Benchmark DAC3 HGC

Benchmark DAC3 HGC

Headflux Team: Heute verkünden wir eine kleine Premiere – das Headflux-Debüt von Klaus! Für seine erste Veröffentlichung auf unserer Seite testet er nichts geringeres als ein Benchmark Gerät der absoluten Oberklasse. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und freuen uns jetzt schon auf weitere Reviews von Klaus.

Die Firma Benchmark Media Systems hat ihren Sitz in USA und spezialisiert sich auf eher hochpreisige Produkte. Der DAC3, der optisch dem Vorgänger DAC2 stark ähnelt, verspricht mit positiven Messergebnissen ein sehr guter D/A-Wandler zu sein, der jedoch auch mit einem integrierten Kopfhörerverstärker beeindrucken möchte.

Den hier vorgestellten DAC3 von Benchmark Media Systems gibt es in drei verschiedenen Ausführungen:
1. DAC3 HGC: D/A-Wandler mit eingebautem HPA-2 Modul, inkl. Fernbedienung.
2. DAC3 L: Die Basisausführung des Digital-Analog-Konverter, inkl. Fernbedienung.
3. DAC3 DX: Diese Version ist optimiert für den professionellen Einsatz und unterscheidet sich bei den Eingängen. Es entfallen analoge Eingänge und stattdessen gibt es zusätzlich einen symmetrischen digitalen AES3-Eingang. Die Fernbedienung muss zusätzlich erworben werden.

Die günstigste Version ist dabei der L. Die UVP beginnt bei ca. 1.995 USD ohne Steuern. Danach kommt der DX ohne Fernbedienung für 2.095 USD. Kauft man die Fernbedienung separat, liegt der DX mit dem HGC gleichauf, denn dieser soll standardmäßig 2.195 USD kosten. Hierzulande ist der DAC3 HGC für ganze 2.865€ beim Händler Thomann verfügbar. Da wir uns natürlich auch für die Kopfhörerverstärkereinheit interessieren, liegt uns passenderweise der HGC mit dualem 6,3mm Neutrik-Ausgang vor. Aber machen wir uns nichts vor, für den Preis muss erstmal etwas geboten werden! Zum einen wären da eine Vielzahl an Anschlussmöglichkeiten. An Eingängen gibt es vier SPDIF-Anschlüsse (je zweimal Coax und Toslink), zwei unsymmetrische Cinch-Analogeingänge und einen asynchronen USB 2.0-Anschluss. Ausgegeben wird entweder unsymmetrisch über zwei Cinch-Ausgänge oder symmetrisch über 3-Pin AES.

Benchmark DAC3 HGC

Des Weiteren wirbt Benchmark Media mit einer zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nie so niedrig gemessenen harmonischen Verzerrung (THD), das für einen unglaublichen Dynamikumfang bei der Ausgabe sorgen soll. Durch Verwendung der ESS Sabre Pro 9028 D/A-Wandler soll auch die Unterstützung für DSD kein Problem sein. Es gibt auf jeden Fall genug Gründe, sich das Teil mal genauer anzuschauen. An dieser Stelle vielen Dank an den SCV Distribution für die geduldige Leihgabe!

Verpackung und Lieferumfang
Bei der Verpackung gibt es kaum Lohnenswertes zu berichten. Geliefert wird der teure DAC in einer gut gepolsterten Pappschachtel mit Firmenaufdruck. Eine Holzschachtel oder eine Transportbox wäre jetzt auch nicht wirklich angemessen. Neben dem DAC selber, findet man eine Fernbedienung (DAC3 L oder HGC vorausgesetzt), ein Netzkabel, ein USB-Kabel, elektrische Widerstände zum Wechsel zwischen 130 und 240 Volt, eine Garantiekarte und ein ausgedrucktes Handbuch als Ringblock in der Schachtel.

Verarbeitung und Design
Die Maße entsprechen etwa 24.9 x 4.5 x 23.7cm bei 1,4 kg. Der DAC3 ist überraschend kompakt. Verstärker wiegen meist wesentlich mehr in der Größe, Kritik soll das jedoch nicht sein. Durch gummierte Untersätze steht der DAC jedenfalls fest und sicher auf einer ebenen Fläche.

Benchmark DAC3 HGC

Das Gehäuse besteht aus einem angerauten schwarzen Aluminium, das gegenüber eloxiertem wesentlich weniger empfindlich für Kratzer ist. Die Frontplatte ist recht dick und mächtig. Hier wird von Benchmark allerdings eine Farbwahl gegeben. Entscheidet man sich für die schwarze Front, erscheint das Gesamtbild recht unauffällig und bescheiden. Die uns vorliegende Version mit silberner Front wirkt hingegen pompös. Dazu tragen die großen Sechskantschrauben in jeder Ecke bei, sowie das Kontrastspiel zwischen schwarzer glatter Bedienknöpfe und hellem staffiertem Hintergrund. Der Herstellername Benchmark ist tief ins Metall gestampft- Die vergoldeten Kopfhörerausgänge sind in der Tiefe zurückgesetzt und lenken so die Augenführung auf den großen Lautstärkeregler, der felsenfest an seiner Position sitzt. Der gerillte Drehknopf lässt sich butterweich bewegen und verzichtet dabei auf eine Rasterung.
In homogenen Abständen sind noch 16 blau leuchtende LED-Signallichter an der Front untergebracht. Diese geben dem Nutzer an, welche Quelle verwendet wird und in welcher Bit-Tiefe und in welcher Abtastfrequenz der digitale Ton empfangen wird. Das Design ist zweckmäßig und übersichtlich aufgebaut, im Detail erkennt man aber auch etwas Liebe zum Detail. Auch an der Verarbeitung haben wir keine Schwachstelle finden können.

Funktionsumfang
Es soll kein Geheimnis sein, wir sind Freunde vom etwa zeitgleich erschienenen RME ADI-2 Pro. Dieser A/D- und D/A-Wandler mit sauberem KHV überraschte mit einem überwältigendem Funktionsumfang, der dem Anwender alle möglichen Eingriffe in die digitale Signalverarbeitung (DSP) erlaubt. Dazu gehören z.B. neben Dual-Equalizer und Crossfeed überraschenderweise auch verschiedene DA-Filter zur Beeinflussung der Impulsantwort. Auf diesen ganzen – vorsichtig formuliert – „Schnickschnack“ verzichtet Benchmark komplett. Vom Anwender wird nur erwartet, dass er das Gerät einschalten kann und den gewünschten Input wählt. Dabei findet jedoch auch eine digitale Signalverarbeitung statt, die gezielt die zweite und dritte harmonische Verzerrung ausbügelt. Außerdem greift die von Benchmark verwendete UltraLock3 Jitter-Dämpfung ein. Jegliche DSP-Eingriffe passieren in umgerechneten 32Bit Tiefe mit 3,5 dB Headroom um Verzerrungen unterhalb von 140 dB (und somit theoretisch unhörbar) zu halten.

Benchmark DAC3 HGC

Recht interessant ist die Integration der analogen Eingänge, denn diese werden nicht erst digital umgewandelt, sondern werden durchgeschleift und im Falle des Kopfhörerausgangs verstärkt. Hierbei wandelt der Lautstärkeknopf geschickt von einer digitalen Reglung zu einer analogen um. Der geistige Antrieb von Benchmark gibt sich zu erkennen: Komplizierte Technik wird benutzerfreundlich verpackt und idiotensicher an den Endverbraucher gegeben. Was zählt ist das Ergebnis und das ist der Klang!

Sound
Benchmark wirbt beim DAC3 mit „neutral studio monitoring“, also unverfälscht ehrlichem Klang. Erfreulicherweise ist nicht die geringste Verbiegung am Frequenzgang erkennbar – hier bleibt der Marketing-Text ehrlich. Auch der von Benchmark betont große Dynamikumfang scheint positiv aufzufallen. Das Klangbild des DAC3 weist viel Tiefe auf. Töne staffeln sich bildlich gesprochen vor- sowie hintereinander und bleiben dabei stets sauber getrennt. Der Benchmark spielt seine dynamische Fähigkeiten voll aus und überzeugt auch während Dynamik-Spitzen mit voller Kontrolle. Selbst schmalbandige Anhebungen im Frequenzgang einiger Kopfhörer bringen den Verstärker nicht aus der Ruhe. Die Darstellung wirkt insgesamt sehr lebendig ohne zu verfälschen. Ich möchte die Wiedergabe tatsächlich als sehr transparent beschreiben.
Natürlich interessiert jedoch nicht nur die Umwandlung digitaler Signale, sondern insbesondere auch die Leistung des Kopfhörerverstärkers. Der integrierte Verstärker war früher mal als Benchmark HPA-2 separat erhältlich; mittlerweile wohl nicht mehr. Eines sei vorweggenommen: Reine Leistung hat das Modul! Da kommt wirklich ordentlich Saft raus und ich kann mir keinen dynamischen Kopfhörer vorstellen, der nicht verzerrungsfrei laut genug angetrieben werden sollte. Wer also gemütlich zuhause auf der Couch mit Bügelkopfhörern sitzt, dem sollte der DAC3 HGC sehr positiv zusprechen. Mein umgewandelter Beyerdynamic DT 990, als auch der DT 1990 Pro wollen selbst bei leisen Aufnahmen nicht die 12 Uhr am Regler erreichen. Auch der etwas ältere Hifiman HE-6 fühlt sich am Benchmark pudelwohl.

Benchmark DAC3 HGC

Etwas kritischer wird es mit empfindlichen Ohrhörern. Das verstärkte Ausgangssignal ist im Prinzip sehr sauber und leise. Auch dank der niedrigen Ausgangsimpedanz von ca. 0,1 Ohm sollte eine Verbiegung des Klangs ausgeschlossen bleiben. Es ist auch mit sehr empfindlichen maßgefertigten Inear-Monitoren kein Rauschen wahrnehmbar. Dank der digitalen Lautstärkeregelung sind beide Stereokanäle dabei stets pegelgleich.
Ein Problem gibt es jedoch: Ca. das unterste Fünftel wird durch Drehbeschleunigung geregelt. So kann es sein, dass man bei gleicher Position manchmal keinen Ton mehr hat und es ein anderes Mal zu laut ist. Ab der Lautstärke, wo sich unsere Inear-Referenz ProPhile 8 wohl fühlt, ist eine präzise Einstellung nicht möglich. Wählt man beim DAC3 einen analogen Eingang, so wird auch die Lautstärke nicht mehr digital geregelt. So kommt es zu Kanalungleichheit bei niedrigen Lautstärken.
Sei die Einschränkung auf größere Kopfhörer mal außer Acht gelassen, so spielt auch der KHV im DAC3 sehr sauber und verzerrungsfrei. Solche Beschreibungen von Verstärkerklang ergeben jedoch nur Sinn, wenn man sie in Relation betrachtet. Als Konkurrenzprodukt wäre da zum Beispiel der Referenz-DAC von Lake People. Der ebenfalls vorliegende RS 06 24/196 DAC mit X-Mos Upgrade klingt recht vergleichbar und hat ebenfalls einen recht unaufdringlichen Charakter. Optisch verbunden und als Vorverstärker für den Lautsprechervollverstärker eingesetzt, möchte ich jedoch fast behaupten, dass der DAC3 nicht nur mehr Leistung bringt, sondern auch das reproduzierte Klangbild lebendiger wirkt. Dieser Leistungsunterschied relativiert sich etwas, wenn man den RS 06 mit dem RS 08 Kopfhörerverstärker verbindet und mit Kopfhörern vergleicht. Denn nicht nur ist die Verstärkerleistung vom Lake People hervorragend, sondern bremst die im Benchmark integrierte HPA-2 Verstärkung die Gesamtdynamik etwas ab. Den verlangten Aufpreis zum DAC3 kann man jedoch durch bequeme Steuerung mit der Fernbedienung und der Vielzahl von Eingängen je nach Einsatzzweck rechtfertigen.

Benchmark DAC3 HGC

Der bereits angeführte RME ADI-2 Pro bietet nahezu ein Kontrastprogramm zum Benchmark DAC3. Hier treffen zwei total verschiedene Ansatzweisen aufeinander. Wenn man mal nicht den Funktionsumfang der DSP Möglichkeiten berücksichtigt, ergibt sich am Kopfhörerausgang dennoch ein interessanter Vergleich. Der RME ist im Hochton etwas weicher und je nach DA-Filter nimmt er hier auch etwas Pegel ab. Gerade bei Liedern mit scharfem Hochton kommen diese beim Benchmark stärker zum Vorschein. Dies soll aber keine Kritik am DAC3 sein, dennoch scheint es uns als ob die Wandler-Chips von AKM im ADI-2 Pro plastischer und zum Teil dunkler klingen – man möchte fast behaupten „analoger“. Bei diesem Duell sollte jeder durch persönliche Präferenz leicht einen Gewinner wählen können.
Kategorisiert betrachtet, ist der DAC3 am ehesten mit dem Chord Hugo TableTop vergleichbar. Leider ist dieser nicht mehr vor Ort, war jedoch einige Monate in meinem Besitz. Chord hat echt einen schweren und auffälligen Brocken „aufgetischt“ (wegen „tabletop“, haha?). Der große TT hat wie der kleine Hugo auch eine gewisse magische Reproduktion des Hochtons. Diese mag man oder auch nicht. Dennoch sollte der angesprochene Kunde von Chord im Prinzip mit dem von Benchmark identisch sein. Es werden recht hohe Anforderungen an saubere und transparente Musikreproduktion gestellt. Bei diesem Preisunterschied fällt es jedoch wirklich schwer den Hugo TT zu empfehlen.

Fazit
Um ehrlich zu sein, waren meine Erwartungen gegenüber dem Benchmark DAC3 nicht allzu hoch. Dafür wurde ich positiv überrascht. Als Hifi-DAC im Stereo-Setup hinterlässt die kleine Kiste ordentlich Eindruck. Auch der beworbene neutrale Studio-Klang ist erfreulicherweise gegeben. Der bis jetzt noch unbekannte Preis wird erwartungsgemäß nicht niedrig ausfallen. Es gibt bereits sehr gute professionelle Konkurrenzprodukte, die auch für weniger Geld zu haben sind. Allerdings wird dort nicht dieser Umfang an Ein- und Ausgängen gegeben und auch auf dem Komfort einer Fernbedienung muss in fast allen Fällen verzichtet werden. Im Gegensatz zur D/A-Einheit bietet der integrierte Kopfhörerverstärker zwar keine Referenzleistung, sollte jedoch für fast alle Heimanwender mindestens ausreichend und eine willkommene Zugabe sein. Der Benchmark DAC3 bietet somit ein empfehlenswertes Studioerlebnis für das Wohnzimmer.

Benchmark DAC3 HGC

Klaus

Über

Als anerkanntes Mitglied des HiFi-Forums blickt Klaus auf jahrelange Kopfhörer-Erfahrung zurück. Durch enge Kontakte zur Szene, war er bereits vielfach als Mediengestalter für die Branche tätig. Auch als Autor und Fotograf ist er kein unbeschriebenes Blatt – so mussten sich bereits unzählige Kopfhörer, Inears und Verstärker seinem kritischen Urteil unterziehen.

Siehe alle Beiträge von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.