Hörluchs Unlimited 2.1, 4.0 & 4.1

Den Namen Hörluchs dürfte so mancher als Hersteller für Gehörschutz im Ohr haben – Wortspiel beabsichtigt. Nun wagt sich der Spezialist aus dem Süden Deutschlands auf neues Territorium: Inears als Custom und Universal. Hörluchs startet wenig schüchtern gleich mit vier verschiedenen Inears in den Markt. Den Einstieg markiert der HL 1.0 mit einem Balanced Armature (BA) Treiber pro Seite. Es folgen HL 2.0, 3.0 und 4.0 mit ihrer jeweils namensgebenden Anzahl BA Treiber. Die Modelle 2.0 bis 4.0 sind zudem auf Wunsch mit Bassanhebung zu bekommen und nennen sich dann 2.1, 3.1 und 4.1. Man könnte also ebenso von sieben Modellen reden, die zu allem Überfluss noch jeweils maß­ge­fer­tigt oder im universellen Gehäuse angeboten werden – ein ambitionierter Start.

Für die Modelle ergibt sich folgende Preisgestaltung:
– HL 1.0: 450€
– HL 2.0: 750€
– HL 3.0: 1050€
– HL 4.0: 1350€

Man addiere 100€ für die X.1 Variante und 200€ für die Custom Variante gegenüber dem universellem Gehäuse. Reizt man alle derzeit verfügbaren Optionen aus, schnellt der maß­ge­fer­tigte HL 4.1 somit den 2000€ entgegen. Interessenten bietet Hörluchs die Möglichkeit, vorab in den sogenannten Reinhörstudios probe zu hören. Der Wunsch-Inear lässt sich anschließend bequem über den hauseigenen Konfigurator gestalten, wenn auch bisher noch vergleichsweise wenige Anpassungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen: Online-Konfigurator
Seinen Wunschhörer erhält man anschließend in einer durchdesignten Kartonbox. Im Inneren befindet sich ein geräumiges semi-hartes Textil-Case mit Hörluchs Prägung. Das Case bietet ausreichend Schutz für die wertvolle Fracht und rund eineinhalbmal mehr Platz als das bekannte Peli 1010. Zudem bringt das Hörluchs Case einen Foam Einsatz mit, der für Ordnung im Case sorgt, und bei Bedarf herausgenommen werden kann. Ein Soft-Pouch in Jeansoptik liegt ebenfalls bei. Zum Lieferumfang gehören ebenso ein Set Cerumen-Filter, ein Adapter auf 6,35mm Klinke und ein Reinigungstuch mit Hörluchs Logo. Bei den universellen Inears liegen jeweils 3 Paar Silikon- und Foam-Tips bei. Die beiliegenden Silikon Tips ähneln optisch den Passstücken von SpinFit sind allerdings deutlich unflexibler und weniger hochwertig als das Original – hier hätte man lieber das Produkt von SpinFit beilegen sollen.
Ein liebevolles Extra ist der mitgelieferte USB-Stick mit Hörluchs-Logo, der einen Produkt-Katalog in PDF-Form und Video-Anleitungen für Gebrauch und Wartung der Inears beherbergt.

Hörluchs 2.1, 4.0, 4.1 JDS Labs C5D

Verarbeitung und Passform:
Hörluchs bietet jeden der Inears als Universal und Custom an. Für das maßgefertigte Gehäuse muss zunächst ein Ohrabdruck angefertigt werden auf dessen Basis die Form des Inears entsteht. Das Endergebnis soll schließlich einen perfekten Sitz im Ohr garantieren. Anders als bei der konventionellen Herstellungsmethode wird bei Hörluchs der Ohrabdruck zunächst gescannt. Das Gehäuse wird anschließend auf Grundlage des Scans gestaltet und 3D-gedruckt. Hörluchs fertigt die Customs zunächst ausschließlich aus gängigem Acryl, möchte ab Herbst 2017 auch die weniger stark verbreitete Fertigung aus weicherem Silikon anbieten.
Uns liegen die Hörluchse im universellen Gehäuse vor, das ebenfalls aus Acryl besteht und auch dem 3D-Drucker entstammt. Trotz der universellen Passform möchte Hörluchs einen perfekten Sitz in nahezu jedem Ohr erreichen. Dazu hat man während des Designs eine Vielzahl digitaler Ohrabdrücke übereinander gelegt und die Gehäuseform anhand der Schnittmenge gestaltet. Das klingt bekannt? Kein Wunder, denn der ebenfalls deutsche Hersteller InEar verfolgt den gleichen Ansatz bereits seit mehreren Jahren außerordentlich erfolgreich mit der StageDiver-Serie und neuerdings mit dem ProPhile 8. Die Parallelen zu InEar lassen sich nicht von der Hand weisen; erfreulich ist, dass die Passform ebenso gut funktioniert, wie es bei den bekannten StageDivern der Fall ist. Die Größe der Hörluchs Gehäuse erinnert dabei mehr an die Small-Variante der StageDiver als an die größere Standardvariante. Die Gehäuse sind somit außerordentlich ergonomisch und dennoch kompakt. Entsprechend ist auch die Isolation gegen Außengeräusche auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. In Abgrenzung zum StageDiver hat Hörluchs die bekannte 2-Pin-Buchse auf die Faceplate verlegt, was in gewisser Weise an die Lösung des japanischen Herstellers FitEar erinnert. Die Bauform des Inears ist dadurch flacher als üblich, sodass er optisch dezenter im Ohr sitzt, was insbesondere für Bühnenmusiker interessant ist. Im Gegenzug fällt die Faceplate als Fläche für optische Anpassungen weitestgehend weg. In naher Zukunft möchte Hörluchs dennoch die Fläche, auf der standardmäßig das Hörluchs-Logo prangt, für individuelle Grafiken zur Verfügung stellen. Die Qualität der 3D-gedruckten Gehäuse ist durchweg hochwertig und lässt keine Wünsche offen. Die Druckqualität der Seriennummern und des Logos ist hingegen mitunter etwas dürftig.
Hier hat sich übrigens ein StageDiver 2 auf das Foto geschlichen:

Hörluchs 2.1, 4.0, 4.1 vs InEar StageDiver 2

Zur Verbindung setzt Hörluchs auf das bekannte Kabel von PlasticsOne. Das Kabel des amerikanischen Herstellers kennzeichnet sich durch hohen Komfort, Stabilität und geringe Geräuschentwicklung bei Berührung. Die Qualitätsanmutung der Kunststoff-Teile an Stecker und Y-Splitter ist bekanntermaßen ausbaufähig. Dennoch kann man mit dem quasi Branchen-Standard nicht viel falsch machen; so setzen neben dem Hörluchs-Sortiment auch Inears wie InEar StageDiver 2, ProPhile 8 oder Custom Art Harmony 8.2 auf die bewährten Kabel von PlasticsOne.

Klang:
HL 2.1
Der Hörluchs 2.1 setzt auf 2 BA Treiber, während ihn der Zusatz .1 als bassstärkere Version kennzeichnet. Konkret erhebt sich der Bass breitbandig um rund 6-7 dB. Die Betonung schließt Mid- sowie Oberbass mit ein und auch der unterere Mittelton erhält eine warme Einfärbung. Folge ist ein warmer und voluminöser Mittelton. Im oberen Mittelton strebt der Hörluchs 2.1 eine Nachahmung des Open Ear Gain an. Im Bereich zwischen 1-3 kHz fehlt es für neutralen Klang dennoch merklich an Pegel. Die rund 5 dB weniger Pegel geben der Tonalität des 2.1 einen relaxten Anstrich, der ihm gut steht. Auch im unteren Hochton spielt der 2-fach BA leicht hintergründig, was sich nahtlos in die entspannt warme Abstimmung integriert.
Insgesamt erfreut der HL 2.1 mit einer relaxten, warmen Tonalität mit passend dosiertem Boost im Bassbereich. Der Inear fühlt sich mit einer breiten Musikauswahl wohl und profiliert bei dünner abgemischten Pop und Hip Hop Stücken mit seiner spaßig-langzeittauglichen Abstimmung.

Frequenzgang / Frequency response measurement Hörluchs Unlimited 2.1

Qualitativ kennzeichnet sich der Tiefton des Hörluchs 2.1 durch einen weichen Ausklang, wie bei belüfteten BA-Treibern üblich. Der weichere Tieftonbereich maskiert den Mittelton leicht. Dennoch liefert der 2-fach BA eine solide Auflösung in Mittel- und Hochton, die dem aufgerufenen Preis jedoch nicht gerecht wird. Die passende Konkurrenz für den Hörluchs 2.1 sehen wir viel mehr bei Inears wie dem StageDiver 2 und NuForce HEM4.

HL 4.0 & HL 4.1
Hörluchs 4.0 und 4.1 sind die aktuellen Flaggschiffe des deutschen Herstellers. Die bassärmere Variante mit der Kennzeichnung .0 leistet sich im Bass bereits 5-6 dB mehr als es neutral wäre. Insbesondere Mid- und Oberbass stehen dabei im Fokus und spielen spürbar präsent. Folge ist ebenfalls ein präsenter, warmer unterer Mittelton, der Stimmen und Instrumenten viel Körper und Wärme verleiht. Im oberen Mittelton spielt der HL 4.0 auffällig hintergründig. Anstatt hier den Open Ear Gain nachzuahmen formt der Frequenzgang eine annähernd gerade Linie. Dadurch fehlen dem Hörluchs entscheidende Dezibel, was insbesondere helle Stimmanteile hintergründig spielen lässt. Stimmen und Instrumente erscheinen entsprechend matt. Die im Übergang zum Hochton befindliche Senke verstärkt die hintergründige Spielweise zusätzlich. Um 9 kHz leistet sich der HL 4.0 wiederum einen Hochton-Peak, der dem Hochton etwas nötigen Glanz verleiht. Jedoch wirkt der plötzliche, steile Anstieg im Hochton schnell unharmonisch.

Frequenzgang / Frequency response measurement Hörluchs Unlimited 4.0

Insgesamt ergibt sich für den Hörluchs 4.0 eine außergewöhnlich matte Tonalität, die insbesondere Stimmen wenig artikuliert und nuschelig klingen lässt. Positiv ist die außerordentlich geringe Neigung zu scharfen S-lauten, was dem 4.0 Langzeittauglichkeit beschert. Dennoch wird die Durchhörbarkeit feiner Details durch die hintergründige Abstimmung deutlich in Mitleidenschaft gezogen und kann auch durch den Peak im Hochton nicht kompensiert werden. Die Abstimmung wirkt in unmittelbarer Folge kaschierend für die technischen Qualitäten des Hörluchs. Zur Geltung kommt vor allem der präsente Tiefton, der durch Präzision und schnellen Ausklang überzeugen kann. Das restliche Spektrum kann leider qualitativ nicht an den gelungenen Tiefton anknüpfen und enttäuscht angesichts des Preises auf ganzer Linie.

Schauen wir uns einmal den Frequenzgang des Hörluchs 4.1 an:

Frequenzgang / Frequency response measurement Hörluchs Unlimited 4.1

Déjà-vu? Kein Wunder, denn die Frequenzgänge von 4.0 und 4.1 gleichen sich doch sehr – Hörluchs hat uns übrigens versichert, dass das alles seine Richtigkeit hat. Grundlegend kennzeichnen sich der Hörluchs 4.0 und der 4.1 durch den exakt gleichen inneren Aufbau. Der entscheidende technische Unterschied liegt im Basstreiber, der beim 4.1 seitens Hörluchs mit einem Vent versehen wurde. Die Erwartung ist ein Boost im Bassbereich, der zumindest messtechnisch ausbleibt. Auch subjektiv besteht akute Verwechslungsgefahr zwischen 4.0 und 4.1. Somit lassen sich die obigen Ausführungen zum 4.0 ebenso für den 4.1 übernehmen. Den Aufpreis für den HL 4.1 kann man sich also getrost sparen.

Frequenzgang / Frequency response measurement Hörluchs 4.0 vs 4.1

Matchability:
Hörluchs 2.1, 4.0 und auch der 4.1 sind außerordentlich genügsam, wenn es um den passenden Zuspieler geht. Alle drei Inears kennzeichnen sich durch einen im positiven Sinne geringen Wirkungsgrad. In der Folge sind die Hörluchse vergleichsweise unempfindlich gegen Rauschen des Quellgeräts. Das bedingt allerdings auch, dass die Inears eine etwas höhere Spannung für stattliche Lautstärken benötigen. Dennoch sind durchschnittliche Audioplayer oder Smartphones für starke Pegel ausreichend. Erfreulich ist auch die für Inears, die auf BA Treiber setzen, außerordentlich hohe Toleranz gegenüber höheren Ausgangsimpedanzen. Die Hörluchse lassen sich allesamt noch an Geräten mit Ausgängen von rund 4-5 Ohm betreiben, ohne dass dies klangverändernde Folgen hat.

Hörluchs 2.1 vs InEar StageDiver 2:
Im Abschnitt Verarbeitung und Passform haben wir bereits über die Ähnlichkeit der Gehäuse beider Inears berichtet. Die Ähnlichkeiten der beiden 3D-gedruckten Inears aus deutscher Produktion setzten sich bei der Verwendung des gleichen Kabels von PlasticsOne fort. Ebenso verwenden beide Inears den H4 Cerumen-Filter. Wie der Hörluchs 2.1 setzt auch der SD2 auf 2 BA Treiber. Beim Preis ist jedoch Schluss mit der Gleichheit: Hörluchs berechnet 750€ für den 2.0 bzw. 850€ für den 2.1, während InEar rund 380€ in Rechnung stellt. Beim Aufpreis der Custom Variante sind sich Hörluchs und InEar wieder einig und verlangen rund 200€ on top. Der maßgefertigte StageDiver 2 trägt dann den Namen LivePro 2, während sich der Hörluchs mit dem Namenszusatz Pro begnügt.

Frequenzgang / Frequency response measurement Hörluchs 2.1 vs InEar StageDiver 2

Auch klanglich lassen sich einige Parallelen finden. Zunächst fällt aber der unterschiedlich stark ausgeprägte Tiefton auf, den der Hörluchs rund 4 dB mehr betont als der SD2. Beide eint dennoch der weichere Ausklang im Bassbereich. Die warme Einfärbung im Mittelton ist hingegen beim HL 2.1 um einiges deutlicher ausgeprägt. Im oberen Mittelton fokussiert der StageDiver den Bereich um 2 kHz, während der Hörluchs hier hintergründig spielt und stattdessen den Bereich um 4 kHz ausprägt. Im folgenden Hochton spielen beide Inears wiederum mit erstaunlicher Ähnlichkeit – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Grundsätzlich handelt es sich zwischen den beiden Inears um ein Duell auf Augenhöhe. Zudem ähnelt sich die Klangcharakteristik beider Inears abseits des Tiefton, sodass wir den Hörluchs 2.1 gerne als bassstärkere Alternative zum StageDiver 2 empfehlen würden. Die Preisgestaltung macht uns hier einen Strich durch die Rechnung.

Hörluchs 4.0 vs Vision Ears VE8:
Zugegeben: Den Hörluchs 4.0 und den Vision Ears VE8 trennen ein paar Euro. Genauer gesagt sind es 780€, die zwischen dem teureren VE8 und der ab 1550€ erhältlichen Custom-Variante des HL 4.0 stehen. Nichtsdestotrotz möchten wir den VE8 hier vergleichen, als Vorzeige-Kandidat für mitreißend und dennoch ausgeglichen abgestimmte Inears.
Sowohl der Hörluchs als auch der Vision Ears stammen aus deutscher Produktion. Während der HL 4.0 auf 4 BA Treiber pro Seite setzt, wartet der VE8 mit der doppelten Anzahl auf. Ein weiterer offensichtlicher Unterschied ist, dass Hörluchs seine Inears auch im universellen Gehäuse anbietet. Vision Ears sind hingegen ausschließlich als Custom zu bekommen, bieten im Gegenzug aber eine deutlich größere Auswahl an Design-Optionen im Vergleich zum maßgefertigten Hörluchs.

Frequenzgang / Frequency response measurement Hörluchs 4.0 vs Vision Ears VE8

Die Abstimmung beider Inears kennzeichnet sich durch mehr Bass und Hochton, als es neutral wäre. Im Tiefbass spielt der VE8 energischer als der Hörluchs, dessen Bass insgesamt dennoch kräftiger und präsenter spielt. Dies liegt zum einen am stärker ausgeprägten Oberbass, als auch an der grundsätzlich warmen, hintergründigen Abstimmung im oberen Mittelton des Hörluchs. Trotz des kräftigeren Basses schafft es der Tiefton des HL 4.0 dennoch etwas trockener als der des Vision Ears zu spielen. Nichtsdestotrotz übertrifft der HL 4.0 die ohnehin schon warme Einfärbung des Stimmbereichs des VE8 noch einmal deutlich. Im oberen Mittelton unterscheidet sich die Abstimmung beider Inears ebenfalls gewaltig. Während der VE8 den Open Ear Gain kompensiert und somit einen neutralen oberen Mittelton anstrebt, fehlen dem Hörluchs hier die entscheidenden Dezibel. Folge sind ein auffällig matter sowie hintergründiger Klang beim HL 4.0 und hingegen klare, sauber artikulierte Stimmen sowie Instrumente beim VE8. Im Übergang zum Hochton reduziert der VE8 seinen Pegel nur wenig. Hörluchs setzt im Gegenzug auf eine deutliche Senke, was den 4.0 weiterhin an Durchhörbarkeit einbüßen lässt. Im folgenden Hochton spielt der 4.0 wiederum einen spitzen Peak, während der Vision Ears einen homogen angehobenen Hochton wiedergibt.
Die Auflösung und vor allem die subjektive Durchhörbarkeit subtiler Details liegt beim Vision Ears klar auf einem deutlich höheren Niveau. Einzig im Bassbereich kann der Hörluchs seinem Konkurrenten die Stirn bieten und mit einem schnell ausklingenden Tiefton überzeugen. In jedem anderen Frequenzbereich ist der VE8 dem günstigeren HL 4.0 um Klassen überlegen. Im Direktvergleich lässt der ohnehin leicht warm abgestimmte VE8 den Hörluchs stark matt und verfärbt klingen und weist den Newcomer somit klanglich in seine Schranken.

Hörluchs 4.0 vs Vision Ears VE6 X1:
Der ab 1530€ erhältliche VE6 ist preislich sicherlich der passendere Vergleich als sein großer Brunder VE8. Doch der VE6 unterscheidet sich durch seine analytische Abstimmung insbesondere im oberen Mittelton und Hochton noch deutlicher vom HL 4.0. Zieht man dennoch den in etwa gleich teuren VE6 zum Vergleich heran, so muss man am ehesten zum VE6 X1 greifen. Der VE6 X1 kennzeichnet sich im Vergleich zur Variante X2 durch einen kräftigeren Tiefton – hier kostet der Bassboost übrigens keinen Aufpreis.

Frequenzgang / Frequency response measurement Hörluchs 4.0 vs Vision Ears VE6 X1

Schon bei den ersten Tönen wird klar, dass die klangliche Ausrichtung beider Inears grundverschieden ist. Auf der einen Seite der HL 4.0 mit seinem indirekten, matten Klang und auf der anderen Seite der analytisch, leicht hell abgestimmte VE6 X1. Im Bassbereich ähneln sich die beiden Inears tatsächlich sogar etwas, doch geht der Bass des dunkel abgestimmten Hörluchs gefühlt deutlich kräftiger zu Werke. Jenseits des Tiefton unterscheiden sich die Abstimmungen dramatisch. Besonders deutlich wird der Unterschied beider Hörer im Frequenzbereich um 5 kHz – hier trennen VE6 X1 und HL 4.0 mal eben rund 15 dB. Während sich der VE6 hier eine kleine Betonung genehmigt, ist dieser Frequenzbereich beim HL 4.0 stark gestutzt. Der Vorteil davon ist, dass der Hörluchs weniger scharf und sibilant als der Vision Ears klingt; der große Nachteil ist, dass Stimmen beim HL 4.0 nuschelig und Instrumente gedämpft klingen. Diesen Umstand macht der Vergleich mit dem analytischen VE6 X1 besonders deutlich.
Trotz der offensichtlichen Unterschiede in der Abstimmung lässt sich feststellen, dass der VE6 dem HL 4.0 technisch eindeutig überlegen ist. Wie schon sein großer Brunder löst der VE6 im Mittel- und Hochton merklich besser auf als der 4-Treiber von Hörluchs. Der matt abgestimmte HL 4.0 macht dem Zuhörer Mühe musikalische Details überhaupt wahrzunehmen, während der analytische Charakter des VE6 quasi zum Zuhören zwingt. Beim Wechsel vom Hörluchs auf den 6-Treiber von Vision Ears fällt also der sprichwörtliche Vorhang. Der Vergleich zum Vision Ears VE6 X1 zeigt, dass Hörluchs auch gegenüber der gleich teuren Konkurrenz aus Deutschland Verbesserungsbedarf auf klanglicher Ebene hat.

Hörluchs 2.1, 4.0, 4.1 & Vision Ears VE5, VE6 Xcontrol, VE8 & Campfire Audio Andromeda, Vega

Fazit:
Hörluchs legt einen äußerst ambitionierten Marktstart hin. Der Newcomer aus dem deutschen Hersbruck betritt das Spielbrett gleich mit 4 neuen Modellen, die in diversen Varianten konfigurierbar sind. Den Rücken der neuen Inears stärkt ein äußerst ansprechender Web-Auftritt und Marketing-Material en masse. Von Beginn an hat man das Gefühl ein erwachsenes und ausgereiftes Produkt in den Händen zu halten. Unterstützt wird der positive Eindruck durch die gelungene universelle Gehäuseform, die an die bekannten StageDiver erinnert. Passform und Isolation können somit gleich überzeugen. Ausgerechnet beim Kernelement des Inears – dem Klang – leistet sich der Newcomer entscheidende Fehler. Insbesondere die Top-Modelle HL 4.0 und 4.1 verschrecken mit einer ungewöhnlichen Abstimmung und vermissen es angemessene Klangqualität zu vermitteln. Im Vergleich zur Konkurrenz zeigt sich ein deutliches Defizit, sodass wir auf eine Neuauflage der 4er Serie hoffen. Der Hörluchs 2.1 kann hingegen durch seine warm-bassige und gelungene Abstimmung überzeugen. Auch auf technischer Ebene weiß der 2-fach BA zu gefallen. Anlass zur Kritik bietet hier vor allem die Preisgestaltung: Konkurrenzprodukte wie der InEar StageDiver 2 oder der NuForce HEM4 bieten ähnliche Klangqualität für weniger als den halben Preis. Gerne würden wir den HL 2.1 als Konkurrent im gleichen Preisbereich empfehlen.
Wir werden das Gefühl nicht los, dass sich Hörluchs bei seinem Debüt verhoben hat. Weniger Variantenvielfalt bei sorgfältigerer Abstimmung und angemessenerer Preisgestaltung wäre womöglich sinnvoller für den Einstieg in den Inear-Markt gewesen. Dennoch ist das Fundament, dass Hörluchs aus Verarbeitung, Design und dem Markenauftritt errichtet solide und bietet hoffentlich die Grundlage für Verbesserungen in klanglicher Hinsicht. Nur zu gerne würden in Zukunft einen Inear von Hörluchs testen und das Review mit den Worten abschließen: Hören wie ein Luchs.

Niklas

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Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil - als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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