AKG N40

AKG N40 Inear

AKG ist bisher hauptsächlich als Hersteller für Bügelkopfhörer bekannt. Nun baut der Kopfhörer-Spezialist der Harman-Gruppe sein Inear Sortiment mit dem N40 weiter aus. Dabei siedelt sich der Neuling unterhalb des hybriden Flaggschiffes K3003 an. Ganz wie der große Bruder setzt der N40 auf einen hybriden Aufbau; anders als dieser hat der AKG N40 dafür zwei Treiber zur Verfügung, während der K3003 auf drei Schallwandler setzt. Der neue N40 bedient sich dafür jeweils eines dynamischen und eines Balanced Armature (BA) Treibers pro Seite. Die BA-Treiber stammen von Knowles und sitzen unmittelbar in den Schallröhrchen des N40, während der dynamische Treiber im Gehäuse dahinter arbeitet. Als kleine Besonderheit bringt der Inear 3 Paar Klangfilter mit sich, die dem Nutzer den Eingriff in die Abstimmung ermöglichen. Standardmäßig sind die sogenannten Reference Filter installiert, per Bass- und Hochtonfilter lassen sich dem N40 zwei weitere Abstimmungen entlocken.

Preislich liegt der hybride N40 bei rund 400€ und ist unter anderem bei den Händlern Amazon und Thomann verfügbar. In der ansehnlichen Verpackung finden sich zwei Kabel mit und ohne Headset, ein semi-hartes Case und 4 Paar Silikon-Tips sowie ein kleines Reinigungswerkzeug und natürlich die beworbenen Filter. Die Auswahl verschiedener Aufsätze dürfte ruhig etwas reichhaltiger sein; Foam-Tips sucht man beispielsweise vergeblich.

Verarbeitung und Passform:
Optisch kommt der AKG in einer Kombination aus Glanz und Matt daher. Die Faceplates erstrahlen in verchromtem Edelstahl, während die innenliegenden Bauteile in samtschwarzem Kunststoff gehalten sind. Je nach Geschmack könnte man die glänzende Optik wohl als edel, protzig oder kitschig bezeichnen. Das Schallröhrchen wiederum setzt sich durch solides Metall von der schwarzen Innenseite ab. Optisch und haptisch kommt der N40 somit durchaus hochwertig daher. Ähnliches gilt für die beiden mitgelieferten Kabel, die vom Klinkenstecker bis zu Splitter in Stoff ummantelt sind. Angeschlossen wird über den drehbaren MMCX-Stecker. Die Qualität der Kabel hinterlässt einen durchaus positiven Eindruck, während die Headset-Fernbedienung mit leichtem Klappern auf Berührungen reagiert. Bei Berührung der Kabel ensteht wiederum erfreulich wenig Mikrophonie, was besonders aktive Musikhörer zu schätzen wissen.
Durch die vergleichsweise kleine Passform verschwinden die Inears fast unbemerkt in den Ohren. Somit eignen sich die N40 auch für kleine Ohren.
Hat man den richtigen Aufsatz finden können, ist die Isolation gegen Außengeräusche recht durchschnittlich. Begründet liegt das in den zwei Ventilationsöffnungen, die für den dynamischen Treiber notwendig sind.

AKG N40 case

Klang:
Reference Sound nennt AKG den Standardfilter des N40 – das schürt natürlich die Erwartung auf ein annähernd neutrales Klangbild. So holt sich AKG gleich mal eine Rüge von uns, denn neutral ist die Abstimmung sicher nicht. Selbst die hauseigene Harman Target Response übertrifft der Tiefton des N40 noch um ein gutes Stück. Da fragt man sich doch unweigerlich, warum Harman über Jahre hinweg die Hörpräferenzen unzähliger Probanden untersucht, um sich letztlich nicht an den Ergebnissen zu orientieren… Ganz offensichtlich hat sich AKG also entschieden einen anderen Weg zu gehen und liefert einen der Inear, der mit einer einer bassreichen Abstimmung überzeugen soll, was sicherlich ebenfalls seine Abnehmer finden wird.

Im Tiefton genehmigt sich der N40 somit schon mit den Standard-Filtern rund 10 dB mehr als es neutral wäre. Vor allem Mid- und Tiefbass packen dadurch kräftig zu und liefern ordentlich Bassdruck, während der obere Bassbereich nur dezent erhöht bleibt. Erfreulicherweise kann sich der Mittelton gegen den starken Bass behaupten – hier spielt der N40 nahezu neutral, was in der Messung durch die Anhebung rund um 3 kHz zu erkennen ist. Dunkle Stimmen erhalten durch den präsenten Bass allerdings ein leicht warme Einfärbung. Im Übergang zwischen Mittel- und Hochton findet sich ein Peak im Frequenzverlauf, der einerseits ein Gegengewicht zum Bassbereich darstellt, andererseits auch unangenehm klingen kann. Folglich zeigt der N40 eine gewisse Neigung scharfe S-Laute zu betonen. Helle Stimmen erhalten dadurch ein eher kühles Timbre. Der Bereich des oberen und mittleren Hochtons spielt wiederum recht ausgeglichen und unauffällig, ohne dabei Töne zu vernachlässigen. Insgesamt ist die tonale Balance, trotz des starken Basses, recht überzeugend gelungen.

Frequenzgang / Frequency response measurement AKG N40 Reference Sound

Die Auflösung, die der N40 bietet, gefällt vor allem im Mittel- und Hochton. Die Performance des BA-Treibers weiß zu überzeugen und ist der Preisklasse des AKG absolut angemessen. Der Bassbereich offenbart unmittelbar, dass hier ein dynamischer Treiber werkelt. Im Tiefton klingt der AKG dadurch um einiges weicher, als seine Kollegen, die ausschließlich auf BA-Treiber setzen. Bässe wirken somit sehr körperhaft und klingen noch lange nach. Gefühlt unterlegt der Inear jedes Stück mit einem leichten Bass-Wummern. Das kann sicherlich auch gefallen und der Musik viel Volumen verleihen, wir hätten in dieser Preisklasse aber lieber einen deutlich präziseren Tiefton gehört.
Überzeugen kann der N40 mit seiner weiträumigen musikalischen Darstellung. Die virtuelle Bühne, die der Inear aufspannt, ist überdurchschnittlich groß und wirkt sehr live-haft. Die ordentliche Auflösung des BA-Treibers ermöglicht eine präzise Ortung im Mittel- und Hochton, während der Tiefton wenig Staffelung bietet und somit diffus klingt.

Klanganpassung durch Filter:
Klangverstärkungsfilter nennt AKG die schraubbaren Aufsätze, die an der Spitze des Schallröhrchens angebracht werden. Hinter dem Paradoxon verbergen sich 3 Paar Schutzgitter, die mit unterschiedlichen akustischen Filtern ausgestattet sind. Der Nutzer hat hier die Wahl zwischen Reference Sound, Bass Boost und High Boost. Mit etwas Fingerspitzengefühl lassen sich die kleinen Filter aus der schicken Metall-Halterung abmontieren und auf das Schallröhrchen aufschrauben. Der dadurch zu erreichende Effekt bleibt allerdings sehr überschaubar.

Frequenzgang / Frequency response measurement AKG N40 Filter comparison

Der Bass Boost-Filter wird seinem Namen kaum gerecht und senkt eher den oberen Hochton moderat ab. Der Zugewinn an Tiefton ist leider sehr gering – wobei wir nicht der Meinung sind, dass es dem N40 etwa an Bass mangeln würde. Der High Boost-Filter macht hingegen was er soll. Streng genommen handelt es sich bei ihm um gar keinen Filter, sondern nur um das nackte Gitter vor dem Schallröhrchen. Somit wird der dahinter befindliche BA-Treiber nicht weiter gedämpft, was mehr Hochton zur Folge hat. Leider wird dadurch ebenfalls der Bereich um 5 kHz erhöht, was der Sibilanz nicht gerade zuträglich ist. Am harmonischsten wirkt doch der Standard Filter namens Reference Sound. So ist das Résumé der Filter doch etwas ernüchternd – diese hätte sich AKG auch einfach sparen können.

AKG N40 Filter

Klangveränderung durch Ohr-Anatomie:
Im innenliegenden Gehäuseteil des N40 befindet sich eine von zwei Ventilations-Öffnungen des Inears. Je nach Anatomie des Ohres ist es möglich diese teilweise oder ganz zu verschließen, was deutliche Unterschiede im Klang hervorrufen kann. Die folgende Messung zeigt den Frequenzgang des Inears einmal mit unverschlossener und einmal mit abgedeckter Öffnung. Darin ist anschaulich zu sehen, dass der Tiefton durch Verschließen der Öffnung hörbar angehoben wird.

Frequenzgang / Frequency response measurement AKG N40 Reference vs closed vent

AKG N40 vs InEar StageDiver 2:
Preislich liegen N40 und SD2 auf ähnlichem Niveau, eine ähnliche Abstimmung teilen sie allerdings nicht. Nichtsdestotrotz muss der SD2 aufgrund seiner hohen Beliebtheit und weiten Verbreitung in seinem Preisbereich als Benchmark herhalten.
Schon die unterschiedliche Aufmachung der beiden Inears macht sofort klar, dass sie verschiedene Zielgruppen ins Visier nehmen. Der AKG zielt mit hübscher Umverpackung, verchromtem Gehäuse und Headset-Kabel insbesondere auf den klassischen Consumer, während der SD2 kaum verschleiert, dass seine Herkunft die Bühne ist. Sicher haben beide Ansätze ihren eigenen Charme, bei uns punktet der SD2 vor allem mit sinnvollerem Zubehör, was unter anderem ein Peli-Case, eine Vielzahl Tips und Cerumen-Filter beinhaltet. Für den AKG sprechen hingegen das zweite Kabel mit Headset und die attraktive Aufmachung.
Der N40 verschwindet durch seine kleinen Gehäuse unproblematisch und fix im Ohr, isoliert dabei leider nur mäßig. Der StageDiver kann durch seine ergonomisch geformten Gehäuse überzeugen, die hervorragenden Sitz und Isolation erreichen – allerdings sind die Gehäuse auch um einiges größer. Für kleinere Ohren hält die Firma InEar noch den SD2 in small in petto.

Frequenzgang / Frequency response measurement AKG N40 vs InEar SD2

Der N40 tritt dem SD2 mit seinen Reference Sound-Filtern gegenüber. Klanglich unterscheiden sich die beiden Inears recht offensichtlich durch ihre Abstimmung. Passend zur Zielgruppen-Ausrichtung liefert der AKG N40 deutlich mehr Bass, als der StageDiver. Der SD2 hält mit seinem trockenerem und schlankeren Tiefton gegen. Insbesondere qualitativ spielt der SD2 hier auf einem offensichtlich höherem Niveau. Im direkten Vergleich wirkt der Tiefton des AKG regelrecht matschig und wenig definiert. Der Bereich der oberen Mitten ist beim N40 hingegen um einiges präsenter, während der SD2 hier etwas zurückhaltender spielt. Das macht den InEar StageDiver zum langzeittauglicheren Inear. Der AKG wirkt hingegen stellenweise etwas deutlicher artikuliert, was andererseits auch schnell anstengend klingen kann. Beide spielen im Mittel- und Hochton aber qualitativ in etwa auf Augenhöhe, was es umso ärgerlicher macht, dass sich AKG für den qualitativ zweifelhaften dynamischen Bass-Treiber entschieden hat – verschenktes Potential. Punkten kann der N40 wieder mit seiner angenehm weiträumigen Darstellung. Dem SD2, der im Bereich des räumlichen Klangs eine Art Referenz darstellt, kann er allerdings nicht ganz das Wasser reichen. Insbesondere die räumlich präzise Darstellung im unteren Frequenzspektrum macht dem AKG dabei zu schaffen.

Fazit:
Hybride Inears erfahren in den letzten Jahren einen wirklichen Boom. AKG möchte ebenfalls mitmischen und liefert mit dem N40 einen weiteren hybriden Inear unterhalb des K3003. Schon auf den ersten Blick möchte der N40 mit ansprechender Umverpackung, Headset-Kabel und seinen verchromten Faceplates überzeugen. Die hochwertige Verarbeitung des Inears und der beiliegenden Kabel unterstreicht den selbstbewussten Auftritt. Dank der kleinen Gehäuse lässt sich der AKG angenehm tragen, isoliert Außengeräusche aber nicht sonderlich gut.
Klanglich gibt sich der N40 bassstark. Nichtsdestotrotz können sich Mittel- und Hochton gegen den präsenten Tiefton behaupten, sodass das die Balance recht ausgeglichen klingt. Qualitativ kann uns der Klang im oberen Frequenzbereich überzeugen, der Tiefton hingegen nicht. Bässe wirken tendenziell weich und undefiniert; je nach Geschmack mag der weiche Tiefton sogar gefallen, zeugt aber nicht gerade von Qualität. Mit seiner weiträumigen musikalischen Präsentation kann der AKG wiederum punkten. Die beigelegten Filter bewirken lediglich überschaubare klangliche Veränderungen und lohnen kaum den Wechsel-Aufwand.
In unserem abschließenden Fazit sind wir sind hin- und hergerissen. Zielgruppe des N40 ist wohl weniger der HiFi-Enthusiast, sondern vielmehr der Verbraucher, der einfach einen schönen Inear für sein Smartphone sucht. Und dafür bietet der AKG sicherlich überzeugende Attribute. Allerdings wildert der N40 mit seinen knapp 400€ in einem Preisbereich, in dem schönes Design und zwei Kabel längst nicht mehr ausreichen. Klanglich kann er nur auf halber Strecke überzeugen, wodurch er sich letztendlich der starken Konkurrenz geschlagen geben muss.

Niklas

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Teilzeit Fotograf, teilzeit Autor und vollzeit Audiophil – als Mitgründer von Headflux dreht sich immer alles um das Thema HiFi. Schreibt Niklas gerade mal keinen Artikel, dann macht er wahrscheinlich Fotos des neusten Audio-Gears.

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