oder Höhe, separiert aber schärfer als seine StageDiver-Geschwister. So liefert er eine sehr realistische 3-dimensionale Präsentation mit klar zu ortenden Stimmen und Instrumenten.

Fazit:
Die StageDiver Serie der Marke InEar wurde ursprünglich für den Bühneneinsatz konzipiert, wie es auch der Name schon vermuten lässt. Nichtsdestotrotz erfreuen sich insbesondere StageDiver 2 und StageDiver 4 großer Beliebtheit in Hifi-Kreisen. Mit dem neuen ProPhile 8 nimmt man nun gezielt Audiophile ins Visier und feuert aus vollen Rohren. Neben seinen 8 BA Treibern bringt das neue Flaggschiff eine schaltbare Frequenzweiche mit, die 4 verschiedene Abstimmungen ermöglicht.
Das Gehäusedesign ist an die ergonomischen StageDiver angelehnt und sitzt trotz seiner Größe sehr angenehm und isoliert hervorragend. Farblich gibt sich der ProPhile in schlichtem Matt-Schwarz – hier hätte man ruhig etwas dicker auftragen können. Klanglich liefert der PP 8 die Flaggschiff-Qualitäten, die Preis und technische Daten versprechen. Durch die 4 schaltbaren Abstimmungen sind verschiedene Geschmäcker und Launen bedient. In der Grundstellung bleibt der InEar annähernd neutral und lässt sich per Schalter mit Tief-, Hochton, oder beidem würzen. Dabei sind alle 4 Klang-Modi in sich stimmig.
Probehören ist dieser Preisklasse natürlich Pflicht. Die entsprechenden Anlaufstellen findet man auf der Website von InEar: inear-monitoring.eu/de/partner
Erhältlich ist der ProPhile sowohl beim Hersteller InEar direkt, als auch bei Thomann.

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Das Headflux Team sind die beiden Gründer und Administratoren von Headflux.de: Sebastian und Niklas.
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