InEar ProMission X

InEar ProMission X Wood

InEar hat eine neue Mission. Das Ziel der Mission ist offensichtlich die Erweiterung des hauseigenen Angebots an Inears und zwar in Richtung des absoluten Highend-Segments. Kombiniert mit einer Portion professionellem Anspruch und 10 Balanced Armature (BA) Treibern pro Seite ergibt das wohl die Wortneuschöpfung ProMission X. Unsere Mission ist also der Test, ob die Mission mit dem ProMission X geglückt ist – oder ist alles nur ein Satz mit X?
Okay, genug der unlustigen Wortspiele. InEar meint es offensichtlich sehr ernst mit seinem neuen Sprössling, denn in Summe greift der Hörer auf ganze 20 Treiber zurück. Dazu prangt auf der Website von InEar bezüglich des Preises ein unheilvolles „auf Anfrage“. Auf Nachfrage wird einem der stolze Preis von 2089€ genannt, was den PMX komfortabel zum teuersten Inear der Hessen macht. Auch optisch hebt sich der PMX von seinen kleinen Geschwistern ab. Die Gehäuse fertigt InEar aus Hybrid Wood, was die Kombination von Echtholz und Acryl bezeichnet.

InEar ProMission X

Verarbeitung und Passform:
Der ProMission X ist längst nicht der erste Universelle aus dem Hause InEar. Dank der beim Hersteller InEar typischerweise ergonomisch geformten Gehäuse ist die Passform für eine Vielzahl von Ohren sehr bequem. So wundert es auch nicht, dass sich InEar in der Vergangenheit mit der StageDiver-Serie einen Namen für besonders gut sitzende Universal-Inears machen konnte. Mit Abstrichen gilt das auch für das Gehäuse des ProPhile und auch für das des neuen PMX, denn der ProMisson X teilt sich im Wesentlichen das Gehäusedesign mit dem ProPhile. Das orientiert sich zwar maßgeblich an der ergonomischen Form der StageDiver-Modelle, musste jedoch wegen gestiegenen Platzbedarf ein Stück voluminöser ausfallen. Kleinere Ohren werden die 8 oder 10 Treiber von PP8 oder PMX wohl nicht genießen können, während sich die meisten mittleren und großen Ohren über die sehr gute Passform freuen.
Kompatiblen Ohren schmeichelt dann das neue Gehäusematerial aus einer Mischung von Echtholz und Acryl. Im Gegensatz zu der leicht rauen Oberfläche des PP8 ist die Oberfläche des PMX schön glatt wie auch bei den StageDiver-Modellen. Optisch setzt man sich von den günstigeren Modellen ab. Die Kombination von Holz und Acryl ist zwar keine Neuheit in der Branche, aber nichtsdestotrotz ein richtiger Hingucker. InEar fertigt die Gehäuse des ProMission in der hauseigenen 5-Achsen CNC-Fräse aus dem vollen Material. Dabei ist jeder Hörer ein Unikat und wird immer leicht anders aussehen. Die Isolation der ergonomischen Gehäuse ist, wie für InEar üblich, auf sehr hohem Niveau. Wie seine kleinen Geschwister ist also auch der PMX für den Einsatz in lauten Umgebungen prädestiniert.

InEar PMX, PP8, SD2

Endlich spendiert InEar seinen Topmodellen auch eine angemessene Verpackung. Vor nicht all zu langer Zeit kam der PP8 noch in einer dünnen Kartonschachtel mit Plastik-Sichtfenster, was einfach nicht so richtig in das Bild eines Inears im vierstelligen Preisbereich passen wollte. Jetzt beherbergt ein schlicht schwarzer, fester Karton mit Magnetverschluss und Schaumstoffeinsatz die wertvolle Fracht. Das Unboxing gibt den Blick auf ein rundes Ledercase frei. Neben der Prägung des InEar-Logos schmückt das schwarze Leder eine Ziernaht in der Signaturfarbe von InEar. Wir mochten auch die stabilen Peli-Cases, die früher mitgeliefert wurden sehr. Zugegebenermaßen passt ein kleines Ledercase aber deutlich besser in die HiFi-Welt als ein Kunststoff-Hardcase.
Nachholbedarf gibt es nach wie vor beim mitgelieferten Kabel. Hier serviert InEar Einheitsbrei in Form des gleichen schlicht schwarzen Kabels, welches ebenso bei den deutlich günstigeren StageDiver-Modellen beiliegt. Das Kabel ist keinesfalls minderwertig – es trägt sich angenehm und gibt Berührungsgeräusche kaum weiter. Trotzdem passen z.B. Y-Splitter und Stecker aus einfachstem schwarzem Kunststoff nicht zum Bild eines Kopfhörers für einen vierstelligen Preis. Angemessen ist jedoch die ordentliche Vielfalt mitgelieferter Aufsätzen. Ab Werk dabei sind 4 Paar schwarze Standard-Tips aus Silikon, 4 Paar SpinFit-Tips. sowie 3 Paar aus Schaumstoff von Comply. Dazu gibt es natürlich noch den üblichen Adapter auf 6,3mm Klinke und ein Set Cerumen-Filter.

InEar ProMission X

Klang:
Eines vorab: Der PMX ist kein ProPhile 10. InEar erlaubt sich bei der Abstimmung des neuen Flaggschiffs mehr Bass und Hochton als beim quasi neutralen ProPhile 8. Am ehesten kann man die Abstimmung des ProMission X mit dem ProPhile vergleichen, wenn dessen Schalter für Bass- und Höhen-Boost aktiviert sind. Dazu aber später mehr.
Im Tiefton spielt der ProMission X etwa 4-5 dB lauter als es neutral wäre. Damit bewegt er sich keinesfalls im Basshead-Territorium, hebt sich aber von neutralen Inears ab. Der PMX spielt damit in der Gesellschaft des CA Andromeda oder PP8 mit aktiviertem Bass-Schalter, aber weniger basslastig als der hauseigene StageDiver 5. Obwohl er rein technisch gesehen etwas weniger Bass aufbringt als die ebenen genannten Inears, geht der Tiefton des PMX durch Mark und Bein. Das ist vor allem dem gnadenlos dunklen Tiefbass geschuldet, der mit Nachdruck den tiefsten Frequenzen entgegen spielt. Die Messung wird dem realen Eindruck des Tiefbass dabei kaum gerecht. Voraussetzung ist natürlich Musikmaterial, welches mit derartig tiefem Bass aufwarten kann, denn der PMX spielt ganz komfortabel der unteren Hörschwelle entgegen und vermutlich darüber hinaus.

IEC 60318-4 Frequenzgang / Frequency response measurement InEar ProMission X

Auch wenn wir eher Fans neutralerer Abstimmung sind, überzeugt uns der Bass des PMX mit seiner feinfühlig ausbalancierten Betonung und seinem donnerndem Tiefbass. Auch der untere Mittelton erhält etwas mehr Betonung als es neutral wäre, was Stimmen ein leicht warmes Timbre einhaucht. Unterstützend wirkt der zahme Mittelton, der dem PMX einen leicht zurückhaltenden Charakter bei Sibilanten verleiht. InEar stimmt den PMX hier sehr sorgfältig ab, sodass trotz der klanglichen Wärme eine sehr gute Durchhörbarkeit erhalten bleibt. Diese verdankt der PMX auch seinem prominentem oberen Hochton. Ab 5-6 kHz spendiert InEar dem ProMission ein paar Dezibel mehr, die letztendlich im Peak um 8 kHz gipfeln. Die Betonung im Hochton sorgt für Auflösung und Detailreichtum. Störend wirkt die Betonung dabei nicht, allenfalls bei außergewöhnlich schlecht aufgenommenen Musikstücken, die sich ohnehin grauenhaft anhören. Im oberen Hochton hätte InEar dem ProMission X sogar noch ein paar dB mehr spendieren können, bevor es zu viel des Guten würde.
Insgesamt gelingt InEar beim ProMission X eine ansprechende und gefällige Abstimmung, die sich gekonnt zwischen neutral und mitreißend-bassstark platziert. Es ist eine Abstimmung, die einfach gefällt. Der PMX klingt ausgewogen, harmonisch, unspektakulär auf die gute Art und Weise. So harmoniert der ProMission mit jedem Genre und spielt sich entspannt durch Jazz, Hip Hop und Rock. Klassik oder Oper? Kein Problem, denn die unaufgeregte Abstimmung passt irgendwie immer. Je nach Genre oder Album findet man sicherlich den einen oder anderen Hörer, der einem besser zusagt. Doch der ProMission X ist ein echter Allrounder, der immer Spaß macht.

Matchability:
Trotz seiner 10 BA Treiber pro Seite reagiert der ProMission X sehr gutmütig auf Verstärker und Audioplayer mit höherer Ausgangsimpedanz. Das folgende Diagramm zeigt die Veränderungen im Frequenzgang mit steigender Ausgangsimpedanz angefangen bei einem 0 Ohm Ausgang in gelb. Von oben nach unten folgen 2, 4, 8, 16, 32 und schließlich 64 Ohm in hellgrün:

InEar ProMission X effects of output impedance

Die Headflux Impedanz (HI) des PMX liegt bei 2,3 Ohm, d.h. der PMX wird an Quellen mit bis zu 2,3 Ohm Impedanz garantiert keine hörbaren Klangveränderungen erfahren. Wie das obere Diagramm zeigt, muss man auch darüber hinaus nur mit geringen Veränderungen im Klang rechnen. Der PMX spielt im Bereich um 1 kHz etwas lauter und verliert im Hochton etwas an Pegel, wenn ein Wiedergabegerät mit höherer Ausgangsimpedanz eingesetzt wird.
Mit einem Wirkungsgrad von 128,6 dBSPL bei 1 Vrms und 1 kHz spielt der ProMission ein gutes Stück effizienter als der durchschnittliche Inear. Das bedeutet aber auch, dass das Rauschen des Quellgeräts leichter hörbar wird. In dieser Hinsicht ist der PMX nicht so empfindlich wie z.B. der CA Andromeda mit seinen 135,2 dB, dennoch ist ein rauscharmer Verstärker oder Audioplayer für den PMX sinnvoll. Vermutlich hat der typische Interessent des PMX so oder so eine ansehnliche Auswahl an Quellgeräten zur Verfügung.

InEar ProMission X vs InEar ProPhile 8:
Preislich trennen den PMX ca. 600€ von dem günstigeren PP8. Für die Preisdifferenz könnte man sich also noch einen StageDiver 3 in Ergänzung zum ProPhile 8 anschaffen (die Sinnhaftigkeit sei einmal dahin gestellt). Klanglich vergleicht sich der ProMission am ehesten mit dem PP8 mit beiden aktivierten Schaltern. Das Bassniveau des PMX befindet sich dann laut Messung recht genau zwischen ein- und ausgeschaltetem Bass-Schalter des PP8. Subjektiv ist die Bass-Betonung sehr nah an der des PP8, wenn der Bass-Schalter aktiviert ist. Tatsächlich hört man die Verwandschaft recht deutlich, wenn der PP8 mit aktivierten Schaltern antritt, denn tonal schlagen die beiden Hörer dann in die gleiche Kerbe. Das zeigt natürlich auch die Messung, die Unterschiede liegen letztendlich im Detail.

IEC 60318-4 Frequenzgang / Frequency response measurement InEar PMX vs PP8

Der PP8 spielt im Mittelton etwas vordergründiger als der PMX. Stimmen präsentiert er dadurch direkter und mit ein wenig mehr Nachdruck. Unterstützt wird das durch den leicht präsenteren oberen Mittelton des PP8. Im Gegensatz dazu spielt der ProMission etwas indirekter und platziert Stimmen und Instrumente weiter im Raum. Beim PMX wirkt die Phantommitte etwas schwächer ausgeprägt, was ihn im Gegenzug subtil weiträumiger klingen lässt. Seine Ortungsschärfe und empfundene Auflösung erreicht der PMX durch einen stärkeren Hochton, insbesondere oberen Hochton. Damit kann er sich qualitativ von dem ProPhile 8 abheben – nicht viel, dennoch klingt der PMX etwas höher auflösend als der 8-Treiber.
Im vierstelligen Preisbereich darf man bekanntlich keine hohen Sprünge zwischen den Hörern erwarten. Der ProPhile 8 ist ein starker Vertreter der 1000€+ Klasse, so überrascht es kaum, dass sich der PMX nur schwer von ihm abheben kann, obwohl er ein ausgezeichneter Inear ist. Das etwas mehr an Klangqualität samt Premiumoptik in Hybrid Wood erkauft man sich entsprechend teuer. Der typische Käufer eines PMX wird jedoch nicht auf den letzten Euro achten müssen, so macht die Anschaffung des ProMission sogar Sinn, wenn der ProPhile mit aktivierten Schaltern gefällt. Der preisbedachte Käufer greift natürlich nicht zum PMX, wahrscheinlich auch nicht zum PP8. Dem ProPhile 8 in seiner Grundstellung ohne aktivierte Schalter wird die neue Speerspitze von InEar nicht gefährlich. Der Neutralität des PP8 muss sich der PMX geschlagen geben, auch wenn er in puncto Klangqualität knapp die Nase vorn hat.

InEar PMX, PP8, SD2

InEar ProMission X vs Campfire Audio Andromeda:
Der CA Andromeda ähnelt dem PMX vor allem im Tiefton. Beide bieten eine subjektiv recht ähnliche Betonung im Bass mit ähnlich plastischem Punch. Unterschiede finden sich insbesondere im Mittelton, wo der Andromeda eine dunklere Richtung einschlägt. Stimmen und Instrumente klingen wärmer und erhalten etwas mehr Körper beim Andromeda, während der PMX mit einer feineren, etwas neutraleren Wiedergabe besticht. Das verhilft dem PMX zu einer etwas besseren Durchhörbarkeit, während der Andromeda verzeihlicher bei mittenbetonten Aufnahmen ist. Im oberen Hochton warten beide Inears mit ähnlichem Pegel auf. Die Betonung im Hochton steht dabei beiden Hörern sehr gut.

IEC 60318-4 Frequenzgang / Frequency response measurement Campfire Audio Andromeda SF vs InEar PMX

Zusammen mit seinem etwas vordergründigerem Mittelton bietet der ProMission eine Messerspitze mehr Klarheit im Klangbild. Wer sich den Andromeda schon immer mit ein wenig mehr Präsenz und Durchhörbarkeit im Stimmbereich, insbesondere bei helleren Stimmen, gewünscht hat, wird beim PMX fündig. Hierzu muss man allerdings merklich tiefer in die Tasche greifen, sodass der Andromeda ein attraktiver Konkurrent mit einer etwas dunkleren Abstimmung bleibt.

InEar PMX, PP8, SD2

Fazit:
Der Markename InEar wird vor allem mit Monitoring-Lösungen für Musiker assoziert. Der reine Musik-Konsument stand vor nicht allzu ferner Vergangenheit nicht gerade im Fokus der Marke. Nichtsdestotrotz haben sich die StageDiver schon immer großer Beliebtheit in HiFi-Kreisen erfreut, wenngleich sie für den Einsatz auf der Bühne konzipiert waren. Im Vergleich zu optisch aufgehübschten HiFi-Produkten merkte man das den Inears auch an, was nicht negativ gemeint ist. Die aufwändigen, aus seltenen Hölzern und farbenfrohem Acryl gefertigten Gehäuse des ProMission X sprechen da aber eine ganz andere Sprache. InEar missioniert nun auch optisch in das Premiumsegment highfideler Inears. Die guten alten Tugenden hat man dabei offensichtlich nicht vergessen: Die Gehäuse sind nach wie vor ergonomisch geformt und dichten bombensicher ab. Auch die bekannten Cerumen-Filter schützen die Treiber des PMX. Dem Einsatz auf der Bühne steht also auch beim neuen Premium-InEar nichts im Wege. Etwas zu viel Bühnenequipment ist uns jedoch das schlichte Kabel – hier sollte der Premium-Anspruch nicht aufhören.
Klanglich überzeugt der ProMission mit seiner ausgewogenen Abstimmung. Etwas mehr Bass, etwas mehr Hochton und etwas weniger Mittelton sorgen für das etwas mehr Fußwippen als ein neutralerer Kopfhörer auslöst. InEar stimmt hier feinfühlig ab und kreiert damit ein gefälliges, hochauflösendes Klangbild, das auch über lange Hörsessions gefällt. Der große Knackpunkt ist sicherlich der hohe Preis des PMX. Bekanntlich stagniert das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis mit wachsendem Preis. So wundert es nicht, dass sich der ProMission X kaum von ProPhile 8 und CA Andromeda absetzen kann, die jeweils deutlich günstiger sind. Ähnliches hatten wird auch beim nochmals teureren Vision Ears VE8. Wer jedoch etwas Kleingeld übrig hat, findet mit dem ProMission X einen ausgezeichneten Inear.

Niklas

Über

Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

Siehe alle Beiträge von